verlegenheit

underwater creatures & human beeings / pt. 1

hier eine kleine kurzgeschichte für einer der tollsten menschen, die man sich vorstellen kann:


“Ich habe ein Jahrzehnt auf dich gewartet. Ich würde sogar eine Milliarde Jahrhunderte mehr warten. Und das nur für dich. Nichts und niemand hat mich auf deine Ankunft und Anwesenheit vorbereitet. Was es wohl bedeuten würde.. Wenn ich doch nur die Wärme in deiner Berührung spüren könnte… Wenn ich doch nur dein Lächeln sehen könnte, wenn du vor völliger Verlegenheit rot werden würdest.. Oder wenn ich sehen könnte, wie du deine Lippen bewegst, wenn du dich zu sehr konzentrierst.

Ich denke dann würde ich wissen, warum ich lebe. Wofür ich lebe.
Mit einem Flüstern würden wir gegen das System strömen, die bösartige Menschheit zähmen und die Grausamkeiten dieses Planeten verschwinden lassen.
Kannst du ein Geheimnis für dich behalten? Ich glaube ich brauche es. Ja, ich glaube ich brauche es.
Du ließt mir deine Seele zurück, doch ich kann damit nicht umgehen… Nimm’ sie wieder zurück, bevor sie in viele kleine Einzelteile zerbricht.
Ich atme. Ich atme Wasser.
Ja,ich atme Wasser. Kannst du es sehen?
Ich spüre nichts mehr außer pure Leere.
Ich kann nicht mehr atmen. Ja, ich atme nicht mehr.
help me, little mermaidboy.”

Zusammen mit meinem Notizbuch ließ ich mich im giftgrünen Gras nieder. Ich schaute nach oben. Der Himmel blassblau. Nichts erinnerte mich an damals. An mein Leben als Meerjungfrau. In etwa um 1610 war ich als die schönste Meerjungfrau und zugleich als die Prinzessin der Weltmeere bekannt. plötzlich war davon nichts mehr übrig. Ich hatte einen vollendeten Menschenkörper. Weder Schwanzflossen, noch Kiemen zierten meinen sensiblen Frauenkörper. Auf einmal änderte sich mein ganzes Leben. Selbst Anziehsachen zu tragen war ungewohnt für mich. Dinge wie das Laufen, an der Luft atmen… All das musste ich erst erlernen, wie ein kleines Baby, das gerade aus seiner Mutter geschlüpft kam. All diese für Menschen selbstverständlichen Dinge durfte ich mit 21 Jahren nochmal von vorne lernen. Die Sprache der Menschen beherrschte ich aber. Wir Unterwasser hatten keine eigene Sprache. Selbst die Fische sprechen die Sprache der Menschen, nur sie trauen sich nicht mit ihnen zu reden. Verrückt oder?

Neben der Tatsache, dass ich meine Lieblingstiere Unterwasser vermisste, begriff ich schnell, wie die Menschenwelt tickt. Ich verstand schnell, dass meine Entscheidung vor einigen Jahren eine sehr leichtsinnige war und dass die Menschenwelt doch nicht so perfekt war, wie ich immer dachte… 

Als ich mein 21. Lebensjahr erreichte - dann ist man Unterwasser volljährig - entschied ich mich nach langem, sogar sehr langem Überlegen in die Menschenwelt zu gehen.
Vielleicht sollte ich erstmal auf meine Vorgeschichte eingehen, bevor ich anfange über die Entscheidung zu reden.
Ich bin die Jüngste von 4 Geschwistern. Schon von Geburt an gefiel ich ihnen nicht mehr, weil ich angeblich die jenige war, um die sich am meisten gekümmert wurde. Das stimmte zwar in keinster Weise, aber meine Geschwister blieben bei ihrer Ansicht. Ich hatte niemanden. Niemand verstand mich. Meine Vorlieben, meine Interessen… Alles wurde von den anderen entweder verabscheut oder abgestoßen. Die Meerjungfrauen und Meerjungfraumänner, vor allem mein Vater Poseidon hasste die Menschenwelt. Kann man vielleicht daraus ziehen, wofür ich mich interessierte? Genau. Die Menschenwelt hat mich schon immer beschäftigt. Ich bewunderte die Kreativität, das Wissen, das Aussehen, die Lebensweise und vieles mehr so sehr. Ich wollte immer einer von ihnen sein. In Armelletopia; unserer Unterwasserwelt war es verboten zu heiraten, Kinder zu haben. Abgesehen von meinen Eltern durfte niemand hier ein Ehepaar sein, geschweigedenn Kinder haben. Das machte mich traurig. Sehr traurig. So gut wie jeden Abend schlich ich mich aus meinem Schlafgemach und schwamm einige Kilometer von unserem Palast entfernt an die Oberfläche. Ich schaute den Menschen unauffällig zu, wie sie lebten. Durch ihre Fensterscheiben an den Häusern. Alle sehen so verschieden aus, leben verschieden, haben verschiedene Interessen. Niemand in dieser Menschenwelt war gleich. Das machte sie so einzigartig. Jeder einzelne von ihnen ist ein Unikat. Und das ist das, was mich an ihnen so faszinierte. Unterwasser sind sie alle gleich. Jeder ist so wie die anderen und das ist langweilig. Die Orcas und die Delfine, die ein paar Hundert Kilometer von mir entfernt wohnen, haben mich immer als Wunderkind bezeichnet. Anders als andere Kreaturen am Meeresgrund fühlen sie viel stärker und können mich vollkommen verstehen. Das Problem ist nur, dass ich sie nur viel zu selten sehen durfte, weshalb die Sehnsucht danach, einmal in die Menschenwelt zu dürfen immer weiter wuchs. Das führte sogar irgendwann einmal dazu, dass sich sogar meine ganze Familie sich gegen mich verschwor, als sie das alles herausfanden. 

