suchtmittel

Junge Frau aus Dimbach mit Suchtmittel zum Gerichtstermin erschienen

Lediglich als Zeugin war eine 22-Jährige aus Dimbach am 13. Jänner 2016 zu einer Gerichtsverhandlung nach dem Suchtmittelgesetz beim Landesgericht Linz geladen. Beim Zugang zum Gerichtsgebäude wurde eine Personenkontrolle bei der Dame durchgeführt. Versteckt in einem Etui ihres Schlüsselbundes fa…

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Tag 282 / Der voyeuristische Blick auf Abhängige

Massenmedien können das besonders gut: sich zusammen mit den Rezipienten - der Öffentlichkeit - an Abstürzen, Exzessen, Rückfällen von suchtkranken Prominenten ergötzen.
Doch Otto-Normal-Suchtmittel-Konsumenten sind auch ohne Medien dazu in der Lage. Und Süchtige selbst bisweilen auch.
In meiner Langzeittherapiezeit bin ich mal eine längere Strecke, ca. 20 Minuten, mit einem Taxi gefahren. Wie es für diese Fortbewegungsvariante üblich ist, musste ich das Fahrtziel, also den Namen der Klinik, nennen.

Und damit ging der Vorhang auf für die Krankheits-Voyeurismus-Show.
“Was ist das denn für eine Klinik?”
“Sind da auch Rauschgiftsüchtige?”
“Wie viel haben Sie denn getrunken?”
“Und wie lange jetzt nicht?”
“Ach, dann haben Sie es ja geschafft, oder?”
“Was macht man da so lange in der Klinik?”
“Glücksspiel und Rauschgift ist bestimmt schlimmer.”
“Viele können mit Stress nicht umgehen und trinken dann.”

Ich widerspreche: “So einfach ist es nicht. Das liegt nicht nur am Stress. Wenn’s nur der Stress wäre, würden den alle mal eben reduzieren und wären nicht mehr suchtkrank. Aber da steckt viel mehr dahinter. Die Dauer des Klinikaufenthalts macht auf jeden Fall Sinn.”

“Meine Freundin sagt ja auch, ich trinke zu viel. Dabei sind ihre Leberwerte viel schlechter.”
Und dann erzählt der Taxifahrer, dass er die Ausdrucke der Blutwerte von sich und seiner Freundin in der Küche aufgehängt hat. Und immer, wenn sie ihm wieder sagt, er soll nicht so viel trinken, dann verweist er auf die Leberwerte, lacht und konsumiert weiter.
Und er berichtet auch von seinen Kumpels im Heimatland, die nach zwei Raki direkt besoffen sind. Dass die gar nicht richtig trinken können, sagt er. “Die vertragen ja nichts.”
Jedoch spende ich als abstinente Alkoholikerin keinen Applaus mehr für jemanden, der andere unter den Tisch trinkt. Die Phase, dass ich auf mich selbst wegen ähnlicher Handlungen stolz war, habe ich abgeschlossen.
“Toleranzentwicklung nennt man das”, werfe ich mein Suchtfachwissen in den vierrädrigen, rollenden Raum. Aber er versteht das so wenig wie ich das verstehen wollte. Toleranzentwicklung ist nichts Gutes, nichts Lobenswertes. Auch nicht für einen kräftig gebauten Mann. In multiplen Bereichen des gesellschaftlichen Miteinanders ist es essentiell, tolerant zu sein. In Bezug auf Alkohol ist Toleranz jedoch fatal. Sie ist ein Merkmal der fortschreitenden Abhängigkeit. Um nicht aus dem Taxi geschmissen zu werden, diagnostiziere ich diese dem Fahrer lieber nicht.

Ich hab dies Voyeuristisch-Exhibitionistische nicht nur an dem Tag mit dem Mann, sondern auch öfter, in anderen Kontexten mit den unterschiedlichsten Menschen erlebt, und vermutlich war ich vor der Krankheitseinsicht ähnlich gestrickt.
Unzählige Male, oft im Vollrausch oder beim schmerzhaften Ausnüchtern, habe ich diverse Seiten auf meinem internetfähigen Handy aufgerufen, um zu ermitteln, ob ich die Kriterien einer Alkoholabhängigkeit erfülle. (http://www.alkoholismus-hilfe.de/icd-10-alkohol.html)
Abklopfen im persönlichen Gespräch oder Abchecken im Weltweitenweb, ob man noch zu den nur übermäßig Trinkenden oder schon zu den abhängigen Kranken gehört: Auch ein Indiz für ein Fortschreiten der Konsumstörung.
“So krass wie Ulrike trinke ich noch lange nicht…”
“Ich trinke zwar täglich, aber die Filippa kommt ja sogar mit Fahne zur Arbeit…”
Der Beginn des Vergleichens ist das Ende des unbeschwerten Alkoholgenusses.
Dem Taxifahrer kann ich nur wünschen, dass er einen Teil der Energie, die er für den Versuch des Beweises seines unbedenklichen Konsums investiert, sowohl in die Beziehung zu seiner Freundin als auch in die Pflege seiner Gesundheit steckt. Ansonsten erinnert er sich vielleicht in zwei, drei Jahren an die Fahrt zu der Suchtklinik, wenn er selbst dort “einsitzt”.
Sogar gefilmt hat sich der Taxifahrer mal beim Saufen zu Hause, berichtete er mir, weil er wissen wollte wie er sich dabei verändert. Und da er nur lustiger wurde und mehr geredet hat, ist für ihn alles in Ordnung mit seinem Raki und seinen Bieren und überhaupt. Nur wenn er sich selbst aggressiv verhaltend auf dem Video gesehen hätte, wäre für ihn ein Anlass für eine Änderung des Konsumverhaltens gegeben.

