unter freiem himmel

Der Gedanke, bald jeden Tag von 7:00 - 20:00 Uhr zu arbeiten, für etwas Geld, dass mich am Leben erhalten soll, macht mich so fertig. Ich will einfach nur frei sein. Morgens aufwachen, losziehen und nicht wissen wo die Reise endet. Menschen und Kulturen kennen lernen, abends unter Palmen und freiem Himmel einschlafen, im Meer schwimmen wenn mir danach ist und am nächsten Tag Berge besteigen um den Sonnenuntergang genießen zu können. Anziehen was ich möchte, handeln wie ich möchte und leben wie ich möchte. Frei sein ohne Zwang.
auszüge einer selbst-auskunft

meine neugierde endet meist in ungeduld.
doch ich selbst entwickle mich nur sehr langsam.
in der retrospektive glaube ich an den zufall.
doch ich suche ihn nie.
ich bin selbst nur gerne dort, wo nichts erwartet wird.
dort bin ich am liebsten, nur dort bin ich am besten.

ein paar ziele: einige sekunden nicht denken und dabei jegliche unruhe besiegen.
an einer schulter angelehnt ein zelt in einem fremden lächeln aufschlagen.
zwischen den offenen reißverschlüssen das meer sehen.
ihm zusehen bis bis der magen laut knurrt.
nach getaner anstrengung unter freiem himmel essen.
durch unbekannte gassen schlendern und in die hauseingänge schielen.
fremde schönheit erkennen.
sie mitnehmen und in den wind hinaus rufen.
herausfinden wohin er so dringend möchte. und ob er je ankommt.
die zeit verstehen und mit ihr über unsere endlosen gespräche lächeln.
etwas unbestimmtes fühlen das langsam immer deutlicher wird.
etwas suchen und dafür etwas anderes finden.
einen scharrenden gedanken für immer aus dem kopf entlassen.
und einen anklopfenden mit offenen armen aufnehmen.
und lächeln.
über das vergessen.
das hoffen, das wissen, das zweifeln, das fühlen, das denken, das sein.
vertrauen haben.
nach draußen sehen und den frühling herbeiwissen.
irgendwann einen schlupfwinkel und eine decke teilen.
eine hand spüren.
und mich flüsternd bedanken.

© 2015 — Freitag ist Rosa

Lass mal zum See fahren, um dort betrunken zu singen. Lass Kippen rauchen, bis unsere Lungen brennen. Lass mal 'nen Einkaufswagen nehmen und durch die Straßen fahren. Dabei jubeln und weinen. Lass mal poetische Gespräche führen, bis unsere Münder trocken sind. Lass mal auf 'nem Feld schlafen, so unter freiem Himmel. Die Sterne beobachten. Lass mal ein Lagerfeuer machen und wegrennen, wenn es zu groß wird. Lass auf das höchste Dach der Stadt steigen und rufen, dass wir frei sind. Lass mal im Regen tanzen, bis unsere Sachen durchsichtig sind. Bis unsere Lippen blau sind. Lass mal frei sein, lass mal Spaß haben, lass mal Lieben, lass mal Vodka trinken.
Du bist wie Sommerregen. Wie warme Nächte unter freiem Himmel oder umso kältere vor dem Kamin. Du bist die Sonne im Dezember und der Duft von frisch gemähtem Gras. Du bist wie das Lied aus der Jugend, das man niemals aus dem Kopf bekommt und wie der Film den man nicht oft genug sehen kann.
Du bist jeder Stern am Himmel und alle bunten Blumen zusammen.
Du bist jedes Lächeln auf meinem Gesicht.
Wir könnten so viel machen. Wir könnten uns in den Zug setzen und wegfahren. Oder in ein Auto. Und dann fahren wir in den Süden. Irgendwohin, wo es immer warm ist und wo die Sonne nie unterzugehen scheint. Wir könnten den ganzen Tag am Strand liegen und im Meer baden. Und wir könnten alle Eissorten an allen erdenklichen Eisständen probieren, bis wir platzen und uns vornehmen, nie wieder etwas zu essen. Wir können aber auch hier bleiben. Wir könnten uns auf irgendeine Wiese legen und uns die Sonne ins Gesicht scheinen lassen. Wir könnten barfuß auf den Mauern dieser Welt tanzen. Wir könnten zu unseren Lieblingsplatten singen, so laut und so lange, bis uns die Luft ausgeht. Wir könnten unter freiem Himmel schlafen. Wir könnten immer die Sterne beobachten und so tun, als ob sie nur für uns scheinen. Wir könnten immer der Sonne entgegenlaufen und nie mehr zurückkommen. All das könnten wir machen. Wir, wir, wir. Wenn wir wollen, besteht das Leben nur noch aus wir.
—  J. R.
die morgendämmerung trägt heute hohe absätze

kaffee? kakao?
meine rippen knarzen
bei jeder umatmung. ich verlaufe
mich in deinem gesicht; solange
bis deine wimpern
einen tusch für mich spielen

du schenkst mir nach
und ich dir
etwas
von meiner schüchternheit. die
farbestehtdirgut

nach und nach
finde ich meinen kopf
unter deinem wollpullover wieder
sternbilder hängen schief
an deinem dekolleté

wir zelten
unter freiem himmel
.

