umfall

anonymous asked:

Weißt du Maddy, ich hoffe du bist noch immer die, die das macht was sie selbst zu 100% ist. Es zählt nicht immer alles dafür zu tun, um irgendwann mal ein Name da oben in den riesigen Charts zu sein. Ich meine, es wäre der falsche Weg immer weiter in Richtung Pop einzuschlagen, wobei man weiß, dass dies mehr Reichweite, Beliebtheit und auch Verkäufe bringt. Du weißt das doch alles am besten, ich hoffe nur du verstehst dies nicht falsch und nimmst das als Kritik auf.

Oh, was soll ich sagen. Es ärgert mich, dass ich, wo ich seit der Waldbrand EP gefühlt mehr denn je mache was zum Teufel ich machen will, mehr Menschen mir erzählen lasse “ich entferne mich von mir selbst” und ich “gebe mich für den Mainstream auf”, um ganz ehrlich zu ein, es ärgert mich so sehr. Ich müsste niemandes Nachrichten beantworten, man könnte sogar sagen besonders keine Nachrichten die kritisch sind, aber es ist mir so unglaublich wichtig; Diskussion und Kritik sind von solcher Relevanz. Es liegt mir so am Herzen, eine Beziehung zu den Menschen zu pflegen, die sich für mein Schaffen oder sogar für mich interessieren. Noch dazu kommt der Fakt, dass ich einen wahrscheinlich zu ausgeprägten Gerechtigkeitssinn habe und das Gefühl nicht abschalten kann, Dinge richtig und klar zu stellen. 


