typisierung

Am Ende der Freiheit

Juli Zeh
[Juli Zeh => http://de.wikipedia.org/wiki/Juli_Zeh | am 27.10.13 auch zu Gast bei Günther Jauch im Ersten (http://programm.daserste.de/Pages/Meldungen/Detail.aspx?id=DC136124AD3AE5F2)]:

Ich ziehe noch mal ein eigenes Statement aus der Kommentarleiste nach oben, falls es jemand teilen will. Es war eine Reaktion auf den zutreffenden Hinweis von Klaus Schneider, dass das Problem der aktuellen Affäre nach wie vor in der systematischen Massenüberwachung besteht, weil die dort gesammelten Daten fusioniert werden und zu Typisierungen/Profiling jedes überwachten Bürgeres verwendet werden können.

Hier meine Ergänzung:

Es geht nicht nur um Typisierung, sondern vor allem um Prognose. Wir unterliegen einem sagenhaften Glauben an die Quantifizierbarkeit, mit anderen Worten: An die Vorhersagbarkeit der Zukunft (bzw zukünftigen Verhaltens) aufgrund von Datenauswertung. Die ultimative Bedrohung der Freiheit liegt in einem Ummünzen des Sicherheitsbegriffs von einer repressiven (= Verbrechen werden bestraft) in eine präventive (= Verbrechen werden verhindert) Idee. Das Gleiche ereignet sich im Gesundheitssektor (Krankheiten müssen nicht geheilt, sondern verhindert werden). Je mehr Daten die Illusion aufblähen, dass wir künftige Kriminalität oder künftige Krankheit (als die beiden wichtigsten menschlichen Störfälle) vorhersagen können, desto größer wird der Druck auf den Einzelnen werden - von der Notwendigkeit, bestimmte Verhaltensweisen zu unterlassen, bis hin zu Verhaftungen zur Verbrechensverhinderung. Das ist es, was wir uns DRINGEND klarmachen müssen, und was anscheinend niemand (kaum jemand) versteht.

Quelle: https://www.facebook.com/julizeh.autorin/posts/542716269154710