Dabei macht der Mann auch nüchtern (zumindest wirkte er so auf mich) gute Witze: “Sie haben in der Therapie schon viel erreicht, wenn Ihnen inzwischen klar ist, dass man in Düsseldorf nicht wohnen kann”, sagt mir der Kölner beim Aushändigen der Taxiquittung.

Genussmittelkonsum in Deutschland / Aktuelle Infografik von lusini.de

Deutschland ist ein Land der Genießer. Kaffee, Tee, Wein, Bier und Süßigkeiten werden oft und gerne konsumiert. So trinkt jeder Deutsche pro Tag 2,5 Tassen Kaffee und isst 95 Tafeln Schokolade im Jahr, …. Viele aktuelle Daten und Fakten, sowie Infografiken rund um die beliebtesten Genussmittel in Deutschland hat lusini.de, der Online Marktplatz für Gastronomie- und Hotelleriebedarf zusammengestellt.

Genussmittel sind größtenteils auch Lebensmittel, bei denen aber nicht der Nährwert im Vordergrund steht, wie das bei Nahrungsmitteln der Fall ist, sondern der Geschmack und die anregende Wirkung. Dazu gehören Kaffee, Tee, Alkohol, Schokolade, Zucker und Gewürze. Eine genaue Abgrenzung ist schwierig, so werden z.B. Schokolade, Zucker und Honig sowohl als Genuss- wie auch als Nahrungsmittel eingestuft. Auch die Abgrenzung zwischen Genussmitteln und Suchtmitteln, wie bei Bier, Wein und Spirituosen, ist nicht eindeutig und von Kultur und Gesetzen abhängig. So hatte Bier neben Brot, in Deutschland bis vor kurzem den Status eines wichtigen Nahrungsmittels, verschiedene Spirituosen wurden als Heilmittel eingesetzt. Im Englischen werden Genussmittel als „luxury food“ bezeichnet, was auch auf die sozioökonomische Bedeutung hinweist, denn bis in die Neuzeit galten Genussmittel als Luxusgut.

Einen kleinen Überblick über die beliebtesten Genussmittel der Deutschen zeigt www.lusini.de, der Marktplatz für Gastronomie und Hotelleriebedarf mit der aktuellen Infografik „Gaumenfreuden des Alltags“, hier zum Download.

Favorisierte Genussmittel im Getränkebereich

Ganz oben in der Gunst der Deutschen steht der Kaffee. 149 Liter trinkt jeder Deutsche im Jahr, das sind rund 2,5 Tassen am Tag. Der Kaffeeverbrauch ist bis 1990 stetig gestiegen, bis zu einem Pro-Kopf-Verbrauch von 7,1 kg im Jahr. In den letzten Jahren hat er sich auf relativ hohem Niveau, bei 6.4 kg, eingependelt. Damit liegt Deutschland im europäischen Vergleich im oberen Drittel.

Junge Kaffeebarkonzepte und kleine Espressovollautomaten für zu Hause haben den Verbrauch von Espresso und Caffè Crema weiter steigen lassen, während Filterkaffee sinkende Tendenz aufweist. Besonders beliebt sind die italienischen Kaffeespezialitäten Cappuccino, Caffè Latte & Co.
Auch Tee gehört mit 74 Litern im Jahr zu den Lieblingsgetränken der Deutschen, wobei Früchte- und Kräutertees ganz klar vor schwarzem und grünem Tee rangieren.

Bier, nicht nur in Bayern als Nahrungsmittel bezeichnet, steht in der Beliebtheitsskala ebenfalls ganz oben. Der Konsum sinkt zwar seit Jahren kontinuierlich, liegt aber immer noch bei 107 Litern pro Kopf und Jahr. Die beliebteste Sorte ist das Pils, gefolgt von Export und Weizen.

