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Frische Luft tut so schrecklich gut. - WILDICATE
Es ist nicht das erste Mal, dass ich mich in einem Gespräch wiederfinde, das viel tiefer reicht, als es in dem Moment scheint und meine Gedanken ins Wanken bringt, auch wenn wir unsere Worte mit einem prächtigen Ensemble von lächerlicher Spekulation und mädchenhaftem Herumalbern begleiten. Es ist ein Moment den ich genieße, denn wir lachen und planen, wir erinnern uns zurück und blicken in die Zukunft – erwartungsvoll, sorglos. Und zwischen viel Scherz und Unbekümmertheit, zwischen geplanten Friseurbesuchen und einem Sprung übers Feuer – im wahrsten Sinne des Wortes – rutschen wir, ohne es augenblicklich zu merken hinein in ein Thema, das uns und wahrscheinlich die meisten noch eine ganze Weile beschäftigen sollte. Selbstfindung. Wer bin ich? Was macht mich aus? – Ich verharre einen Moment ehe ich mich selbst ohrfeigen will, für Wochen, die ich habe verstreichen lassen, ohne meinen Laptop aufzuklappen und die Buchstaben in das leere Kästchen meines Internetbrowsers einzutippen, die mich sonst immer haben aufatmen lassen. Möchte mich zurückerinnern, wann ich das letzte Mal zum Notizbuch gegriffen habe, um zu schreiben. Ich meine, richtig zu schreiben. Mehr als ein paar flüchtige Worte, die nicht vergessen werden wollen. Ich meine Zeilen über Zeilen, vollgepackt mit Einfällen und Erfahrungen bis oben hin, Worte die nahezu überschäumen an Emotion, an Gedanken, an mir. Es ist eine Weile her, tatsächlich. Und habe ich auch in stillen Momenten daran gedacht, mit geballten Fäusten und zusammengekniffenen Augen versucht, mir eine gedankliche Notiz ins Gedächtnis zu brennen, habe ich die Worte ruhen lassen und im Inneren aufbewahrt. Beiseite gelegt, behutsam – in eine hübsche Schatulle, zu der ich ab und an begierig hinüberschielte und dann inne hielt. Um dem richtigen Moment, um sie herauszukramen, nicht zuvor zu kommen. Um den inneren Schätzen die Zeit zu geben, sich von einem Rohdiamanten in einen schimmernden Edelstein zu verwandeln. Weil wir sie brauchten und stets benötigen, die Zeit. Denn die Momente, über die ich schreibe, müssen zuerst einmal geschaffen werden. Sterne müssen gezählt und Weingläser geleert werden, Gänsehaut gespürt und Lachen geteilt werden, Gefühle offenbart und Geheimnisse bewahrt werden. Mit Kerzenschein und Bauchflattern, mit geplanten Abenteuern und den Träumereien davon, mit Geständnis und Eingeständnis, mit Mut und Biss, mit Veränderung, mit einem Sprung übers Feuer. Und dann Stille. Feierliche Ruhe, melancholische Reflexion. Mit Tintenklecksen auf dem Papier und einer Hand, die mir davon läuft und die Worte wie von ganz alleine auf das Weiß purzeln lässt....