Mein Vater verbannte mich sofort aus unserer Heimat und ich verkroch mich mehrere Hundert Kilometer weiter an einem verlassen Ort namens Maralasien. In Maralasien lebten keine Wesen unserer Art, nur tausende Fische. Diese konnten mir aber auch nicht weiterhelfen. Sie verstanden mich mindestens genauso wenig wie meine Familie aus Armelletopia. Schnell vereinsamte ich und mir wurde klar, dass das so nicht weitergehen kann. An meinem 21 Geburtstag dann, suchte mein Vater mich. Ich war verwundert. Die Nachricht bekam ich von den Fischen, doch ob es stimmte, wusste ich bis dahin noch nicht so genau und ich konnte es kaum fassen. Nach nicht mal weniger als 5 Minuten, nachdem mir die Fische davon berichteten, stand er dann tatsächlich vor mir. Er sah um einiges älter, aber noch fitter aus, als damals. Nun war ich schon 5 Jahre hier auf mich allein gestellt. Ich hatte es mir sogar mittlerweile schon gemütlich gemacht. Meine Nackenhaare richteten sich sofort auf und mir lief ein Schauer über den Rücken. Gerechnet damit, dass ich ihn jemals nochmal sehen werde, habe ich nicht mehr. Schon lange nicht mehr. Er brüstete sich vor mir auf und hatte seinen furchteinflößenden Dreizack stets Griffbereit.
“Vater..tu’ dir keinen Zwang an. Töte mich.”, flüsterte ich ängstlich und bereitete mich auf meine vermuteten letzten Sekunden meines Lebens vor.

Doch mein Vater hatte gar nicht vor mich zu töten, wie ich schnell merkte. An seinem Gesichtsausdruck konnte ich entnehmen, dass er mir was sagen wollte, doch er traute sich nicht. Sein boshafter Blick verwandelte sich schnell in einen überraschenderweise annähernd traurigen Blick.

“Lilly..ich möchte dich doch gar nicht umbringen,mein Kind…”, setzte er an. Er kniete sich zu mir und musterte mich. Ich war ziemlich unterernährt. An mir hingen nur noch Haut und Knochen. Ich hatte eingefallene Wangen, ein schlaffes Gesicht; und ich war blasser als je zuvor. Sein Blick verwandelte sich sofort in einen etwas bemitleidenden Blick. “Ich..Ich bin hier um dich vor ein Ultimatum zu stellen.”

Auch wenn ich meinem Vater nichteinmal mehr in die Augen sehen konnte, für das, was er mir angetan hatte, nickte ich eifrig. Ich war neugierig. Was für ein Ultimatum das wohl gewesen sein muss?

Ein einziger Mensch kann in einem ein Gefühl auslösen, dass einfach unbeschreiblich ist. Man kann es nicht beschreiben, aber man spürt es und es löst in einem unendliche Glücksgefühle aus. Man zittert am ganzen Körper und man bekommt Gänsehaut, aber nicht weil einem kalt ist. Das Lächeln auf den Lippen wird ein Dauerzustand und es ist immer echt. Plötzlich dreht sich die Welt nicht mehr um die Sonne, sondern um eine Person und man vergisst die Zeit. Man verbindet alles mit Demjenigen. Man gerät in Verlegenheit, wenn Derjenige etwas Süßes gesagt hat und man grinst so sehr in sich hinein, dass selbst mitten in der Nacht die Sonne in einem aufgeht. Man verzichtet auf Schlaf, weil die Person einen viel mehr beruhigt und entspannt, als Schlaf und wenn man dann mal schläft, ist diese Person immer noch da. Die Person ist immer da, einfach überall.
—  gratislachen