unkonventionell

Bleib schön du selbst

Wer weiß, schlank, cis, jung und konventionell attraktiv ist, MUSS SICH NICHT ANPASSEN! Wow! Wer hätte das gedacht! Diese Frau ist voll rebellisch, weil: Sie hat ein Tattoo. Einfach #unverbesserlichich, diese Sophia Thomalla mit ihren vielen, vielen unkonventionellen “Ecken” und “Kanten” (so meeega unkonventionell ist es übrigens nicht, mit antifeministischen Sprüchen um sich zu schmeißen). Authenzität ist ihr “ganz wichtig”, denn es geht ihr schließlich nicht NUR um “ein perfektes Äußeres”. Ok, mal abgesehen von Thomalla, die ja machen kann, was sie will, ist diese Kampagne von LIDL so richtig sinnlos. Wir werden bombadiert mit der Message “du bist gut so, wie du bist, wenn du dich änderst, unsere Produkte kaufst und deine ***Problemzönchen*** richtig kaschierst, aber BITTE AUTHENTISCH und verstell dich nicht, und TU NICHT NUR SO als ob du deine Ziele erreichen willst, wie man das von Frauen ja so kennt. Okay? Okay.”

Wenn du z. B. einen “weiblichen”, d. h. DICKEN Körper hast, lenke die Aufmerksamkeit auf jeden Fall weg von deinem Bauch, omg. Ist dein Oberkörper kräftig?? Bloß davon ablenken, will ja niemand sehen. Hoffe, du fühlst dich jetzt noch “wohl in deiner Haut”, nachdem wir dir das gesagt haben. Frauen mit Wespentaille dürfen übrigens auch enge Klamotten ohne Details tragen, das geht, da haben wir kein Problem mit. 

Danke, LIDL. 

Tumblr-User im Blickpunkt: Miriam und André von Roll the planet

André reist seit nunmehr 21 Jahren im Rollstuhl durch die Welt. Seit 14 Jahren hat er Miriam an seiner Seite. Beide wohnen in Hamburg und arbeiten auch zusammen. In unserem Interview-Feature haben sie von ihren Reisen und ein bisschen auch von sich selbst erzählt.

Was sind so die klassischen Schwierigkeiten, auf die man als Reisender im Rollstuhl trifft? Habt ihr auch besonders positive Überraschungen erlebt hinsichtlich der Barrierefreiheit?

Die klassischen Schwierigkeiten sind die Informations-Wüsten bei der Reisevorbereitung. Häufig kommen wir vor Ort gut klar und es gibt auch barrierefreie Unterkünfte, die nur leider nicht so leicht auffindbar sind. Auch Fliegen ist immer ein Glücksspiel, weil die für Rollifahrer vorgesehenen Plätze für einen fast Zweimeter-Mann wie André viel zu eng sind, Sondergepäckbestimmungen beim Bodenpersonal nicht allseits bekannt sind, man nicht weiß, ob der Rollstuhl auch mitkommt oder man am Zielflughafen erstmal in ein Sanitätergefährt verfrachtet wird …

Barrierefreier als gedacht war für uns New York. Dort hat uns eine Rollifahrerin von den Big-Apple-Greeters aus Brooklyn super Tipps und Einblicke gegeben. Allgemein sind die USA in Sachen Barrierefreiheit aber vorbildlich. Und an Reisezielen, die nicht so barrierefrei sind, machen wir oft die Erfahrung, dass das durch sehr herzliche und kreative Einwohner und unkonventionelle Problemlösungen ausgeglichen wird.

André, als du noch ohne Miriam unterwegs warst, hattest du da auch jemanden an deiner Seite? Macht ein Partner/Begleiter das Reisen viel einfacher?

Bevor wir uns kennengelernt haben, war ich alleine unterwegs. Auf der ersten Reise nach meinem Unfall alleine nach Kapstadt erlebte ich ein unbeschreibliches Freiheitsgefühl. Aber ohne Partner zu reisen ist natürlich auch anstrengender und aufwändiger. Wenn die Reisebegleitung mal schnell aus dem Auto springen kann um zu gucken, ob man in das Lokal am Wegesrand, das so gut aussieht, auch reinkommt.

Wie habt ihr euch eigentlich kennengelernt? Miriam, gab es bei dir anfangs Berührungsängste oder Gedanken daran, dass du mit André manche Dinge vielleicht nicht machen kannst?

