urs widmer

Es wird, es muss die Zeit kommen, da wir Menschen uns achten und mit Würde begegnen. Ja. Da wir unsere Bedürfnisse stillen, ohne uns niederzutreten im Kampf um immer mehr. Ohne die Tiere zu morden, die Bäume zu fällen, die Wässer zu trüben.
Da ein jeder Mensch dem anderen gleich seinen Teil leistet. Da die Frauen nicht den Männern untertan sind, und die Männer nicht den Frauen. Da die Menschen das tun, was zu tun ihnen ihre Begabung erlaubt, an ihrem Ort, mit ihrer Kraft, in Freiheit. Mit dem Feuer ihrer Herzen. Und zu ihrer Zeit. Jeder Wird seine eigene Zeit haben. Das Schlagen unsrer Herzen Wird unser Maß werden, das Atmen der Lungen.
Oh, natäurlich werden wir arbeiten. Wir werden Dinge herstellen, notwendige und auch ein paar überflüssige, wir werden mit ihnen handeln. Oh ja. Wir werden sie verkaufen und kaufen. Oh gewiß. Aber nach den Bedürfnissen aller, in denen die unsern enthalten sein werden. Unsre Grenzen werden wir als Glück und nicht als Mangel erleben. Wir werden nicht alles haben wollen, und werden nicht alles haben. Aber keiner wird nichts haben.
Die Flüsse sind voller Fische. Die Luft ist ein Getränk. Die Wiesen leuchten. Die Städte sind schön. Wir sind wir und fühlen uns als uns. Es gibt kein Ich, das nur “Ich” sein kann, wenn es ein Du tötet. Es wird den Tod geben, den Schmerz, das Leid. Die Trauer, wenn sich ein Schicksal erfüllt zu seiner Zeit oder vor seiner Zeit gar. Aber keiner wird dann alleine sein mit seinen Tränen.
die Menschen werden trösten und helfen. So wird es werden, wenn nicht in diesem, dann im nächsten Jahrtausend.
—  Urs Widmer: “Top Dogs”; “Die Utopie vom Menschen”.