wie ich sterbe

ich atme aus
atme ein
aus
sterbe
hole luft
und werde geboren

ich bin
eine schaukel
jeder atemzug
ein auf und ab
auf mir ein
selbstverliebter künstler
der sein kunststück
in die länge zieht

aus angst
es könnte enden

ich schaukele
summe
und rühre
mit meinen zehen
gedankenlos und leicht
wie ein mädchen
im staub
des spielplatzes

wenn ich ganz still bin
klingt jeder atemzug
wie ein seufzen

ich
stutze
breche aus
aus der symmetrie
gerate ins schlingern
und bleibe
zu guter letzt
mit angehaltenem
atem
stehen

blinzele
und
vergesse
was ich war

als könnte ich
vergessen

ich weiß
jeder atemzug ist eine chance
zu feiern
solange wir beben
zu tanzen
solange wir jung sind und prall
zu schlucken und zu lieben
in freiheit und exzessivität
die sünde zu finden
im extrem
das leben zu spüren
und den tod
und die traurigkeit
so
zu vergessen

der ausblick ist
fulminant
doch meine kreise
werden kleiner

in der extase
habe ich übersehen
dass es zu ende geht
ein leben in deinem angesicht
und dem irrtum
dass du
der tod
nicht zum
leben gehörst

dass du
tot bist
und doch
tust

ich weiß
dich kümmert das nicht
du seufzt
und betrachtest mich
gelassen

ich atme ein
lausche und warte
wann es bricht
atme aus
sterbe
hole luft
und werde geboren
erschlaffe und
schaukele
mit jedem atemzug
hin und her
zitternd
leicht
in deinen
warmen
armen

als könnte ich fallen
an deiner hand
als könnte ich
vergessen

ich habe geraucht und getrunken
habe den tod verspottet
und mit jeder fremden
die ich liebte
geglaubt ich könnte ewig leben
solange ich nur den augenblick fühlte
solange ich nur atmete
und erkannte mich selbst nicht wieder
sah nicht wie ich alterte
flecken bekam
und brach

zu guter letzt

ich dachte
ich falle alleine in den tod
doch das ist nicht wahr
kann nicht wahr sein
da vom tod nur weiß
wer am leben ist

wer tot ist
ist
nicht
dem fehlen die worte

vom tod weiß nur
wer lebt

weiterschaukeln
bitte
schuck mich noch mal an

ich werde nicht alleine sein
nicht im leben
nicht im tod

auf meiner kleinen schaukel
nehme ich
zu guter letzt
abschied
von meinen lieben
nehme
deine hand
und seufze
voller wehmut
fürchte die
reaktion
der zuschauer
den schlussapplaus
und pendele
pendele aus
pendele
im rhytmus
meines atems
aus

atme ein
atme
aus
sterbe
hole luft
erschlaffe
und vergesse

vergesse
mich
und meine
lieben

behütet
und beschützt

und unter flieder

in deinen warmen
liebenden

armen

© prosa kleiner stunden