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Goethe in Jaipur – Palast der Winde
Mit verbrannten Füssen aus dem Taj folgen wir weiter der Touristenroute, die Goethe der Jenaer Ex-student vorschlägt. „Erst die Kultur...,“ teilt er mir von seinem hohen Ross mit, will er sehen, dann erst will er dem Volke aufs Maul schauen. Ich heuchle Geduld. Mitten im hupenden, edelsteinverkaufenden, aufstrebenden Wüstenwahnsinnskaff Jaipur steht der Palast der Winde. Es ist eines der wichtigsten touristischen Orte Indiens. Pauschaltouristen von allen Planeten der Milchstraße werden hier kurz abgeladen. Sie kommen nicht bewaffnet mit Photonenlasern, sondern Kameras. "Der Hindi-name Hawa Mahal – heißt wörtlich übersetzt Luft-oder Windpalast", erklärt mir der Geheimrat, der nachts auf dem Reiseführer schläft. Recht hat er, dieser Palast ist ein historisches Phänomen. Er besteht nur aus einer Fassade mit kleinmaschigen Steinfenstern. Eine handwerkliche Meisterleistung. Der Palast steht an einer stark befahrenen Strasse. Ja richtig, Kamelkarren drängen Autobuse ab, die legen sich mit Touristenbusen an und dann schlackst ein Halbstarker mit Ohrringen und 80-Jahre Fokuhila über die Strasse und zwingt all die mächtigen Verkehrsmittel zum Stoppen.