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Das Metanet von Bitcoin SV: Genial – oder doch nur wahnsinnig? - Technical analysis & news on Blockchain & Cryptocurrencies | Coincronica
Bitcoin SV baut sich sein eigenes Internet in die Blockchain. Das sogenannte „Metanet“ soll nicht nur Geld, sondern auch das Internet neu erfinden. Hinter den Schlagwörtern findet man eine emsige Schar von Entwicklern, die daran arbeiten, dies zu verwirklichen. Noch nie war es so einfach, Dateien auf die Blockchain zu laden – und selten war es so verwirrend, über Blockchain nachzudenken. Ich habe mich in den letzten Wochen ein wenig damit beschäftigt, was Bitcoin SV (BSV) derzeit mit dem sogenannten „Metanet“ aufbaut. Mir ist klar, dass der eine oder andere Leser kein Interesse an BSV hat und es wegen einer bestimmten Person, die einen starken Einfluss auf BSV hat, sogar verabscheut. Daher habe ich gezögert, überhaupt darüber zu schreiben. Aber es wäre auch sinnlos, für mich zu behalten, was ich erfahren habe. Also: Bitcoin SV ist der jüngste Coin im Portfolio der auf Bitcoin.de gehandelten Coins. BSV enstand aus der Hardfork von Bitcoin Cash im November; im Selbstverständnis seiner Fans ist BSV der einzig wahre Bitcoin. Craig Wright, der selbsternannte Satoshi, gilt hier unter ihnen nicht wie ansonsten fast überall als Betrüger, sondern als der echte Erfinder von Bitcoin. Seine Firma, nChain, entwickelt den BSV-Client, der die Stütze des Netzwerks ist. So wenig Handelsvolumen, dass es nicht einmal für einen vernünftigen 48-Stunden-Chart reicht. Quelle: Bitcoin.de Der üble Leumund von Craigh Wright färbt auf den Ruf von Bitcoin SV ab. Nachdem wichtige Teile des Ökosystems von Bitcoin Cash, etwa BitPay oder Bitcoin.com, auf der BCH-Seite geblieben sind, dümpelt der Kurs von Bitcoin SV vor sich her, in der Tendenz eher ab- als aufwärts. Das Transaktionsvolumen ist gering, die Nachfrage nach BSV-Trades ist auf dem Marktplatz von Bitcoin.de minimal. Das Werk zweier Entwickler Gleichzeitig passiert etwas einigermaßen interessantes auf Bitcoin SV: Das Metanet breitet sich aus. Craig Wright hat den Begriff bei einer Präsentation auf der CoinGeek-Konferenz letzten November geprägt; er meinte damit – soweit man ihn deuten kann — dass Bitcoin nicht nur ein Transaktionsmittel ist, sondern ein „Internet auf einer Blockchain“. Ein Metanet, das durch Transaktionen verknüpft ist und dessen Inhalte unlöschbar, unveränderbar und durch Hashes validierbar sind. Das Metanet bedient all das, was unter dem Stichwort „Blockchain-Technologie“ versprochen wird, und bindet es in den Maximalismus des „wahren“ Bitcoins ein. Alles, wirklich alles, geht auf die Blockchain. Oder so. Während Craig Wright damit beschäftigt ist, jede Idee zu patentieren, die ihm in den Sinn kommt, haben vor allem zwei Akteure im BSV-Ökosystem begonnen, seine Vision zu verwirklichen: Steven Shadders und _unwriter. Shadders, der Leitentwickler bei nChain ist, hat das Limit für opreturn-Transaktionen von 220 Bytes auf 100 Kilobytes erhöht und die Mining-Pools überzeugt, dieses neue Limit zu übernehmen. Damit wurde es plötzlich möglich, per opreturn lange Nachrichten oder gar Bilder auf die Blockchain hochzuladen, wo sie von jedem Full Node gespeichert und bei Bedarf verbreitet werden. Noch wichtiger dürfte der Beitrag des anonymen Entwicklers Unwriter sein. Er schafft die Tools, um Daten auf die Blockchain zu bringen