wusste

Doch dann hast du gesagt, dass du mich nicht verlieren willst und auf einmal fiel mir ein, wie oft ich schon verlassen wurde.
Wie oft es jemandem zu viel Aufwand, zu viel Arbeit war, mich nicht zu verlieren. Wie oft es die einfachere Lösung war, einfach aufzugeben. Und da wusste ich, dass ich dich auch nicht verlieren will.
Denn es ist so schön, nach einer Ewigkeit des Fallens endlich aufgefangen zu werden.

Als meine Mama starb habe ich das Anfangs gar nicht realisiert. Ich dachte immer sie kommt jede Minute durch die Tür und ruft nach mir. Ich dachte sie ist nur arbeiten und macht wieder Überstunden. Ich dachte sie ist aus gegangen mit meinem Vater und die verspäten sich. Wisst ihr wann ich realisiert habe das meine Mutter nicht mehr da ist? Als ich morgens aufgewacht bin und keiner gefragt hat ob ich lieber Salami statt Käse auf meine Pausenbrötchen haben will. Als keiner mehr gefragt hat ob ich auch dick genug angezogen bin, weil es sehr kalt ist draußen. Als ich keine Anrufe in Abwesenheit hatte, weil ich 5 Minuten später nach Hause kam als gesagt. Als ich beim essen nicht mehr fragen konnte ob sie noch das letzte Stück will obwohl ich ganz genau wusste das sie nie ja sagen wird. Und das schlimmste war dann als ich angefangen habe ihr stimme zu vergessen, ihren Duft nicht mehr in meiner Nase hatte und auch keine Anrufe mehr in Abwesenheit. Erst dann wurde mir bewusst das sie nicht mehr da ist und erst dann habe ich mich getraut zu ihrem Grab zu gehen und stundenlang zu weinen, weil ich erst dann realisiert habe das es die Realität ist und ich nichts mehr dran ändern kann.

Diese Depression hat mich zu einem anderen Menschen gemacht. Denn ich erinnere mich an den Menschen, der ich vor der Depression war. Dieser Mensch hat nicht geweint, nur weil ihm eine Sache nicht gelungen ist und er mal nicht alles unter Kontrolle hatte. Er wurde auch nicht sofort wütend, wenn ein ihm nahestehender Mensch etwas unpassendes gesagt oder getan hat. Der Mensch der ich einmal war, lachte auch nicht nur weil er wusste das andere genau dass erwarteten. Mein altes ich, war echt. Meine Gefühle für andere Menschen waren echt. Meine Emotionen waren echt. Sogar mein lachen und mein weinen. Selbst die Wutausbrüche waren voller ehrlichkeit. Diese Krankheit hat diesen Menschen getötet und etwas anderes zustande gebracht. Sie hat mich zu jemanden geformt, der immer falsch reagiert, alles zu persönlich nimmt, zu schnell an die Decke geht oder anfängt zu weinen, obwohl er nicht einmal wütend oder verletzt ist. Nichts an diesen Menschen,der ich heute bin, ist noch aufrichtig. Ich weiß nicht einmal mehr, wie ich je wieder zu dem Menschen finden soll, der ich einmal war und der so voller Freude und Leben steckte.

iamhere4783  asked:

Wieso hast du in deinem letzten video mal gesagt dass du (wieder) lernst dich selbst zu akzeptieren? Mit deinen makel usw.? Hast du nicht vor ein jahr gesagt dass du das nicht schon tust?

Man überschreitet immer wieder neue Grenzen, von denen man vorher nicht wusste :}