was war das

11: Julian Weigl, stimmt es, dass Sie schon als Jugendlicher davon träumten, für den BVB zu spielen?


JW:Ich komme aus der Nähe von München, da stellt sich einem als Kind ja erst einmal die Frage, ob man Bayern- oder 1860-Fan wird. Mein Vater war 1860-Sympathisant, mein Onkel schenkte mir ein Bayern-Trikot. Aber ich war kein fanatischer Anhänger, ich ging einfach gern ins Stadion. Mit 15 kam ich zur deutschen Futsal-Meisterschaft nach Bergkamen, und die teilnehmenden Teams erhielten Karten für ein Heimspiel von Borussia Dortmund. Das war ein prägender Abend, an dem ich dachte: »In diesem Stadion würde ich auch gern mal auf dem Rasen stehen«.  


11:Wie sahen Sie die Borussia bis dahin?


JW: Sven Bender stammt wie ich aus der Löwen-Jugend, er spielt in etwa auf meiner Position und hat vor mir den Weg hierher nach Dortmund geschafft. Sven ist auch nicht weit von mir in Oberbayern aufgewachsen, deshalb habe ich seinen Weg genau beobachtet – und natürlich auch seinen Wechsel zum BVB.


11:Jetzt haben Sie ausgerechnet Bender als Stammspieler verdrängt. Hat das Ihrem Verhältnis geschadet?


JW:Nein, überhaupt nicht. Sven hat mir hier sogar vom ersten Tag an sehr geholfen, hat mir viele Tipps gegeben und mir mit seiner Erfahrung weitergeholfen. Und ich rechne es ihm wirklich hoch an, dass er auch, als wir beide in der vergangenen Saison auf der Sechser-Position eingeplant waren und ich viele Spiele machen durfte, immer offen war und mich unterstützt hat. Er hat sogar öfter gesagt: »Es ist super, wie du spielst, lass dich nicht aus der Ruhe bringen.«


11:Können Sie sich den besonderen Zusammenhalt im BVB-Kader erklären?


JW:Einem jungen Spieler wird die Nervosität hier sofort genommen. Als ich an meinem ersten Tag in die Kabine kam, saßen da Weltstars wie Marco Reus, Mats Hummels oder Pierre-Emerick Aubameyang. Aber alle Spieler kamen auf mich zu und fragten Sachen wie: »Hast du schon eine Wohnung gefunden? Ich kenne da jemanden, soll ich dir helfen?« oder »Was machst du heute Nachmittag?« Am ersten Tag hat mich Sven Bender heimgefahren, am zweiten Tag war ich mit Erik Durm in der Stadt. Das zeigt einfach, wie hier aufeinander geachtet wird.


11:Klingt ein bisschen wie eine riesige Boygroup.


JW:Wir sind schon Kumpels. Erst letztens habe ich mit Ousmane (Dembélé) und Rapha (Guirreiro) bei Auba einen langen Playstation-Abend gemacht. Wenn man mal nichts vorhat, kann man sich immer bei den anderen melden, auch wenn wir wegen des engen Terminplans ohnehin schon viel Zeit miteinander verbringen.


11:Wie würden Sie Ihr Verhältnis zu Thomas Tuchel beschreiben?


JW:Sehr gut! Er schenkt mir sehr viel Vertrauen, ich kriege viele Einsatzzeiten und bin bei fast jedem Spiel dabei. Aber er ist auch sehr kritisch, damit musste ich erst umgehen lernen. Er will eben aus jedem das Maximum herausholen – und das am besten in jedem Spiel.


11:Wie kommen Sie damit zurecht, dass Tuchel im Spiel fast pausenlos von der Seitenlinie Anweisungen gibt?


JW:Zweifellos coacht er viel, aber es hat alles Hand und Fuß bei ihm. Wenn er Blickkontakt zu mir aufnimmt und der Mannschaft etwas mitgeben möchte, bin ich in der Zentrale und kann das an viele Spieler weitergeben.


11:Sie haben kurz nach Ihrer Verpflichtung gesagt: »Unter Thomas Tuchel muss man im Spiel unglaublich viel denken.« Anstrengend?


JW:Natürlich musste ich mich erst einmal daran gewöhnen, auf welchem Niveau wir hier spielen. Unser Training ist sehr anspruchsvoll. Wir spielen ständig in Zonen, in denen man nur zwei Kontakte haben darf, man muss immer hellwach sein und mitdenken. Der Trainer ist sehr perfektionistisch, aber das macht ihn aus. Nur so können wir unser Spiel durchziehen. 

11:Als Sie vor gut zwei Jahren München verließen, glaubte niemand, dass Sie ohne Startschwierigkeiten in Dortmund Stammspieler werden könnten.


JW:Ich selbst auch nicht. (Lacht.) Aber mal ernsthaft: Sie müssen bedenken, dass ich vorher Spiele wie gegen den FC Porto oder den FC Liverpool nur von der Playstation kannte. Ich hatte aber das Glück, mich relativ schnell an die Erwartungen anzupassen, was auch daran liegt, dass unser System unheimlich gut zu meiner Spielart passt, und ich darin einfach gut zu funktionieren scheine.


