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Wie lerne ich beten?

a) Der erste Lebensschrei

Na, wie lernt man denn sprechen? Können Sie sich erinnern, wie Sie das Sprechen gelernt haben? Nein, Sie können sich nicht mehr erinnern! Ich auch nicht. Aber wenn Sie das Beten lernen wollen, dann müssen Sie erst einmal den ersten Lebenslaut eines richtigen Lebens aus Gott lernen. Ich will Ihnen sagen, wie der heißt.
Der Herr Jesus erzählte mal eine Geschichte: Da gingen zwei Männer in die Kirche. Der eine war ein feiner Mann und spielte eine große Rolle. Er ging gleich nach vorne und fing an: “Lieber Gott, ich danke dir, daß ich so ein feiner Kerl bin! Da hat Gott die Ohren schon verschlossen. Der Mann konnte reden, soviel er wollte — Gott hat gar nicht mehr zugehört. Das gibt‘s! Der zweite war eine ziemlich üble Type. Wir würden sagen: "Leicht kriminell ! ” Er war Schwarzhändler, Schmuggler oder so etwas. Die Bibel nennt es “Zöllner”. Und wie der in die Kirche kommt, da kriegt er Angst vor der Feierlichkeit, bleibt an der Türe stehen und denkt: “Da passe ich gar nicht rein! In die Kneipe, wo es rundgeht, da passe ich schon eher rein, aber hier nicht.” Er will schon umkehren, als ihm einfällt, warum er gekommen ist. Er hat ja so grenzenloses Heimweh nach Gott. Wir haben ja alle grenzenloses Heimweh nach Gott. Heimkommen zum Vater! Und so kann er nicht umkehren, der Mann. Aber hinein kann er auch nicht. Es fällt ihm ein, wie sein Leben aussieht — und da faltet er die Hände und sagt nur ein Sätzchen: “Gott, sei mir Sünder gnädig!” Die Bibel sagt: “Da fingen die himmlischen
Heerscharen an zu singen.” Ein Mensch wird lebendig!

Der erste Lebensschrei eines neuen Lebens heißt: “Ich habe gesündigt!”
Ich mache es gern so anschaulich: Als mein erster Sohn geboren wurde, habe ich mit meiner Frau die Geburt durchgestanden, die sehr schwer war. Ich dachte an Jesu Wort: “Ein Weib, wenn sie gebiert, hat sie Traurigkeit.” Und ich dachte, daß die geliebte Frau deren Kopf ich hielt, es fast nicht ertrüge. Auf einmal höre ich ein Stimmlein, ein quäkendes Stimmchen. Das Kind ist da! Ein neues Leben! Das war kein schöner Gesang, dieses Quäken. Aber ich habe geheult wie ein Schloßhund, als ich es hörte. Können Sie das verstehen? Das hat mich erschüttert: Der erste Schrei eines neuen Lebens!
Und sehen Sie: Der erste Schrei eines Lebens aus Gott ist der, wenn ein Mensch endlich ins Licht der Wahrheit kommt und sagt: “Ich habe gesündigt! Gott, sei mir Sünder gnädig!” Ihre ganze Beterei wird nichts werden, wenn am Anfang nicht dieser erste Lebensschrei steht. Ich habe noch kein Kind gesehen, das damit angefangen hätte, große Reden zu halten sondern am Anfang kommt der erste Lebensschrei. Es gibt auch keinen anderen Weg ins Reich Gottes!
Der erste Lebensschrei! Ist er schon gewesen in Ihrem Leben? Nein? Dann gehen Sie um Gottes willen in die Stille! Ich bin nicht Propagandist für die Kirche, meine Freunde, sondern ich möchte gern, daß ein paar von Ihnen nicht in die Hölle kämen! Und es geht nicht anders, als daß Sie den ersten Lebensschrei eines Lebens aus Gott tun: “Ich habe gesündigt! Gott, sei mir Sünder gnädig!”
Als der verlorene Sohn von den Schweinen nach Hause kam, war das erste, was er sagte: “Vater, ich habe gesündigt gegen den Himmel und vor dir.” In dem Augenblick, wo Sie das aussprechen, steht der Sohn Gottes, Jesus, vor Ihnen und verkündet Ihnen:
“Mein Lieber, meine Liebe, für deine Sünde bin ich gestorben! Ich habe für dich bezahlt!”