Kennengelernt haben wir uns über eine gemeinsame Freundin bei einem Verlag in Hamburg, bei dem wir beide gearbeitet haben. Nein, Berührungsängste hatte ich gar nicht. Ich fand es eher sehr spannend, was alles geht. Auf meiner ersten Südafrika-Reise zusammen mit André war es sogar umgekehrt: Als in einem Nationalpark eine Hängebrücke unseren Weg kreuzte, dachte ich (habe Höhenangst): Super, das geht rollstuhltechnisch nicht, da muss ich nicht rauf. André wollte aber und ein hilfsbereiter Ranger sah auch kein unüberwindbares Hindernis in der Brücke. Da konnte ich mich dann auch nicht mehr drücken.

Wer reisen will, muss meistens auch Geld dafür verdienen. Was macht ihr außerhalb eurer Touren?

Ich arbeite als Texterin und freie Redakteurin, zusammen mit André berate ich außerdem touristische Unternehmen in Sachen Barrierefreiheit.

Ihr wollt mit dem Blog anderen Mut machen, mit dem Rollstuhl zu reisen. Habt ihr festgestellt, dass viele Menschen sich das nicht trauen?

Ja, denn wie anfangs schon angedeutet, ist die Reiserei mit viel Aufwand im Vorwege verbunden, weil es irre viel Zeit kostet, Informationen zusammenzusammeln. Und auch wenn man glaubt, alles perfekt geplant zu haben, warten am Reiseziel oft trotzdem unangenehme Überraschungen (Hotel nicht so barrierefrei wie angegeben, Leihauto hat kein Handgasgerät, schlechte Infrastruktur etc.), die Flexibilität erfordern. Und die hat je nach Einschränkungsgrad nicht jeder – oder auch keine Lust darauf in wenigen wertvollen Urlaubstagen. Abgesehen davon ist bei vielen Reisenden mit Behinderung neben fehlendem Mut auch die finanzielle Situation ein Problem. 

Ihr habt schon viel von der Welt gesehen. Wo war es bisher am schönsten, und was für Traumziele habt ihr noch?

Am schönsten war bisher Südafrika, da stimmt wirklich der Werbespruch von der ganzen Welt in einem Land mit Kapstadt als toller Metropole, Wüste, Weinanbaugebieten, zwei Ozeanen. Aktuelle Traumziele sind Neuseeland und Kuba, da sind wir gerade am recherchieren.

Mats hummels interview in GalaMEN

Mats, Sie haben sich für uns ziemlich einsauen lassen. Vom Platz werden Sie das kennen. Und zu Hause?

Außerhalb des Spielfelds passiert mir so etwas eigentlich ziemlich selten.

Würden Sie sich denn als kreativen, als intuitiven Menschen bezeichnen, der sich auch mal spontan in eine Situation fallen lässt, selbst wenn er dabei dreckig wird?

Ja, schon. Als Verteidiger bin ich in Sachen Kreativität natürlich eher etwas eingeschränkt. Ansonsten experimentiere ich aber gern mit anderen Sportarten, und auch beim Kochen werde ich ziemlich kreativ. Neulich haben wir Fruchteis selber gemacht. Und ich habe versucht, eigenes Nutella herzustellen, nur gesünder. Ich wollte etwas kreieren, das schmeckt, aber weniger Zucker hat – und bin gnadenlos gescheitert. Es war nicht ansatzweise lecker.

Als Fußballprofi müssen Sie ständig irgendetwas dem Sport unterordnen. Sie sind jetzt 26, Ihr Leben haben Sie mit ganzer Hingabe dem Fußball gewidmet. Wie kreativ, wie frei werden Sie nach Ihrer aktiven Karriere überhaupt noch nach neuen Optionen suchen können?

Natürlich überlege ich auch jetzt schon ein bisschen, was ich tun könnte. Das sind aber nicht mehr als Spielereien. Es wird darauf ankommen, wie die nächsten Jahre im Fußball laufen. Eines kann ich jedoch ausschließen: dass ich in den kreativen Bereich wechsle wie Rudi Kargus.

Die Hamburger Torwart-Legende. Der Gute ist jetzt Maler.

Ja. Nichts für mich.

Weil Sie künstlerisch einfach unbegabt sind?

Absolut. Ich habe es in der Schule im Kunstunterricht als einziger geschafft, Dreien und Vieren zu schreiben.

Das ist wirklich schwer. Und singen können Sie auch nicht?

Doch, leidenschaftlich gern. Aber ich treffe die wenigsten Töne. Ich bin wohl auch sehr unmusikalisch.

