wasser welt

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Auch wenn der Abschied schwer fiel, so war es doch ein gutes Gefühl wieder im Sattel zu sein. Ich mußte heute, egal was kommt, die 145km bis Sullana fahren.
Der Anfang war bergig und ich hatte über mehr als 100km massiven Gegenwind. In die andere Richtung wäre ich mehr als doppelt so schnell gesegelt.
Die Strecke war staubtrocken und es ist eigentlich nicht vorstellbar, daß hier vor 3 Monaten eine Hochwasserkatrastrophe war und an manchen Tagen bis zu 400l/m2 Regen gefallen sind. Was für eine verrückte Landschaft.
Unterwegs gab es nahezu keine Verpflegungsmöglichkeit und ich habe jede Chance genutzt um an Essbares und vor allem an Wasser zu kommen, selbst bei Familien habe ich nach Wasser gefragt.
Hier und an vielen Orten auf der Welt ist Wasser alles. Es ist Leben!

Bei einer solchen Radreise durch viele Vegetationszonen ist man mit allen Kräften der Natur wahnsinnig eng verbunden und erfährt sie hautnah: Hitze, Sonne, Schwüle, Kälte, Schnee, Regen, Wind, Höhe, .. und hier in Südamerika muß man den Straßenverkehr als weitere Naturgewalt hinzufügen😫.
Niemand überholt in Peru ohne zu Hupen und als Radfahrer wird man viel überholt!😳. Da bluten abends die Ohren und die Hand ist lahm vom grüßen. Die Menschen sind sehr freundlich, vor allem auf dem Land.

Ich kam mit Einbruch der Dunkelheit in Sullana an und fand eine saubere Unterkunft mit einem Drachen von Wirtin. Das erste Mal sind sogar die Blätter Klopapier abgezählt. Hab zum Glück noch Reserve dabei!

Sullana ist eine ziemlich schmutzige und staubige Stadt, aber ich reise hier nur durch. WLAN gibt es in der Unterkunft nicht. Mußte deshalb zum Chinesen und habe die halbe Speisekarte bestellt.
Jetzt platze ich gleich. Peng!!

Bleibt anständig.
Euer Dietmar

anonymous asked:

Ich habe totale Angst, das ich in der Schule versage. Ich kann diesen Druck nicht mehr aushalten. Weswegen ich kaum noch schlafen kann, weil ich dauernd an die Schule denke und was ich noch dafür machen muss.

Eigentlich wollte ich das niemandem erzählen, und ich weiß, dass dir das nicht weiterhelfen wird, aber ich möchte es trotzdem erzählen. In der 12 klasse konnte ich 3 Monate lang nicht zur Schule gehen. Jeder Schultag war die Hölle für mich. Ich hab grade mal 4 Stunden täglich geschlafen und mich mit müden Knochen, einem Herzen, das gefühlt 3 Tonnen wog und einem Kopf, der nicht mehr in der Lage war auch nur einen klaren Gedanken zu fassen, in die Schule geschleppt. Mein Seele war aufeinmal zu schwer für meinen Körper. Die Nächte wurden plötzlich noch kürzer, die Tage noch länger, der Winter noch kälter, der Wecker dröhnender. Ich rutschte ab. Aus dem 2,0 Schnitt in der 11 klasse wurde am ende der 12 Klasse ein fast 3,0 Schnitt. Ich konnt nicht mehr. Ich hatte keine Lust auf all diese falschen Leute, alles stieg mir über den Kopf. Ich rebellierte, nicht gegen die Lehrer, sondern eigentlich mehr gegen mich selbst. Ich war so wütend und mein Selbsthass brannte lichterloh in mir und keine Wasser dieser Welt konnte dieses unerträgliche Brennen lindern. Ich wollte so viel. Ich wollte alles perfekt machen und hatte Wahnsinnige Angst zu versagen, alle zu enttäuschen. Ich wollte alle glücklich und stolz machen und irgendwie habe ich mich selbst dabei vollkommen vergessen. Kurz vor Ende der 12 Klasse meinte meine Lehrerin folgendes zu mir: “ wir glauben, dass Sie aus persönlichen Gründen nicht in der Lage sind das Abitur zu erlangen und halten es für besser, wenn Sie ohne das Abitur von der Schule gehen” Ich hab mein ganzes Leben in diesem Jahr nach der Schule ausgerichtet. Mein ganzes Leben bestand aus Schule. Ich wollte das Abitur so sehr. Ich hab so dafür gekämpft und nun durfte ich nicht in die 13 klasse gehen, weil ich zu hart gekämpft hatte und meine Seele nun zerstört war? Ich saß in der Straßenbahn und habe geweint. Brennende Tränen. Mir gegenüber saß eine ältere Frau ( vielleicht 70?) und hielt mir plötzlich Taschentücher hin. Ich guckte sie an. Und sie sagte: “ du siehst aus wie ein sterbender Engel. Engel sollten nicht weinen, sie sollten nicht sterben, sie sind dafür da um Glück und Segen zu verbreiten, also hör auf zu weinen Engelchen” Sie fragte mich was los sei und ich erzählte ihr 40 min lang meine Probleme. Einer fremden Person. Ich erzählte ihr, wie sehr ich mich schämte und keine Ahnung hatte, wie ich das meiner Mutter erklären sollte.Und sie sagte: “ deine Mutter würde keine Träne vergießen, wenn du deinen Abschluss nicht bekommst, aber sie würde weinen, wenn sie wüsste was für Tränen du mit deinen Engelsaugen vergießt. Wenn du erst mal so alt bist wie ich, wirst du merken, dass man im Leben nie versagen kann, sondern immer nur gewinnt. Du kannst im Leben nichts verlieren außer dein Leben ” Sie stieg aus und ich begriff, dass mein Glück nicht von meinem Abitur abhängig sein sollte. Aber es ist schwer. Es ist verdammt schwer sich selbst nicht als Versager zu sehen, wenn die Gesellschaft alle Menschen immer nur in gut und schlecht einteilt, Gewinner und Verlierer, wenn Menschen nur noch als Konkurrenten gesehen werden und man dir von klein an ins Hirn prügelt, dass du gut, besser, am besten sein musst, wenn du 24/7 mit anderen verglichen wirst und man von dir mehr verlangt, als du selbst geben kannst.

Ich verstehe dich. Auch ich habe die selbe Angst zu versagen. Nicht nur in der Schule, sondern eigentlich im ganzen Leben. Aber weißt du, die alte Dame hat recht. Man kann gar nicht versagen, sondern nur gewinnen. Denn wenn sich eine Tür schließt öffnet sich eine andere. Wichtig ist nur, dass du die verschlossene Tür nicht zu lange anstarrst. Mach dir nicht zu viel Druck, honey. Es geht immer weiter.