tankstell

Schlüsselloch (804)

VON JUTTA DOEINCK

Donnerstagabend, ein hagerer Mann geht in die westfälische Dorftankstelle. Langsam, unsicher, irgendwie tapsig. Seine rentnerfarbene Jacke trägt er offen. Sie wirkt, als wäre er herausgeschrumpft.

„Säule drei, bitte! Und ein Schlüsselloch.“ Die Tankstellenfrau ist verwirrt:
„Äh, Schlüsselloch?!“
„Ja, ‘n Schlüsselloch.“
„Senil“, sagt ihr Blick. Ihr Mund sagt: „Aber … also, Schlüssellöcher kann man nicht so kaufen.“
„Aber dat hattet ihr doch sonst auch!“
„Äh, nee. Sie sind hier in einer Tankstelle, wir verkaufen hier keine Schlüssellöcher!“
Er, vollkommen unbeirrt: „Doch, dat liegt doch da bei dir unter de Theke.“

Sie bückt sich, schaut unter die Theke. Nach einer kleinen Ewigkeit guckt sie hoch, noch immer irritiert, nun mit unverkennbarem Amüsement im Blick. In ihrer Hand: eine Tittenblättchen. Der Titel: Schlüsselloch. Sie legt das Heft auf die Theke, schön diskret zusammengeklappt.

„Dann sind’s 46,72.“

Er zahlt, steckt die Zeitschrift in die Jacke und geht. Langsam, unsicher, irgendwie tapsig.