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Unter die (Zeit)Lupe genommen: 50 Jahre El Primero - Eine Retrospektive
50 Jahre El Primero – ein halbes Jahrhundert, in dem das legendäre Uhrwerk von Zenith vom beinahe-Verschrotten bis zum High-Tech Werk mit Anzeige der 100-tel Sekunde alle Höhen und Tiefen der Uhrmacherei durchmachte, sind Grund genug diese Zeitspanne etwas detaillierter unter die (Zeit-) Lupe zu nehmen. Doch lassen Sie uns die Geschichte von vorne beginnen: 1962 – 1969: El Primero, die Geburt einer Legende Ein Objekt wird niemals zufällig geboren, und schon garnicht in der Uhrenbranche. Es ist vielmehr die Frucht einer Ära. Es stammt von den Bräuchen eines bestimmten Zeitalters ab und antizipiert sie manchmal. Die Lebensdauer von Objekten, die aus modischen Anwendungen geboren wurden, wird die Zeit, in der sie entstanden sind, nicht überleben. Auf der anderen Seite dürften diejenigen, die vor ihrer Zeit geschaffen wurden, Bestand haben. Dies ist bei El Primero der Fall. Das El Primero-Werk wurde am 10. Januar 1969 nach siebenjähriger „Schwangerschaft“ gestartet. Eine Rückblende…. Zu Beginn der 1960er Jahre verloren Chronographen mit Handaufzug, wie sie damals üblich waren, nach und nach ihre Akzeptanz bei den Käufern. Die Kunden hatten sich an die Uhrwerke mit Selbstaufzug und ihre Annehmlichkeiten gewöhnt; man musste nicht mehr jeden Morgen eine Krone für den Aufzug des Werkes betätigen, damit die Uhr weiter lief und die genaue Zeit beibehalten wurde. Alles, was erforderlich war um mit der Zeit Schritt zu halten, war aktives Leben, Bewegen und Arbeiten mit der Uhr am Handgelenk. Das Aufziehen einer Uhr galt als veraltet, Modernität, einfache Bedienung und Effizienz waren gefragt. Das Wort „Modernität“ wurde damals oft verwendet, und auch wenn es heute seine Bedeutung verloren hat, versprach es in den frühen 1960er Jahren eine glänzende Zukunft und weckte die Erwartung an Freiheit und Unabhängigkeit, eine Freiheit, in der Objekte die Rolle von Zeitsparern übernehmen sollten. Die damals vorherrschenden Strömungen des Denkens wurden vom prometheanischen Humanismus übernommen. Die Menschen wollten nicht mehr von einer äußeren Autorität bestimmt werden: Sie selbst waren nun Meister ihres Schicksals, Meister der Geschwindigkeit – und bald auch Meister des Weltraums. Sie hatten ein unerschütterliches Selbstbewusstsein. Während dieser Epoche, die der französische Ökonom Jean Fourastié Les Trente Glorieuses (Die glorreichen Dreißig) * nannte, die mit dem Ende des Ersten Weltkrieges begann und mit der Ölkrise von 1973 endete, erlebte Europa ein starkes Wirtschaftswachstum. Es führte in der Folge zu Vollbeschäftigung und zu mehr Kaufkraft und Massenverbrauch (Konsum). In diesen Jahren projizierten sich die Menschen in eine Zukunft, die sie sich als hypertechnisch vorstellten was sie mit großem Glück verbanden. Doch niemand konnte damals ahnen, wie ambivalent das Aufkommen der Technologie sein würde. Menschen würden im Weltraum reisen, Autos würden fliegen, Frauen hätten Roboter, die ihnen bei ihren Hausarbeiten helfen würden, und alle wären glücklich. Eine Uhr mit Handaufzug hatte keinen Platz auf dieser Welt. Auf der anderen Seite verkörperte eine Automatikuhr den Zauber der Moderne. Bei Zenith wurde 1962 die Idee geboren, anlässlich des 100-jährigen Jubiläums der Manufaktur einen automatischen Chronographen zu lancieren. Zu dieser Zeit gab es noch keinen automatischen Chronographen auf dem Markt, und es wäre somit eine Premiere. Die Möglichkeit, den einfachen Weg zu wählen und einem vorhandenen Kaliber lediglich ein zusätzliches Modul hinzufügen stellte sich jedoch