zu-hause

25.09.2016

Freunde

Freunde waren früher alle Kinder, die nachmittags auf der Straße waren. So erinnere ich das jedenfalls. Früher = 1979. Ich war da 5.

Freunde waren später alle Kinder, die einen nachmittags bei sich zu Hause sein ließen. Früher = 1985. Ich war da 11, und es waren nicht viele, weil ich die dumme Angewohnheit hatte, allen Kindern die Schokolade wegzufuttern.

Freunde waren aber auch die Kinder, bei denen man gern sein wollte. Weil sie den Hund hatten, den man selber nicht hatte. Weil sie die Kanarienvogelvoliere hatten, die einen so faszinierte. Weil es Sodawasser gab (und keinen Sprudel wie bei uns). Weil man Fernsehen schauen durfte, am hellichten Nachmittag! Weil es Limonade gab – und zwar immer, und nicht nur an Weihnachten.

Freunde meiner Kinder sind heute = 2016 sehr gern gesehene Gäste in meinem Haus, sie sind zahlreich, und häufig alle gleichzeitig hier. Sie knuddeln die Katze, sie fragen ab und an nach den verschwundenen Fischen, sie holen sich Essen aus dem Kühlschrank, sie trinken Limo. Sie rennen im Haus herum und machen Lärm, so wie richtige Kinder eben.

Seit Kurzem aber gibt es ein neues Phänomen: nicht nur vermisst keines der Kinder meinen kürzlich abgeschafften Fernseher, nein, ich höre sie nicht mal mehr. Weil sie zur Tür hereinkommen, die immer offen steht, sich die Schuhe von den Füßen streifen und – den Blick fest auf ihr device geheftet – stumm aufs Sofa sinken. 

Sie kommen nicht mehr für Limo/Essen/TV. Sie kommen für mein WLAN, dessen Zugangsdaten sie irgendwann von meinen Kindern bekommen haben, ich hoffe, in weihevoller Zeremonie. Sie bedanken sich dafür, indem sie ab und zu die Spülmaschine einräumen. Oder Tütensuppe mitbringen.

So ändern sich die Zeiten.

(Pia Ziefle)

Es glauben immer noch viele Eltern, dass es reicht dass die Kinder genug zu essen haben und eine gute Schulbildung und vielleicht noch ein Dach über dem Kopf.
Aber was Kinder tatsächlich brauchen ist Zuneigung, ist Zuwendung und auch Anerkennung und Respekt !
Wir haben es hier nicht mit einem Möbelstück zu tun, sondern mit einem Kind.Das heißt wenn ich ein Kind habe, dann sorge ich dafür, dass sich dieses Kind geliebt fühlt und gesehen fühlt und wertgeschätzt wird.
Wenn Kinder das nicht bekommen, was aber die wichtigste Grundlage fürs Leben ist, dann werden sie rebellieren, wenn sie Glück haben, wenn sie stark genug sind und sie werden ausbrechen, es sind ja keine meinungslosen Wesen die man bevormunden kann, die müssen ihren eigenen Weg gehen können… (…)
—  Ruth Marquardt