b) Nur Kinder Gottes können richtig beten

Neulich habe ich einen Bekannten getroffen, der drei süße kleine Kinder hat, einen Jungen und zwei Mädchen. Als er mir so entgegenkam, sah ich, wie die Kinder auf ihren Vater einredeten: wie die Bücher, alle zur gleichen Zeit. Und der Vater hatte Mühe, allen zu antworten. Da komme ich dazu und sage:
“Guten Tag, Herr Sowieso! Guten Tag, ihr Kinderchen!” Wie man’ s so macht! Und siehe da: Die Kinder verstummten sofort. Dem Fremden gegenüber verstummten sie. Das heißt: Kinder können eigentlich nur mit ihrem Vater oder ihrer Mutter richtig reden. Wenn ein Fremder kommt, dann werden sie verlegen.
So können wir nur richtig beten, wenn wir Kinder Gottes geworden sind! Darum können wir nicht beten, weil wir nicht Kinder Gottes sind.
Ach ja, wir sind “kirchlich”, wir sind konfirmiert; wir sind “christlich”, wir gehen Weihnachten in die Kirche; wir sagen dem Pastor “Guten Tag” und boxen ihm nicht in die Rippen> so höflich sind wir. Ein Erweckungsprediger hat einmal gesagt: “Sie sind getaufte Hasen!” Da hat einer gefragt: “Was soll das heißen?” Und da hat er geantwortet: “Wenn du einen Hasen fangen und taufen würdest, dann würde er doch gleich wieder weg ins Feld springen. So machen sie es auch: Gerade getauft — und dann geht‘s gleich wieder in die Welt hinein!” Liebe Freunde, da kann man nicht beten. Nur Kinder Gottes können richtig beten! Und nur Kinder Gottes können deshalb richtig froh sein!
Sehen Sie: Sie müssen Kinder Gottes werden! Sie sind es von Natur nicht. Sie haben vielleicht eine christliche Tünche, aber Sie sind keine Kinder Gottes. Ein Kind wird man nur durch Geburt, ein Kind Gottes wird man nur durch Wiedergeburt. Sie müssen ein Kind Gottes werden — dann können Sie beten! Ja, Kinder Gottes können ohne Beten nicht mehr leben! Für Kinder Gottes ist das Beten wie das Atmen. Meine Jungen machen oft Spaß, indem einer dem andern zuruft: “Vergiß das Atmen nicht!” Sie vergessen das Atmen der Seele! Für Kinder Gottes ist das Beten Atmen. Sie müssen also ein Kind Gottes werden!
Ich will Ihnen kurz sagen, wie man ein Kind Gottes wird: Nur durch Jesus! Der sagt: “Ich bin die Tür. Wer durch mich eingeht, wird selig werden.” Da kommt durch den Nebel der Welt Jesus auf Sie zu, Jesus, der Mann mit den Nägelmalen. Sie haben sich nicht um ihn gekümmert. Es schien Ihnen dummes Zeug zu sein mit Jesus. Doch er kommt auf Sie zu. Und da kann‘s geschehen, daß Sie ihn erkennen: “Du Mann aus der anderen Dimension, du Sohn des lebendigen Gottes, du bist ja mein Heiland!” Der erste Schritt, wie ich ein Kind Gottes werde, ist: Jesus erkennen. Und der zweite Schritt ist, daß ich gegen diesen Jesus ein großes Vertrauen kriege: Er kann mein Innenleben, meine Friedelosigkeit, meine heimliche Schuld, meine Jugendsünden in Ordnung bringen! Im Alten Testament spricht ein Mann Gottes:
“Du führst die Sache meiner Seele.” Auf einmal bekommt man Vertrauen zu Jesus. Und man vertraut ihm so, daß man es wagt, von seinem bisherigen Leben abzuspringen und ihm das ganze Leben in die Hand zu geben. Wir nennen das Bekehrung. Das war die Stunde in meinem Leben, als ich mit achtzehn Jahren absprang von einem gottlosen Leben und mein Leben Jesus gab. Da hat mir kein Mensch geholfen. Ich kann Ihnen auch nicht helfen. Sie müssen es mit ihm alleine ausmachen. Aber riskieren Sie es nur und sagen Sie ihm: “Nimm mein Leben, Jesu, dir übergeb ich‘s für und für!” In dem Augenblick, wo Sie das tun, sind Sie ein Kind Gottes geworden. Da kommen Leute zu mir und erklären mit, daß man auch auf andere Art und Weise selig werden kann. Versuchen Sie es! Ich sage Ihnen: Es gibt nur eine Tür ins Reich Gottes! Und diese Tür heißt Jesus! Jesus: für uns gestorben und für uns auferstanden!
Und sehen Sie: Wenn Sie ein Kind Gottes geworden sind —ach, suchen Sie doch Jesus, bitte, er sucht Sie schon so lange!
—, dann können Sie beten, dann hört das Elend Ihres Lebens auf, dann können Sie Ihr Herz vor ihm ausschütten — wie ein Kind dem Vater.
Ich bin jetzt ein alter Pfarrer und habe viele Menschen kennen gelernt. Und ich bin heute überzeugt, daß jeder Mensch — jeder! — seine dunklen Geheimnisse hat. Die tragen wir mit uns herum. Aber wenn ich ein Kind Gottes werde, dann kann ich mein Herz ausschütten vor Jesus. Ich kann ihm meine dunklen Geheimnisse, mein Nicht-fertig-Werden, meine trüben Bindungen sagen. Ich kann ihm das sagen, was ich keinem Menschen anvertraue.
Zum Schluß einer Freizeit mit meinen Jungen erzählten ein paar aus ihrem Leben. Ein junger Kerl von 18 Jahren sagte:
“Ich war christlich, aber ich war nahe daran, alles über Bord zu werfen. Da habe ich eines Tages, bevor ich in die Bibelstunde ging, gesagt:
"Herr Jesus,
wenn du mir heute Abend nicht persönlich ein Wort sagst, dann werfe ich alles über Bord. Ich kann ohne Klarheit nicht fertig werden mit mir und dem Leben in der Großstadt!” Und dann fuhr er fort: “Als ich von der Bibelstunde nach Hause ging, war alles klar! Er hatte mein Gebet erhört und persönlich zu mir geredet!” Es hat mich gepackt, als der Junge das erzählte, wie er aus Unglauben und Verzweiflung heraus Jesus anruft — und Antwort bekommt. Wie bekommt man erst Antwort, wenn man als Kind Gottes ruft!

