wachsende

Mart Stam. Bauhaus 3-1 1929, 20
ausgangspunkt ist das heutige programm. die reihenfolge der räume, ihre anordnung und ihre größe ergeben sich aus ihrer benutzung. es wurde auf die tatsache rücksicht genommen, daß in der regel jedes lebendige und wachsende geschäft seinen betrieb von zeit zu zeit reorganisieren muß.

Mindestens 10 bis 15% der Kinder und Jugendlichen leiden an psychischen Störungen: Hyperaktivität, Aggressivität, Leistungsschwäche, Lese-Rechtschreib-Störungen, Verunsicherungen des Gefühlslebens. Depressionen sowie versuchte und erfolgte Selbstmorde werden teilweise mit wachsender Tendenz berichtet
—  Entwicklungsprobleme und Problemverhalten im Jugendalter

Was ist das für eine Szene? Alles dreht sich um den nächsten Superstar, den nächsten Vertrag, und die Frage nach dem Allergrößten. Alles dreht sich um die alltäglichen Verfehlungen des nächsten Superstars und das sich anschließende Scheitern, um Größenwahn, um Steuervermeidungsmodelle auf Inseln, die niemand je betreten wird. Alles dreht sich um die neuesten Snapchat-Filter und Instagram-Posts der modernen Helden. Make football great again!


Es gibt nur Sieger und Verlierer. Dazwischen die unendliche Leere eines gewöhnlichen Bundesligaspieltags, der doch wieder nur neue, sich stets reproduzierende Geschichten hervorbringt. Helden und Banditen. Die Helden, die Sieger feiern wir, die Banditen und Verlierer stampfen wir in den Boden. Auf dass sie nie wieder aufstehen. Doch mittlerweile sind wir zu müde, uns überhaupt zu etwas aufzuraffen.


Mit stets wachsender Verachtung blicken wir auf die Glitzerwelt des Fußballs und fragen uns: Was ist das nur für eine Szene? Und warum hängen wir an ihr?


Typen wie Neven Subotic, Mahnmale einer besseren Welt, wirken in ihr verloren. Sie weigern sich beharrlich, Teil der medialen Verwertungskette zu werden. Klar: Typen wie Neven Subotic sitzen in Talkshows, aber sie haben etwas zu erzählen. Wir hören ihnen gerne zu. Wir lassen uns von ihnen einnehmen (vor allem, wenn sie wie Subotic die Meisterschaft mit Fans auf dem Autodach feiern), begeistern, wir kennen ihren Lebensweg. Als Kleinkind vom Balkankrieg nach Deutschland gespült, von dort in die USA, auf einem Bolzplatz entdeckt, die Rückkehr nach Deutschland. Jetzt als Fußballer.


»Ich hatte bisher auch deshalb ein sehr glückliches Leben, weil andere Menschen uns bei der Integration in Deutschland und später in den USA unterstützt haben«, sagt Subotic. »Als ich dann 17 wurde, war ich endlich in der Lage etwas zurückzugeben, nicht zuletzt dank des Privilegs Profifußballer sein zu dürfen.«


Der Mensch Subotic auf der einen Seite, der Fußballer Subotic auf der anderen Seite. Um den war es zuletzt still geworden. Dabei war es der Fußballer Subotic, der den Menschen Subotic als Mahnmal einer besseren Welt in die Öffentlichkeit rückte. Als er 2008 in Dortmund anheuerte, träumte er davon einmal international zu spielen und »ein Spieler wie John Terry zu werden.« Der, so Subotic, könne »immer wieder Akzente setzen« und »seine Mitspieler mitreißen.« Vier Jahre später stand er vor Arjen Robben, verzog sein Gesicht und brüllte den Bayern an. Der hatte gerade einen Elfmeter verschossen. Dortmund war Meister. Subotic war ein Typ wie John Terry, auf der Höhe seiner Karriere. Er war einer der prägenden Spieler der Klopp-Ära. Er war emotional, fannah, kämpferisch. Er gab nie auf. Er grätschte in Wembley einen Ball von der Linie. Danach verschwand er. Ein Kreuzbandriss in Wolfsburg, die harte Reha, noch einmal die Runde unter seinem Mentor Klopp.


Unter Tuchel fand er nicht mehr statt. Seine Eigenschaften waren nicht mehr gefragt. Er wurde ein Europa League-Spieler, immer wieder von kleineren Blessuren zurückgeworfen. Im April eine Thrombose im Arm, ein geplatzter Transfer nach England, eine Rippenoperation.


Sein Comeback im November ist Sinnbild für das komplette Jahr. Die Amas spielten gegen Rödinghausen. Alles ging schief. Motorschaden, die Fußballschuhe eine Nummer zu klein. Aber das alles zählte nicht mehr. Er war jetzt wieder auf dem Platz, in seinem eigenen Disneyland. »Jeder Akt ist einfach geil. Jeder Zweikampf, jeder Pass, jeder lange Lauf.« Einmal breitet er seine Arme aus, und rennt davon. Er jubelte, wie nur er jubelt. Da hatte er gerade das 1:0 erzielt. Die Rote Erde stand Kopf.


Subotic war das »echt« in echte Liebe. Mit dem Weltenbummler verschwindet der letzte Eckpfeiler der großen Meistermannschaft. Aus sportlicher Sicht war er längst eine Altlast. Menschlich wird er fehlen. Es wird dauern, doch die Wunden werden verheilen.


»Ich möchte Euch heute ganz persönlich eine schöne Mitteilung übertragen«, sagte der leidenschaftliche Pulloverträger Subotic in seinem Abschiedsgruß an die Dortmunder Fans. Endlich kann er wieder Fußball spielen. Dortmund, sagt er, werde ihn immer im Herzen behalten, und er Dortmund. Jetzt aber ist er Kölner. Dort können sie sich freuen: Auf den Menschen Subotic und endlich auch wieder auf den Fußballer.

—  11freunde.de