11:Jetzt haben Sie Ihren Vertrag in Dortmund bereits vorzeitig bis 2021 verlängert. Angeblich sollen Sie ein Angebot aus Manchester dafür ausgeschlagen haben.


JW:Meine Berater haben mich über einige Angebote und Interessenten informiert, aber sie haben das meiste von mir weggehalten, weil es für uns keinen Sinn gemacht hätte. Es wäre definitiv zu früh gewesen. Außerdem kann mir vorstellen, noch sehr lange beim BVB zu bleiben. Denn ich habe das Gefühl, eine wichtige Rolle zu spielen und spüre, dass hier ein Team heranwächst, das in den nächsten Jahren noch sehr erfolgreich werden kann, weil die jungen Spieler immer mehr an Erfahrung und damit auch an Konstanz gewinnen.  


11:Gar keine Angst davor, dass sich die rasante positive Entwicklung, die Sie hier erleben, auch ebenso schnell wieder ins Negative drehen kann, wenn sich Ihre Rolle auf dem Feld verändert?


JW:Nein, gar nicht. Wir haben in dieser Saison viel im 4-1-4-1 gespielt, wo ich der alleinige Sechser war. Die Rolle spiele ich sehr gerne. Aktuell spielen wir es mit einer Dreierkette hinten und zwei Sechsern davor, mit Gonzalo Castro und mir. Damit hat sich meine Position geändert, aber auch damit habe ich überhaupt kein Problem. Ich kenne aus dem Training meine Räume in jedem System und weiß, wo und wie ich zur Geltung kommen kann.


11:Sie haben einen Bundesligarekord erzielt, als Sie 214 Pässe in nur einem Match spielten. Wer mit solcher Konstanz Pässe spielt, braucht unglaubliche Geduld, oder?


JW:Mir ist es ja nicht verboten, auch mal aufs Tor zu schießen. (Lacht.) Das ergibt sich einfach. Ich kann nicht erklären, warum ich diese Art von Spielertyp bin. Ich liebe es einfach, den Ball zu haben, aus der Mitte heraus das Tempo zu bestimmen und zu entscheiden: Wann beschleunige ich einen Angriff? Wann verlagere ich das Spiel? Das ist einfach mein Ding. Ich mache mir auch keinen Druck. Wenn ich in einem Spiel mal nur 50 Ballkontakte habe, dafür aber viele gewonnene Zweikämpfe und ein gutes Gefühl, ist das auch okay.


11:Toni Kroos hat auf die Frage, in welchem jungen Spieler er sich wiedererkennt, getwittert: »Weigl ist ein Weltklassespieler«. Der Bundestrainer und Pep Guardiola loben Sie in höchsten Tönen. Wie kommt so viel Lob bei Ihnen an?


JW:Erst einmal freue ich mich darüber. Aber mein familiäres Umfeld sorgt schon dafür, dass ich deswegen nicht abhebe. Und ich weiß genau, wir haben hier in Dortmund viele gute Jungs hintendran. Wer in der Startelf ist, darf sich darauf nie ausruhen, sonst sitzt er ganz schnell wieder auf der Bank. Mein Vater ist der Mensch, der die meisten Spiele von mir gesehen hat, er sieht selbst nach einem guten Spiel, in dem mich die Presse lobt, noch reichlich Verbesserungspotenzial. Wenn ich jetzt zuhause mit einem Lamborghini vorfahren würde, wäre er derjenige, der das Auto sofort wieder zum Händler bringen würde.


11:Wie finden Sie es, wenn Pierre-Emerick Aubameyang im goldenen Sportwagen am Trainingsgelände vorfährt?


JW:(Lacht.) Auba ist ja schon älter, vielleicht dürfte ich es in seinem Alter auch. Verstehen Sie mich nicht falsch: Mein Papa gönnt mir vieles. Aber ich muss mit 21 Jahren keinen Lamborghini fahren. Ich weiß, dass ich, obwohl ich viele Spiele mache und viel Lob bekomme, noch kein gestandener Bundesliga- oder Champions League-Spieler bin. Ich stehe noch am Anfang und muss demütig bleiben. Und ganz ehrlich: Ich verspüre auch kein Bedürfnis, Lamborghini zu fahren.


11:Ist diese Demut auch eine Folge Ihrer Negativerlebnisse bei 1860, wo Sie mit 18 Kapitän wurden und man Sie nur kurz darauf suspendierte, weil ein Taxifahrer belauscht hatte, wie Sie sich mit Teamkollegen über Klubinterna unterhalten hatten, und diesen Zwischenfall an die Verantwortlichen meldete?


JW:Das waren düstere Momente, keine Frage. Zumal ich nie gefragt worden war, ob ich Kapitän werden wollte. Die Binde hing einfach eines Tages an meinem Platz. In dieser Zeit habe ich sehr viel gelernt – auch über die negativen Seiten des Fußballgeschäfts.


