verschlungen

Und du hast dir doch so viel vorgenommen. Du wolltest gute Noten schreiben, dich am Unterricht oder an Gesprächen mit anderen Menschen beteiligen. Du wolltest die letzte Ausgabe der Flow lesen und dir ein paar derer Zitate als Lebensmotto setzen. Du wolltest die Krankheit bekämpfen, auf deinen Körper hören. Du wolltest ein guter Mensch sein, deine Mitmenschen stolz machen.

Und doch hast du es an vielen Tagen noch nicht einmal aus deinem Bett geschafft. Du hast dich an traurigen Konjunktiven festgehalten: “Wenn ich jetzt aufgestanden wäre, hätte ich es vielleicht aus meinem dunklen Gedankenloch herausgeschafft”, dachtest du, doch eine andere Stimme, tief in dir drin, kam dir zuvor “Wenn ich jetzt aufstehe, werde ich vermutlich sogar noch tiefer fallen”.

Du hast deine Nachrichten tagelang unbeantwortet gelassen, hast den Kontakt zu allen Menschen abgekapselt. Du hast weder Fernsehen geschaut, noch Emails gelesen, weder ein Buch verschlungen, noch den Laptop aufgeklappt. Du hast dich in deinem Bett verkrochen, deine vier weißen Wände studiert. Du weißt jetzt, wo fünf Spinnenweben hängen und wo ein Kaffeefleck klebt.

Du bist barfuß nach draußen gegangen, hast dir schnell die XXL Strickjacke übergeworfen, eine nach der anderen geraucht, wieder drinnen in den Schlaf gefallen und wahrscheinlich erst jetzt merkst du: Du bist immer tiefer gefallen. Auf den Boden, auf den Abgrund, bis du irgendwann den Tiefpunkt erreicht hast. Du bist unten. Und dabei wolltest du so viel erreichen, so weit nach oben.

im taxi weinen

ich lese dich rückwärts
mit schmerzen, an all deinen
grenzen abgeprallt
ohne sehnsucht

immer noch so verbissen
darauf, den ledersitz des
taxis unter den fingernägeln
mitzunehmen
nur ein stück weit von

nacht bis nach
hause


ich schlafe im
tageslicht und du
wunderst dich

ich habe nie etwas begriffen
ich habe alles erst in der brust
verschlungen

ALL. THE. FEELS! 

Fullmetal Alchemist habe ich verschlungen und er ist (für mich) immer noch der beste Schonen-Manga. So viele sympathische Charaktere und eine packende und tiefgehende Story. Das musste ich erstmal verarbeiten. 


Alphonse Elric ist dabei mein Liebling geworden, weil er einfach zu liebenswert ist und die Rüstung sehr ikonisch und mittlerweile wohl symbolhaft für den Manga steht.

Ich wäre niemals glücklich geworden....

Es geht mir wie denen, die -nach überstandenen schweren Ungewittern auf dem Meere- das Ufer betreten.
Der feste Boden scheinet ihnen zu wanken, das Bild der rasenden Wellen ist ihnen noch immer gegenwärtig, und sie fürchten sich auf dem Lande, von ihnen verschlungen zu werden.
Bald wird mir der Boden nicht mehr wanken!
Die Zeit wird die traurigen Bilder in mir verlöschen!
Ich werde bald die Natur in ihrer Schönheit sehen, und ausgebreitete grüne Gefilde, und Gärten und Hügel voll fruchtbarer Bäume, wo ich jetzt noch Wellen erblicke.
Die Weltweisheit wird mich zu jenen hellen Höhen führen, da ich sehen werde, wie sich im unermesslichen Raum die Sterne unter meinen Füßen drehen, und da mir die Erde ein Staub, und ihre Hoheit ein Nichts sein wird.
Dann wird meine Glückseligkeit erst anfangen, und die bisherigen Widerwärtigkeiten werden mir dienen, mein Glück zu fühlen.
- Ich wäre niemals glücklich geworden, wäre ich nicht unglücklich gewesen.

[Kleist]