Meine Mutter lebte in Hülben bei Urach auf der Schwäbischen Alb. Im Krieg schrieb sie mir mal: “Ich bin heute nacht um drei Uhr aufgewacht. Da dachte ich an meine Kinder im Feld und an die Enkel und an Euch im Bombengebiet u nd Elisabeth in Kanada, von der ich keine Nachricht habe. Und überfiel mich die Sorge, als wenn ein Gewappneter mit eisernen Handschuhen mich würgen würde. Ich habe es nicht ausgehalten. Und dann habe ich gebetet: >Herr Jesus, gib mir ein Wort! Ich halte es nicht aus vor Sorge! Dann habe ich das Licht angeknipst, meine Bibel genommen” ( wohl dem, der immer eine Bibel auf dem Nachttisch liegen hat! ) “und aufgeschlagen. Und das erste Wort, das ich fand, hieß: "Alle eure Sorge werfet auf ihn, denn er sorgt für euch.” Der Brief meiner Mutter schloß dann mit den herrlichen Worten: “Da habe ich flugs alles auf meinen Heiland geworfen, das Licht ausgelöscht und bin fröhlich eingeschlafen.” Das ist eine Sache:
“Da habe ich flugs alles auf meinen Heiland geworfen, das Licht ausgelöscht und bin fröhlich eingeschlafen”! Wenn man ein Kind Gottes geworden ist, dann kann man so leben.
Ich erinnere mich, daß meine Mutter eines Tages sagte:
“Gestern abend war ich so müde, daß ich gar nicht mehr beten konnte. Da habe ich bloß noch gesagt: >Gute Nacht, lieber Heiland!<” Da habe ich gedacht: “So reden Kinder Gottes mit ihrem Herrn, so selbstverständlich!” Und er wacht wirklich. Zu jeder Tages- und Nachtstunde ist mein Heiland da — und ich bin sein Eigentum und darf mit ihm ganz fest rechnen.
Haben Sie verstanden? Wenn man nicht beten kann, dann ist das eine Katastrophe erster Güte. Ich wünsche Ihnen den ersten Lebensschrei: “Ich habe gesündigt! Gott, sei mir Sünder gnädig!” Und ich wünsche Ihnen, daß Sie nicht ruhen, bis Sie Jesus gehören, bis Sie ein Kind Gottes geworden sind. Dann brauche ich mich nicht weiter um Sie zu sorgen.

Von Wilhem Busch