Ich war darauf vorbereitet, dass Kritiken solcher Natur kommen würden. Eben aufgrund des Sprachwechsels, “Alle machen ja jetzt Deutsch”. Aber genau deshalb war ich letzten Herbst ungelogen um so stolzer und glücklicher über die Waldbrand EP, die für mich ganz allein als Songschreiberin, ganz alleinstehend war. Intern war sich das ganze Team mehr oder minder insgeheim ohne es wirklich auszusprechen bewusst, dass die EP nicht wirklich Kommerz tauglich war, denn, das fängt allein mit der Soundwelt an, die wir uns aufgebaut haben. Der Sound ist das absolute Gegenteil der Deutschen Pop Szene, die sich in meinen Augen in den letzten 10 Jahren so gut wie Null verändert hat. Frauen im Pop gibt es nicht einmal eine gute Handvoll, und davon ist Namika sicherlich mit ihrem Genre eben die, mit dem “ausproduziertesten” Sound. Wer von allen Männern, sei es nun Andreas Bourani, Joris, Tim Benzko, Max Giesinger, Clueso oder sogar mein heißgeliebter Bosse, geht wirklich großartig ein paar Schritte vom Organischen Klang weg? Keiner. Deutsche FUNKTIONIERENDE Popmusik ist akustisch, sicher, warum auch was anderes machen, wenn’s doch funktioniert. Als Waldbrand rauskam, hab ich mir selbst wochenlang verboten auch nur irgendwelche Medien zu verfolgen. Ob das jetzt die Radio Airplay Charts waren, oder iTunes Rankings, oder Spotify Playlisten Platzierungen weil ich selbst, wenn ich auch früher wie heute mein größter Kritiker und Hobbypessimist bin, die fucking größten Erwartungen an mich selbst habe. Ich wusste dass die Radios Waldbrand nicht spielen würden, weil, nicht nur ist es nicht “gewohnt” deutsch-organischer-Pop, noch dazu ist es fucking destruktiv und düster und alles andere als Lebensbejahend. Und wenn wir ehrlich sind, die größten Deutschen Songs haben meist eine eingängige, simple, positive Grundaussage. Die ganze EP ist einfach mein Kopf, meine Ängste, mein Frust sogar und meine Beziehung zu meiner schlimmsten inneren Version von mir komprimiert in 5 Songs. Wenn auch Stadt im Hinterland eigentlich eher eine andere Facette aufmacht. Vom neuen Album kennt die Öffentlichkeit genau zwei Songs. Zwei. Von fünfzehn neuen Songs. Still ist weder mein Klangtechnischer Lieblingssong, noch ist er der indie-mäßigste Song auf dem Album. Ja, ich habe einen Song darüber geschrieben, wie 2016 das beschissenste Jahr überhaupt war und wollte eigentlich nur an meine Gefühlslage in der Waldbrand EP andocken und habe letztelendes einen Song erschaffen, der doch eine ungewohnt positive, UH HUPS RADIOTAUGLICHE Aussage HÄTTE, wenn man so will. In case you haven’t noticed, it still didn’t work. Warum? Tut mir Leid, dass ich diese Illusion zerstören muss, aber es ist bei Gott nicht automatisch einfacher “erfolgreich” zu sein, im Radio gespielt zu werden oder Teil des Massenkonsums zu werden, bloß weil man deutschsprachige Musik veröffentlicht. Großartigerweise spielen die meisten öffentlich rechtlichen oder generell große und wichtige Radiosender höchstens zwei deutsche Künstler pro Stunde. Und viel mehr Platz als für die üblichen Verdächtigen ist da nicht. Es gibt Wartelisten für die Warteliste um überhaupt in’s Abendprogramm aufgenommen zu werden. Warum jetzt noch eine Künstlerin spielen, die keine Top 30 Nummer hat, und stell dir vor, die Menschen finden deine Musik nicht in irgendwelchen Toplisten, wenn sie dich nicht vielleicht ein paar mal im Radio gehört haben, und das Radio spielt dich nicht wenn du nicht so und so da stehst und so und so stehst du nicht da weil die Menschen dich nicht im Radio hören und… ich hoffe du verstehst, was ich sagen will. Gift ist seit drei Tagen draußen und allein der SONGTITEL wäre ne glatte 6 wenn’s vom Musikuniversum Noten für Mainstream-werden-Planung gäbe. Ich will meine Songs nicht erklären, denn, ich möchte dass Menschen sich darin wiederfinden können und die Inhalte interpretieren können, wie es für sie Sinn ergibt. Ich schreibe, verdammt nochmal, heute wie damals heulend meine Songs, verewige Liebesdramen für immer und trage sie mit mir durch’s Land und bis auf dass ich keine 16, 17, 18 mehr bin und meine immertraurigen Liedchen auf der Gitarre klimpere, und inzwischen fast schon 22 bin und einfach… genau so Dinge hinter mir lasse, wie auch du, genau so Dinge für mich entdecke, wie auch du, genau so wie jeder andere Junge Mensch mich weiterentwickle je älter ich werde. Es macht ich so traurig, dass Menschen alles auf den Sprachwechsel herunterreduzieren, wo ich.. Oh mann. Mein Leben in diese Songs stecke, schlaflose Nächte im Studio, monatelange Arbeitsprozesse. Du kannst doch deiner Freundin zum Beispiel auch nicht vorwerfen “Du, sag mal, du hast dich aber verändert. Du bist nicht mehr wer du wirklich warst. Früher war deine Lieblingsfarbe lila, heute ist sie gelb. wtf happened?” oder als ich ein Teenager war, war ich der festen Überzeugung die Englische Sprache ist und wir immer mein Ding bleiben. Ich kann und will und werde nicht auf Deutsch schreiben. Und zack, irgendwann hast du schon den zwanzigsten Song auf Deutsch für andere Künstler geschrieben und huch… bist auf den Geschmack gekommen. Weil… Nicht alles muss stumpf sein. Nicht alles muss cheesy sein. Nicht alles muss akustisch und organisch sein. Und früher habe ich Pop Musik wortwörtlich gehasst, mir meine Rock und Folk Bands und Künstler wie Diamanten versucht zu bewahren vor der Mainstream Welt. Und heute liebe und brenne ich für Popmusik. Nichts geht über kluge Melodieführung und Backing Vocals und Synthies die dich auf die Füße reißen, machen, dass du dich fühlst als musst du tanzen. Jeder Mensch entwickelt sich doch weiter. Ich bin nicht weniger ich als auf freaking The Unknown, nur weil das das erste Album war, das ich rausgebracht und mich damit präsentiert habe. Soll doch Taylor Swift keinen Country machen und mit Max Martin die besten Hooks ausklügeln, sollen doch Paramore nicht mehr den genau gleichen Sound wie auf All We Know Is Falling und Riot! machen. Das ist das schöne an Musik und Kunst. Es. Gibt. Keine. Regeln. Und gehen wir doch gemeinsam einfach davon aus, dass auch DNA nicht das Nummer Eins Album Deutschlands wird, weil, who would’ve thought, ich ziehe mich immer noch nicht aus und schreibe immer noch keine Songs über’s geile Leben oder schreibe Zeilen die zu nem Fußballsong umgedichtet werden können. Wenn ich eines gelernt habe, dann ist es, dass Erfolg nicht planbar ist. Ich werde mir bis ich umfalle den Arsch abarbeiten, solange ich auch nur irgendwem das Gefühl geben kann, ihr Leid ist nicht ungeteiltes Leid, ihre Emotionen sind nicht absonderlich. Ich werde weiter ausprobieren und das tun was sich richtig anfühlt. Ich habe so hart an DNA gearbeitet und das nicht um Menschen glauben zu haben, ich mache Popmusik weil’s damit einfacher ist. Einen scheiß ist das einfacher. Aber es tut dem Herz gut. Ich bin ruhig. Danke für diese Nachricht. x