11:Warum haben Sie die Binde nicht einfach abgelehnt?


JW:Natürlich fand ich es irgendwie auch cool, Kapitän bei den Profis zu sein. Aber erst im Nachhinein ist mir bewusst geworden, was das für eine Verantwortung das vor allem war. Unser Keeper Gabor Kiraly war zwanzig Jahre älter, wie hätte ich dem etwas sagen können? Von einem Tag auf den anderen musste ich vor den Kameras Niederlagen erklären und auch mal Kritik am einen oder anderen üben. Was das bedeutete, wurde mir erst richtig nach der Taxi-Geschichte bewusst.


11:Sie wurden denunziert. Auch eine Erfahrung, dass man als Profi jederzeit aufpassen muss, wie man sich verhält.


JW:Anfangs habe ich mich nur ungerecht behandelt gefühlt, aber mit der Zeit habe ich versucht, eine größere Distanz zum Fußballgeschäft aufzubauen. Ich habe durch den Vorfall gelernt, dass man schnell im Rampenlicht stehen, aber ebenso schnell auch wieder weg von der Bühne sein kann. Das war nicht schön, aber hilft mir jetzt sehr. Mittlerweile kann ich über vieles von dem, was damals geschehen ist, lachen – und vor allem auch viel draus ziehen.


11:Julian Weigl, Bastian Schweinsteiger hat Ihnen nach seinem Abschied aus der Nationalmannschaft angeboten, Ihnen bei Fragen jederzeit zur Verfügung zu stehen. Wie müssen wir uns den Austausch vorstellen?


JW.So, wie Sie es sich bei ganz normalen Menschen vorstellen. Wir haben ein- oder zweimal telefoniert und schreiben uns über WhatsApp. Nicht jeden Tag, aber wenn mir etwas auf der Seele brennt, kontaktieren wir einander. Und ich merke, dass er sich wirklich Gedanken über meine Fragen macht.


11:Können Sie uns ein Beispiel nennen?


JW:Letztes Mal hat er mich für mein Spiel gelobt und geschrieben, dass ich als Persönlichkeit auf dem Platz ruhig noch böser werden sollte.


11:Das heißt?


JW:Dass ich dem Schiri auch mal die Meinung sagen soll.

—  11Freunde Interview mit Julian Weigl 23.03.17

anonymous asked:

Ich muss sagen, dass ich diese umgedrehte fart against trump aktion doch echt gut fand. Trotzdem bin ich nach wie vor für kiss against trump. Von mir aus auch ohne Trump oder Politik also einfach küssen bitte....😂👬

Hands down! Das haben die alles so gedreht, hätte ich nicht gedacht. Ich hatte mitten in der Maz plötzlich Tränen in den Augen, dabei bin ich mit der Erwartung dahin gekommen, dass es die größte Scheißaktion ever wird und dann sowas! Hat mir persönlich auch wieder gezeigt, dass man die nicht unterschätzen sollte, das am Ende fand ich nämlich, das war ganz großes Fernsehen, chapeau Leute, chapeau! <3

Und ja Kiss against Trump muss man ja nich begraben! Können wir alle (also auch CHG) gerne machen, bin dabei!!

Originally posted by fkngerlocked

anonymous asked:

(2) das kam mir im Nachhinein so vor als hätten die sich da das original Fight Club Ende angeschaut um es genau nachstellen zu können :D jedenfalls hat sich dann der Kameramann in die Zuschauerreihen gesetzt und von der einen Seite gefilmt und dann kam dieser Dialog mit "Bist du verletzt..." und ich hab nix gecheckt. Und auf einmal fangen die an Händchen zu halten, ich hab nix mehr ausgehalten! Und sie mussten das aus vielen Perspektiven drehen und sie hielten soo oft Händchen, das war so schön

Hach Leute, ich liebe eure Erzählungen von den Aufzeichnungen. 😍
Und ist auch irgendwie typisch für die Redaktion, dass die einfach sagen “ja, prügelt euch beim Countdown Moment” und mehr nicht, haha. Nicht falsch verstehen, ich liebe diese Redaktion über alles, eben gerade weil die genauso sind wie joko und klaas. 😂
Da wirkt alles immer direkt viel authentischer, als bei anderen Sendungen. :D

Weißt du, egal wie oft wir uns gestritten haben, ich habe es immer gehasst dich gehen zu lassen.

anonymous asked:

(1) Wegen der Weihnachtsfolge die der andere anon angesprochen hat: Ich war bei der Aufzeichnung und das war noch verwirrender da :D weil es hieß am Anfang dass es nen Countdown gibt und dass wir uns alle "verprügeln" sollen wenns soweit ist. Dann sind J&K während dem Countdown hinter die Zuschauertreppe und dann hats eeewig gedauert, weil die von der Redaktion so lange irgendwas an so nem Laptop den sie da stehen hatten geguckt haben