Leicht steigend ist seit Jahren der Wein- und Schaumweinkonsum. Im Jahr 2011 trank jeder Deutsche rund 20 Liter Wein und 4 Liter Schaumwein. Damit liegt Deutschland in Europa hinter Frankreich und Italien an dritter Stelle. Besonders beliebt ist hierzulande Weißwein (51%), wobei Weine aus dem eigenen Land bevorzugt werden, gefolgt von Rotwein und Rosé. Bei Rotwein greift man schon mal gerne zu Tropfen aus Italien und Frankreich.

Im internationalen Vergleich ist Deutschland mit einer Rebfläche von 102.000 ha und einem Produktionsvolumen von 9.6 Millionen Hektoliter ein vergleichsweise kleiner Produzent. Trotzdem sind Weißweine aus Deutschland international anerkannt, besonders der deutsche Riesling genießt hohes Ansehen bei Weinkennern. Die beiden größten Weinbaugebiete Deutschlands, auch mit den größten Marktanteilen, sind Rheinhessen und die Pfalz.

Der Spirituosenverbrauch liegt in Deutschland bei 5.4 Liter pro Kopf und Jahr und damit im europäischen Mittelfeld. Besonders beliebt sind bei den Deutschen Liköre mit knapp 30 % Marktanteil, gefolgt von klaren Spirituosen, Rum und Wodka.

Eis und Schokolade für Schleckermäuler

Mit 9,5 kg Schokolade, das sind immerhin 95 Hundert-Gramm-Tafeln pro Jahr, gehört Deutschland weltweit zu den Ländern mit dem höchsten Pro-Kopf-Verbrauch. Viele kleine Hersteller, die auf feine Pralinen und Edelschokolade spezialisiert sind, verwöhnen den Gaumen der Deutschen und liefern ihre Kreationen auch ins Ausland. Beliebt bei Kindern, wie auch bei Erwachsenen ist Eis, das mit 7,6 Litern pro Kopf und Jahr zu Buche schlägt. Zwar sinkt der Konsum von Eis seit mehreren Jahren, es ist aber immer noch Genuss pur für den deutschen Konsumenten. Und trotz der vielen exotischen Geschmacksrichtungen und Trendsorten, sind die Klassiker Vanille, Schokolade, Erdbeere und Stracciatella nach wie vor die Favoriten.

Gewürze – Luxus und Handelsgut

Gewürze waren über Jahrhunderte Luxusgut und begehrte Handelsware. Heute sind Gewürze aus aller Welt nicht mehr aus der heimischen Küche wegzudenken. Entsprechend hoch ist der Gewürzverbrauch mit rund 200 Gramm pro Person, wobei Pfeffer mit 60 Gramm die Spitzenstellung einnimmt. Fast die doppelte Menge nimmt jeder noch zusätzlich durch gewürzte Produkte zu sich.

Alle Grafiken zum Thema Genussmittel stehen auf der Website von Lusini.de im Ratgeber zum Download bereit.


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Tag 122 / Wo bleibt die Anarchie?

Jeder Alkoholiker ist anders. Der eine hat nebenbei noch die oder die psychische Störung. Der eine muss Tabletten neben, der andere nicht. Der eine hat zusätzlich zum Alkohol noch andere Suchtmittel konsumiert. Der eine ist auch spielsüchtig. Der eine war Quartalssäufer, der andere Pegeltrinker und so weiter.

Gerade weil ich mich unter all diesen verschiedenen Menschen bei den Anonymen Alkoholikern so angenommen und willkommen gefühlt habe, gerade weil uns das gemeinsame Problem mit dem Alkohol eint, bedauere ich es sehr, wenn versucht wird, mich diktatorisch in “den einzig richtigen Abstinenzweg” zu drängen.

Manchmal geht die Anarchie bei AA unter. Mit Anarchie meine ich: Alles geht. Ob ich zu zehn Meetings pro Woche gehe oder nur in eins alle zwei Wochen - alles geht. Ob ich sprechen oder nur zuhören will. Ob ich nach dem Anfang komme und vor dem Ende gehe. Ob ich geschminkt oder ungeschminkt bin - … alles geht.
Manchmal geben manche Leute einem zu verstehen, dass nicht alles geht. Dass man den Weg der Trockenheit so gehen soll wie sie es sich wünschen.
Dann haben doch die ein Problem. Und nicht ich.
Heute spricht mich eine aufdringliche Möchtegernsponsorin an.
Sie bietet mir an, quasi die Mentorin für meine Trockenheit zu sein.

/ Sowas ist mit ziemlich viel Nähe verbunden. Regelmäßige Treffen und Telefonate. Gemeinsam in AA-Literatur lesen. Hausaufgaben machen. Die 12 Schritte zusammen durchgehen.

