terschelling

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Terschelling, my love

(a.k.a. #nitfürkooche*)

Im Rheinland werden gerade die Karnevalszüge abgesagt oder doch zumindest eingeschränkt und auch hier auf der Fähre von Terschelling zurück Richtung Festland erinnert ein deutliches Rollen an Ruzica, den prächtigen kleinen Sturm, der gestern über die Insel gefegt ist. Der Stimmung an Bord tut das keinen Abbruch, das kleine Selbstbedienungs-Restaurant mit dem klassisch niederländischen Snack-Angebot (Friet, Bitterballen, Frikandel, Appeltaart met Slagroom) wird eifrig genutzt.

Mich dagegen umfängt eine leichte Wehmut. Vier grandiose Tage auf Terschelling liegen hinter mir. Noch viel zu wenig, um dieses westfriesische Schmuckstück umfassender zu erkunden, aber doch schon mehr als genug, um hier und jetzt mit dem akuten Trennungsschmerz eines nach einem romantischen Wochenende frisch in Liebe Entflammten am Tisch zu sitzen – schon jetzt erfüllt vom sehnsüchtigen Wunsch, möglichst schnell zurückzukehren. Zurück in dieses beeindruckend liebevoll gestaltete Kleinod von Ferienhaus mit seinem Prachstück von Herd. Zurück in diese wild-romantische Landschaft, mit ihrer Mischung aus Kiefernwäldern, Heidelandschaft, mit Strandhafer bewachsenen Dünen und ihrem imposant breiten, vor allem aber unendlich langen Strand. Zurück in diesem unglaublich harmonischen Farbklang von leuchtend grünen Moosen, hell türkis/grauen Flechten, sandfarbenem Strand, violett/brauner Heide und tief dunkelgrünen Kiefern. Terschelling im Winter, das ist eine herbe Schönheit – auf den ersten Blick karg, auf den zweiten dafür um so üppiger mit ihren Reizen.  

Und vielleicht schenken mir See und Sturm beim nächsten Besuch ja noch einmal solch einen Glücksfund, wie die kleine angeschwemmte “Traube” mit Muscheln auf dem SW-Foto oben. Ich würde mit ihnen auf der Glühplatte des Rayburn noch einmal ganz genau das gleiche machen. Nämlich:

Friesisches Strandgut, rheinische Art
(für einen glücklichen Finder)

10 große Miesmuscheln
1 Esslöffel Butter
50 gr. MIrepoix
1 Frühlingszwiebel
100 ml Weißwein
50 ml Wasser
Salz, Pfeffer

Die Muscheln vom Tau trennen, putzen und mehrmals gut in klarem Wasser spülen (oder aber mit dem Restsand leben). In einer kleinen Sauteuse einen Esslöffel Butter geben und darin eine knappe Hand voll Mirepoix und das Weiße der Frühlingszwiebeln andünsten.

Mit einem Glas säurebetontem Weißwein und etwas Wasser ablöschen. Salzen, mit etwas schwarzem Pfeffer aus der Mühle würzen (zusätzlich wäre auch etwas Safran denkbar, aber angesichts der absoluten Frische und des damit verbundenen reinen Aromas der Muscheln letztlich fast ablenkend) und zum Kochen bringen.

Dann Muscheln hinzugeben und je nach Größe 4 - 6 Minuten dämpfen, bis sich alle Muscheln geöffnet haben. Nochmals mit Pfeffer aus der Mühle würzen und mit dem Grünen der Frühlingszwiebel dekorieren.

Dazu frisch getoastetes (in diesem Falle: auf der Glühplatte des Rayburn) Weißbrot und Butter und den gleichen Wein, in dem auch die Muscheln gedünstet wurden.

* “nit vür kooche” = “nicht einmal, wenn es Kuchen gäbe”
Es ist nicht in Köln Lebenden nur sehr schwer zu vermitteln, wir sehr sich die Stadt zwischen dem Altweiber-Donnerstag und dem Veilchen-Dienstagabend im einem Ausnahmezustand befindet. Eine Art allumfassender kollektiver Taumel, unbarmherzig Aufmerksamkeit fordernd, einzig mit der Wahl, sich ihm widerstandslos zu ergeben oder aber eben zu fliehen. Indifferenz dagegen scheint unmöglich.

Um nicht falsch verstanden zu werden: im Gegensatz zum mit dem Hashtag zitierten Wolfgang Niedecken bin ich kein prinzipieller Gegner des Karnevals – aber ich sehe mich zu der Form von bedingungsloser Hingabe, die er in seiner Kölner Ausprägung meiner Meinung nach fordert, nicht in jedem Jahr in der Lage. Mein Mittel der Wahl in solchen Fällen: Flucht. Traditionellerweise in Richtung Holland. Nach Terschelling wird es nicht das letzte Mal gewesen sein, soviel scheint sicher.

1917 05 14 Leckie’s First - James Field

During a reconnaissance flight on 14th May 1917 Flight Commander Robert Leckie and his crew destroyed Zeppelin L22 near Terschelling in their RNAS Curtiss H12. Leckie was later credited with a second Zeppelin in August 1918 flying as gunner to Major Egbert Cadbury.