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23 DAYS LEFT: Abschiedsfeier

Am letzten Juli-Wochenende stand schlussendlich meine Abschiedsfeier an. Auch wenn ich unter all den Austauschschülern gemischte Meinungen über ein Abhalten jener Feier höre, war für mich von Anfang an klar, dass ich eine machen möchte.

Ich wohne im Keller unseres Hauses, das so in den Berg gebaut ist, dass ich über große offene Fenster und eine Terrasse verfüge, auf die nur ich Anspruch habe. Unser Garten ist generell ziemlich gestuft und somit habe ich ein “Garten-Stockwerk” für mich reserviert, meine Terrassentüren aufgerissen und alles schön dekoriert.

Ich habe über den ganzen Garten Lichterketten gespannt, Feuerkörbe verteilt aufgestellt, nicht zu vergessen eine kleine Bar aufgebaut und alles süß hergerichtet. Die Freunde, die Zeit hatten, fünfzehn Stück an der Zahl, sind alle um sieben gekommen und teils sogar bis acht Uhr morgens geblieben. Die, die am frühesten gegangen sind haben sich um ungefähr zwölf verabschiedet, aber die meisten blieben bis zwei-drei. Am Ende waren die Leute, die bis zum Anbruch des nächsten Tages geblieben sind sieben Stück an der Zahl und wir haben uns noch eine lustige Nacht gemacht.

Ich bin froh darüber, eine Abschiedsfeier gemacht zu haben, auch wenn ich nach schon einem Jahr wieder zurückkomme. Da ich den ganzen August herumreise, war das meine letzte Chance mich wirklich von meinen Freunden zu verabschieden und ich kann es nicht abstreiten: Ich habe es noch nicht realisiert. Es kommt mir so vor, als würde ich sie Anfang in September in der Schule treffen, wohlwissend, dass ich da schon längst das Land verlassen haben werde.

Es war eine großartige Stimmung, die Leute waren gut drauf und es war gemütlich eine Nacht lang zusammen zu sitzen und über die guten, alten Zeiten zu reden. Das Prasseln des Feuers hat für eine melancholische Stimmung gesorgt und als sie dann auch noch als gemeinsames Gruppengeschenk meiner Schulfreunde einen Bilderrahmen mit einem süßen Spruch, einem Foto und einer gehörigen Summe an Geld, die sie für mein Abentuer zusammengekratzt habe zu mir kamen, musste ich sogar etwas weinen. Die Geste war unfassbar süß. 

Zwei wirklich gute Freundinnen, darunter eine meiner besten, kam erst um elf Uhr nach und als die beiden mir einen riesigen Karton vor die Nase stellten war ich kurze Zeit perplex.

Ich hatte extra klargestellt, dass keine Geschenke nötig waren und von Anfang an erklärt, dass ich nichts erwarten würde, umso überraschter war ich, dass sich trotzdem alle etwas überlegt hatten.

Hinter dem Karton befand sich nichts anderes als eine riesige Shawn Mendes-Pappfigur. Auch wenn ich durch und durch alles fangirle, was nicht bei drei auf dem Baum ist, muss ich zugeben, dass ich mir nie eine Pappfigur gekauft hätte. Und jetzt stand er vor mir: Lebensgroß und nett lächeln und ich konnte mich kaum einkriegen.

Das Schönste daran war, dass sie sich wirklich Gedanken gemacht hatten. Sie hätten mir genauso gut eine Ed Sheeran-Pappfigur besorgen können, aber der Grund warum es Shawn Mendes war, war der, dass ich ja nach Kanada ging und das auch sein Heimatland war.

Es war eine wunderschöne Nacht und wenn ich könnte, würde ich sie immer und immer wieder durchleben. An jene Austauschschüler unter uns, die noch eine Chance haben: Ich kann euch allen ans Herz legen so eine Feier zu machen.

Die Tatsache, dass ich nach einem Jahr zurückkehren werde, macht es nur noch besser: Denn dann gibt es eine Welcome-Back-Party!