nicht: Zenith wollte hier sein gesamtes Know-how im Bereich Forschung und Entwicklung einsetzen. Die „El Primero Macher“ wollten sich nicht anpassen, sondern umdenken. Zwischen 1966 und 1967 beschloss die Geschäftsführung von Zenith, ein hochfrequentes Werk zu entwickeln das mit einer Geschwindigkeit von 36.000 Schwingungen pro Stunde oszilliert. Die Zenith-Chronometrieabteilung, welche die Teile für die Wettkämpfe für die Zeitmessung der Chronometrie vorbereitete, war für diese Forschung verantwortlich. Das Thema Hochfrequenz war (nicht nur damals) eindeutig zeitgemäß, da es mit dem Gedanken der Präzision verbunden war und auf Kongressen von Zeitmessegesellschaften und insbesondere der Schweizerischen Chronometriegesellschaft häufig diskutiert wurde. Die Herausforderung, die sich die Manufaktur für sich selbst stellte, bestand darin, das erste ultradünne, hochfrequenzintegrierte automatische Chronographenkaliber zu schaffen, das bei 36.000 Schwingungen pro Stunde schlägt und somit eine Zehntelsekunde messen kann. Bei der Gestaltung des El Primero überarbeitete Zenith die gesamte Struktur des Chronographen, aber auch die Art und Weise wie er produziert wurde, wurde völlig neu entwickelt. Dieses Werk markiert den Beginn völlig innovativer Produktionsmethoden. Zuvor waren Uhrmacher auf Chronographenaufwickler angewiesen, die die verschiedenen Bewegungskomponenten erhalten haben und deren Aufgabe darin bestand, sie vor dem Zusammenbau des Chronographen abzulegen. Die Ursache dafür lag daran, dass die damals verwendeten Presswerkzeuge gewisse Toleranzen aufwiesen und diese korrigiert werden mussten. „Wir haben die Grundausstattung erhalten, aber wir mussten sie zusammenbauen, wieder auseinandenehmen und alle Funktionen mit einer Feile anpassen, was die Fertigstellung des Chronographen beeinflusste„, erklärt Christian Jubin, der zu dieser Zeit für die Montage verantwortlich war. Der El Primero wurde von Anfang an so konzipiert, dass Uhrmacher nun auf moderne Art und Weise arbeiten können: Die Pressen waren präziser und ermöglichten es, Toleranzen auf ein Minimum zu reduzieren, um in Serie montierbare Teile herzustellen. „Mit El Primero haben wir die Teile genommen, zusammengebaut und es war gut„, stellt einer der „Macher“ von El Primero fest. Ein echter Paradigmenwechsel. Warum wollte Zenith eine Hochfrequenzbewegung entwickeln? „In den 1960er-Jahren gerieten alle bedeutenden Uhrenhersteller in die Euphorie nach hohen Frequenzen. Wenn wir also etwas Neues auf den Markt bringen wollten, mussten wir nach oben streben„, so ein Zeitzeuge. Die hohe Frequenz trägt auch zur Genauigkeit bei: Mit 36.000 Vibrationen pro Stunde und zehn pro Sekunde wirken sich potenzielle Schocks weniger wahrscheinlich auf die Bewegung der Uhr aus. Dies war eine sehr hohe Frequenz, und um vorzeitigen Verschleiß bestimmter Komponenten zu vermeiden, verwendete Zenith eine spezielle Oberflächenbehandlung: Molybdändisulfid. Diese innovative Oberflächenbehandlung, die bereits in einigen mechanischen Industriebereichen eingesetzt wird, jedoch bis dahin noch nicht in der Uhrmacherei, ist eine Oberflächenschicht, die auf die Hebelradplattform aufgebracht wird, welche die Energie auf das Unruh verteilt und den Gleitreibungskoeffizienten verbessert. Die Entwicklung von El Primero fand in einem äußerst wettbewerbsintensiven Umfeld statt. Mehrere Uhrenhersteller, darunter Zenith-Movado, Seiko und die Chronomatic-Gruppe (bestehend aus den Marken Hamilton-Buren, Breitling, Heuer und Dubois Dépraz), waren dabei den ersten Chronographen mit Automatikaufzug auf den Markt zu bringen … „Der Zenith Chronograph hatte es geschafft...