und dort zu lesen. Sein BitDB-Node sortiert Bitcoin-Transaktionen in eine andere Datenbank – ich glaube, Mongo – um sie sortieren, zerlegen und besser abrufen zu können. Auf Basis von BitDB laufen zahlreiche weitere Werkzeuge: das Planaria-Universum von individualisierten BitDB-Nodes, ein Bitcom-Protokoll, durch das onchain-Dateien definieren, wie andere Daten zu entschlüsseln und zu verbinden sind, das b://- und c://-Protokoll, der Datapay-Mechanismus, um Daten hochzuladen, der Bottle-Browser und mehr. Der Ausstoß von Unwriter ist bei Bitcoin SV bereits jetzt legendär, es ist kaum möglich, Schritt zu halten, selbst wenn man nahe dran bleibt. Elementare Werkzeuge Die für die User wichtigsten Werkzeuge sind jedoch Seiten wie BitcoinFiles, Bitco.Media und Bitpaste.app, mit denen man Daten auf die BSV-Blockchain hochladen und durch die Transaktions-ID abrufen kann. Mit add.bico ist es sogar möglich, wesentlich größere Dateien abzuspeichern, indem man ein Protokoll (Bitcom) benutzt, das definiert, aus welchen Transaktionen die Datei in welcher Reihenfolge aufgebaut wird. Das zweite wichtige Werkzeug ist MoneyButton. Das ist eine Webwallet auf der einen, und ein Button auf der anderen Seite, durch den eine Webseite eine mit einem Klick ausführbare Transaktion aufrufen kann. In der Praxis ist man bei MoneyButton eingeloggt und drückt einen Knopf, um eine Transaktion auszulösen, mit der man per op_return eine Datei abspeichert. Da die Transaktion vom Server – also MoneyButton – produziert wird, bekommt der User von der ganzen Komplexität dahinter nichts mit. Er drückt einfach einen Knopf. Diese Entwicklung führte erwartbarerweise dazu, dass die Größe der Blöcke von Bitcoin SV seit einigen Wochen immer weiter ansteigt. Klar – wenn man Dateien mit einer Größe von mehreren Megabyte hochladen kann, werden die Blöcke rasch groß. Seit Anfang März ist die Blocksize auf BSV konstant größer als auf BCH; am vergangenen Wochenende hat sie auch die von Bitcoin für einige Zeit überholt. Ist es der Beginn von etwas großem – oder nur eine Ablenkung davon, dass BSV es nicht geschafft hat, Bitcoin Cash als wichtigsten „Big Block Bitcoin“ abzulösen? Wir schauen uns an, was genau los ist, so dass sich jeder seine eigene Meinung bilden kann. Opreturn Um zumindest im Ansatz zu verstehen, was hier technisch passiert, sollte man das Transaktionsskript op_return kennen. Diese Skript schafft in einer Transaktion einen nicht ausgebbaren Output – der Befehl gibt ein „fail“ zurück – der eine gewisse Menge an Daten enthalten kann. Bei Bitcoin (BTC) sind diese Daten maximal 80 Byte groß, bei Bitcoin Cash (BCH) 220 Byte, und bei Bitcoin SV (BSV) 100 Kilobyte. Opreturn ist eine beliebte Methode, um Daten in die Bitcoin-Blockchain (BTC) zu bringen. Laut Statistik gibt es bereist 17 Millionen opreturn-Outputs auf Bitcoin (BTC). Einer der stärksten Verursacher dieser Outputs ist Veriblock, eine Plattform, die versucht, ein Netz von Blockchains durch Bitcoin-Transaktionen zu sichern. Op-Return hat den starken Vorteil, dass man die Daten „prunen“, also wieder löschen kann. Sollten sie einmal überhand nehmen, kann ein Full Node sie relativ einfach als Ganzes von seiner Festplatte werfen, ohne dass er dabei aus dem Konsens ausschert. Es ist auch möglich, nur die Op-Return-Inhalte zu löschen, aber weiterhin das volle Set aller Transaktionen zu behalten. Dies macht Op-Return weniger schädlich für die...