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Ich war gar nichts für dich. Ich war nichtmal ein Vergnügen. Ich hab dich nicht glücklich gemacht. Ich war nichtmal eine Ablenkung. Ich war viel weniger. Ich war gar nichts. Ich war ein Versuch, wie weit du gehen kannst. Nicht mehr und nicht weniger.
One Repeat

Ich habe ein Händchen dafür, meinen Mitmenschen mit Musik auf die Nerven zu gehen. Ich bin passionierte One-Repeat-Hörerin. Für durchschnittlich ungefähr eine halbe Woche bin ich in ein einziges Lied vernarrt. Ich höre höchstselten Alben, Radio oder Playlists. Ich höre nur einzelne Lieder und bemühe dazu in aller Regel die One-Repeat-Funktion. Das führt dazu, dass jeder Besuch bald das Haus wieder verlässt und es kein Partner mit mir lange aushält. Die meisten anderen Menschen haben offenbar ein anderes Hörgefühl und nicht diese Passion für die Atmosphäre eines einzigen Liedes, geschweige denn für meine unbewusste Trällerei, wenn ich es dann doch unterlasse, mein Gegenüber mit meiner Leidenschaft im Original zu belästigen.
Ein Lied steht für eine Stimmung, ein Problem. Nuancen der Veränderung reichen aus, damit ich ein anderes Lied benötige. Alte Lieder versetzen mich sofort in die Stimmung der Zeit. Jedes Lied wird mit einer Stimmung besetzt. Es geht so weit, dass ich natürlich unterwegs die Lieder auf dem Telefon dabei habe, mittlerweile aber sogar auf dem Fahrrad Musik höre; ein Leichtsinn im großstädtischen Straßenverkehr. Auf dem PC gehen die Wiedergaben ins Hundertfache, die unterwegs-Wiedergaben sind da noch nicht berücksichtigt (und auch nicht das Gesumme oder Gesinge (je nach Lokalität), wenn ich gerade keine Musik hören darf).
Ich benötige ein Lied, um meinen Gefühlshaushalt zu stabilisieren. Ich habe keine andere Möglichkeit, meinem von Aufs und Abs gebeutelten Seelchen einen Halt zu verleihen. Wenn alles in mir kracht, dann hält die Musik mich an einem Punkt fest und ich komme nicht mehr unkontrolliert ins emotionale Schleudern. Das funktioniert nur mit One Repeat. Es ist manchmal ganz schön diffizil, das richtige Lied für die richtige Zeit zu finden. Ich lasse mir oftmals Lieder empfehlen, fordere von Freunden und Bekannten oder Wildfremden in sozialen Netzwerken Hörproben: „ich brauche Musik, man gebe mir neue Musik.“
In die gleiche Kategorie gehört auch, das Telefon lautlos zu stellen. Der SMS-Ton „Telegraf“ macht mich verrückt, aber ich bringe es nicht über’s Herz, ihn zu ändern. Er erzeugt eine unglaubliche Gefühlswallung, die durch den ganzen Körper geht. Wenn ich in guter Verfassung bin, ist es Vorfreude. Ansonsten ist es an Wahnsinn grenzende Verzweiflung. Dann höre ich  lieber keinen Signalton und halte dafür alle zwei Minuten das Telefon in der Hand. Bis zur Erleichterung, wenn die ersehnte SMS endlich da ist. Die eine neue Stimmung bringt. Die ein neues Lied braucht.

Ja, manchmal ist das Leben richtig scheiße. Aber weißt du, woran ich mich festhalte? An den Augenblicken, die nicht so sind, Man muss nur rechtzeitig merken, wenn es so weit ist.
—  Die Bestimmung, Veronica Roth
Jedes Wort war mein Ernst. Jedes “ich liebe dich” kam von herzen, hab jeden Tag von dir geschwärmt. Du bist immer noch mein Leben, doch ich nicht mehr deins. Hätte für dich alles getan, alles hingeworfen, nur um dich an meiner Seite zu haben. Dich zu haben war der Jackpot, dich zu verlieren war der Weltuntergang. Mit jeder deiner Nachrichten hast du mich ein Stück weit glücklich gemacht. Du warst mein Junge, mein Herzblut,… was sind wir jetzt schon noch? An dem Abend als alles begann, hast du mich zum glücklichsten Menschen der Erde gemacht. Es war so lang alles perfekt gewesen. Ich konnte mir noch nie so viel mit einem anderen vorstellen wie mit dir, doch wir haben zu viel geträumt und zu wenig gelebt… heute scheitern wir, weil wir zu wenig reden und zu viel glauben. Haben alles hinter uns gelassen, gesagt es wäre alles perfekt. Doch das war es nie.