Wie sieht es denn mit der Kunst auf dem Platz aus? Oliver Bierhoff hatte ja vor Kurzem angemahnt, achtgeben zu müssen, dass bei der wachsenden Relevanz von Spielsystemen die individuelle Kreativität auf der Strecke bleibt. Hat er recht? 

Hat er. Ich glaube, dass die Spielertypen der Zukunft eher gleichförmiger werden. Selbst in der Jugend wird ja Kreativität wenig gefördert. Das kriege ich durch meinen Vater mit, der sich den Jugendfußball in ganz Deutschland anschaut. Heute wird man auf allen Positionen schon sehr früh spezifiziert. Das habe ich erst mit 20 Jahren erfahren. Die kreativen Köpfe, wie man sie heute noch kennt – Messi, Ibrahimović , Reus – werden weniger.

Was den Fußball fürs Publikum nicht unbedingt attraktiver macht.

Naja, sie werden ja nicht gleich aussterben. Dafür haben die eine zu große Begeisterung für den Fußball. Ich persönlich mag solche unkonventionell spielenden Kollegen sehr. Leute, die es vermögen, plötzlich aus dem System auszubrechen und zu überraschen… 

Das sind dann genau die Momente, an die man sich auch nach Jahren noch erinnert, an den vorher einstudierten Spielzug – Konter über links, Pass in die Mitte, Tor – nicht. 

Auch ein Konter kann sehr schön sein. (lacht) Was sich aber meiner Meinung nach weiter verbessern wird, ist das athletische Element, die Dynamik. Da hat sich in den letzten Jahrzehnten schon unheimlich viel getan, und das wird noch weitergehen.

Wie das? Wollen Sie Androide spielen lassen? 

Das funktioniert mit rein menschlichen Mitteln. Ich glaube, der athletische Bereich ist im Fuß- ball noch nicht ausgereizt. Deshalb wird es auch nicht langweiliger werden. Hinzu kommt, dass sich ja offensive und defensive Spielideen – selbst wenn sie eingeübt sind – ständig abwechseln müssen, um langfristig erfolgreich zu sein. 

Wie könnte man Kreativität im Fußball lernen? 

Das geht nur übers Ausprobieren. Zuerst geht es darum, bestimmte Tricks und Finessen zu lernen, und dann darum, sie auch im richtigen Moment anzubringen, also genau herauszufinden, wann ich den No-Look-Pass oder einen Sicherheitspass spiele. Das ist Übung in jungen Jahren. Das kommt nicht erst mit 17 oder 18. Das entwickelt man schon deutlich früher. Und kein Trainer wird etwas dagegen haben, wenn man in einer Spielsituation plötzlich etwas von seiner individuellen Kreativität zeigt.

Wie sieht es denn für einen immer unter Beobachtung stehenden Topathleten und Markenbotschafter mit der Kreativität und der individuellen Freiheit jenseits des Platzes aus? 

So gesehen muss man viele Ideen zurückstecken. Verrücktheiten sind sicherlich nur noch begrenzt möglich. An die letzte erinnere ich mich noch gern. Das war vor ungefähr anderthalb Jahren in München. Da habe ich mit ein paar Freunden nachts im Englischen Garten gekickt. Zwei Stunden, bei fast kompletter Dunkelheit. Das ging, weil uns da niemand identifizieren konnte. Bei Tageslicht wäre das nicht möglich gewesen. Jeder, der älter als fünf ist, besitzt heute ein Handy mit Kamera.

Empfinden Sie solche Zwänge als Einschränkung? 

Ich habe nicht die Wahl. 

Was sind für Sie Situationen totaler Freiheit? 

Wenn ich unbeobachtet bin. Zu Hause oder im Urlaub mit meinen Jungs.

Was beobachten Sie selbst gern?

Ich beobachte Menschen gern, die etwas mit Freude tun, ohne irgendwelche Hemmungen zu haben. Wenn sich Menschen dem hingeben, auf das sie gerade Lust haben, eine gewisse Unbekümmertheit zeigen, das ist einfach nur schön. 

Wann haben Sie zuletzt so eine Schönheit empfunden? 

Wir haben zwei Hündinnen, die eine wiegt 25 Kilo, die andere anderthalb. Wenn die beiden miteinander spielen, das sind herzerwärmende Momente. Da kann ich eine halbe Stunde einfach nur zuschauen. In dieser Schönheit kann ich versinken