Ich will mit jemandem einen unvergesslichen Sommer erleben. Auf Konzerte gehen, ans Meer fahren, unter freiem Himmel schlafen, betrinken, einfach zusammen glücklich sein.
den langen weg

den langen weg nachhause
laufen wir unter freiem himmel
es gibt keinen entwurf
für das leben
man ist immer genau dort
wo man gerade ist
du machst einen schritt
und jetzt? fragst du mich
jetzt sind wir nicht mehr dort
sondern hier, sage ich
das jetzt ändert sich stetig
wir gehen weiter
hier wird dort
hier wird dort
hier wird dort
jetzt nimmst du meine hand.

© 2016 — Freitag ist Rosa

Lieblingsplätze an der HNU Teil II

Wer einen perfekten Platz zum Essen oder für eine Pause zwischendurch sucht, sollte sich unbedingt an warmen Sommertagen in den Außenbereich unserer Mensa setzen.

Die Studenten haben nicht nur die Möglichkeit unter freiem Himmel zu speisen, sondern haben dabei auch noch einen Panorama-Blick ins Grüne.

Aber das war noch nicht alles!

Direkt angrenzend an den Sitzmöglichkeiten befindet sich ein großer Teich. Dieser wird oft von den Studenten genutzt, um noch einmal die Füße in das erfrischende Wasser zu tauchen, bevor es wieder in den Hörsaal geht.

Aber nicht vergessen, auch hier gilt:

First come, first served!

4

Vor der neuen Landeserstaufnahmestelle in der Karlsruher Felsstraße spielen pakistanische Männer Cricket, Kinder aus Gambia und anderen Ländern dieser Erde springen umher und es beginnt langsam zu tröpfeln.

Einen Steinwurf weiter hinten befinden sich auf einem Rasengrundstück weitere Geflüchtete, unter denen einige Frauen ihre Kinder stillen und Familien auf dem Boden sitzen. Schon von weitem erkenne ich eine kleine Familie und laufe schnurstracks auf diese zu.

Drei Kinder hüpfen wild herum, ein kleines liegt schlafend in einem zusammengeklappte und kaputtem Kinderwagen. Rana, eine kleine Frau mit Kopftuch und Kind auf dem Arm reagiert etwas schüchtern auf meine Anwesenheit und so spreche ich Ahmad, den Vater an.

Meine Frage nach der Herkunft wird sofort beantwortet. „From Syria!“ Weil ich kein Arabisch spreche, händigt mir der Vater den Heimausweis aus, ein DIN A4-Blatt mit allen Angaben über die Familie.

Noch vor dem Namen, der syrischen Heimat und der Gültigkeitsdauer des Ausweises steht folgender Satz:

„Aufnahme eines Studiums oder einer sonstigen Berufsausbildung sowie Erwerbstätigkeit nicht gestattet. Der Aufenthalt ist bis zu einer Entscheidung auf den Bezirk der zuständigen Aufnahmeeinrichtung beschränkt.“

Beschränkt. Nicht gestattet. Aufenthalt. Diese Sätze verraten in erster Linie, was verboten ist. Sie sprechen für sich selbst und die trockene Bürokratie des Landes. 

Nachdem die Kinder neugierig auf meine Kamera starren und gerne selbst ein Foto machen wollen, ist Ahmad aufgestanden und versucht mir, etwas mitzuteilen. Mit wenigen Brocken Englisch verrät er, dass das Zimmer, auf dem die Familie mit ihren insgesamt 6 Kindern lebt, beengend ist. Gemeinsam mit vielen anderen Geflüchteten müsste die Familie Kopf an Kopf übernachten.

Je mehr mir Ahmad erzählt, umso deutlich wird, dass Kinder und Eltern angespannt sind und dass ein „Aufenthalt“ in der Unterkunft nicht auszuhalten ist. So sitzen sie lieber unter freiem Himmel. 

Meine eigenen Erfahrungen in Aufnahmeeinrichtungen lassen mich nicht lange daran zweifeln. Da die Sprachbarriere zu groß ist und ich diese Familie nicht in Verlegenheit bringen möchte, verabschiede ich mich schnell - und vielleicht auch etwas verfrüht.

Denn: Es ist mir selbst unangenehm. Nein, ich bin nicht verantwortlich für die Unterkunft dieser Menschen, doch als Deutscher schäme ich mich für diese Umstände, die ich viel zu oft mit eigenen Augen gesehen habe. Es ist in meinen Augen ein Unding, dass Geflüchtete in solch großen Massen aufeinandergezwängt in beengenden Zimmern wohnen müssen und somit Spannungen und Streß vorprogrammiert sind. 

Mein lieber Ahmad, liebe Rana, liebe Kinder. Wie sehr ich Euch doch wünsche, eine gute Bleibe zu finden, in der Ihr Euch wohl und nicht erdrückt fühlt. Eure Situation ist die von (zu) vielen Kindern, Freundinnen, Vätern und schwangeren Müttern. Seid stark und mutig. Es ist gut, dass Ihr bei uns seid. Friede mit Euch.