Ich will das nicht. Am Tag 10 hatte auch schon mal eine Frau sehr energisch auf mich eingeredet. Immer, wenn ich sie jetzt alle paar Wochen wiedersehe, fühle ich mich durch die Art wie sie mich begrüßt mit einer Nadel in die Hüfte gepiekt.
Und jetzt will da wieder eine Person Mutti, Therapeutin, Gott, Coach, Lehrerin, Guru, Notärztin, NummergegenKummer, Dirigentin und Diktatorin sein.

Im Vergleich zum Anfang meiner Trockenheit kann ich zum Glück jetzt klarer sagen, dass ich das (im Moment) nicht möchte. Das ist mir zu viel. Ich mache das mit meiner Abstinenz auf meine Art.
I do it my way.

Diese indoktrinierenden Leute finde ich gefährlich, auch wenn sie es “gut meinen”. Ihre Art ist verschreckend.

Eine gerade rückfällig gewordene Frau erzählte in dem Meeting, dass vor ein paar Tagen ihre Meinung kürzlich kommentiert wurde mit “Das sind die typischen Gedanken und Gefühle eines Alkoholikers.”
Tagelang hat sie diese Bewertung grübeln lassen.

Das ist doch Bullshit. Was weiß derjenige, der das zu der jungen Frau sagt, über ihr Leben? Sie hat eine Suchtkrankheit. Aber sie darf in jedem Stadium ihres Lebens eine eigene Meinung haben.
Ich finde, solche Leute machen AA kaputt, grenzen hilfesuchende Menschen aus, wenn sie sie auf ihren Alkoholismus reduzieren und individuelle Gedanken und Gefühle in die Alkoholismus-Schublade stecken. Wenn sich “Frischlinge” äußern, darf man nicht so agieren, finde ich.
Das nächste Mal trauen sich die “Neuen” nichts mehr zu sagen. Und dann rücken sie der Flasche wieder näher, weil die zuhört und nicht widerspricht.

“Bleib bei dir.” “Mach deine eigene Inventur. Nicht die des anderen.”
Das sind Sprüche, die ich bei AA gehört habe und gut finde.
Da haben die anderen etwas nicht verstanden.

Ok, im selben Moment, in dem ich dieses Urteil hier schreibe, bleibe ich auch nicht bei mir. Ich kommentiere die Kommentierenden.
Scheiße: Selbst in die Falle getappt.

Trotzdem bleibe ich bei meiner persönlichen Einschätzung:
Die Anonymen Alkoholiker sind kein Allheilmittel.
Und es ist für mich gut, dass ich meine Abstinenz nicht nur auf AA stütze, sondern mir Meinungen anderer (Professioneller) wichtig sind und ich meine für mich wirksamen Abstinenz-Tools entwickelt habe.
Gedankenklarheit und Abgrenzungsfähigkeit wachsen mit der Trockenheit.

Tag 68 / Fuck you!

Einfach mal die Fresse halten?
Könnt ihr nicht, ne?

“Fuck you! Ihr scheiß Arschlöcher!” fauche ich in den Spiegel auf der Toilette. Das AA-Meeting ist zuende, und ich bin geladen, am Überlaufen, kurz vorm Platzen und Durchdrehen.

Dass man nicht bewerten soll, findet ihr gut. Deshalb ruft ihr auch gleich in den Raum hinein wie gut ihr das findet. Kapiert ihr nicht, dass Gutfinden auch eine Bewertung ist? Eine positive.

“Ja”, “haha”, “genau”, “Das ist auch richtig so”, “Gut, sehr gut”.
Was sollen immer diese Zustimmungen? Und das Murmeln und Grunzen?

Wenn ich nicht gerade den Plan hätte, mindestens zwei Jahre am Stück keinen Alkohol zu trinken, dann würde ich jetzt etwas machen, was ich in den Jahren meines Trinkens nie gemacht habe:
Mich am helllichten Tage in eine Kneipe setzen und volllaufen lassen. Einfach, weil ich so viel Blödheit und Selbstüberschätzung nicht vertrage.
Darauf einen Magenbitter.

Und nach Meetingende geht das ja weiter. Kommt die auf mich zu, kommt der an, fragt dies, wünscht das.
Und es ist mir scheißegal, ob ihr es nur gut meint.
Wenn ich “gut gemeint” in die Internetsuchmaschine eintippe, dann stosse recht schnell auf den Spruch: “Das Gegenteil von gut ist nicht böse, sondern gut gemeint.”
Versteht ihr was ich meine?

Warum wirke ich auf alle so, als ob ich diese aufbauenden Worte brauche?

Irgendwer hat mal gesagt: “Die besten Therapeuten sitzen bei AA.”
Und den Schuh zieht sich wohl echt jeder von euch an und denkt, er kann seine Therapiemethode auf die anderen ergiessen. Und dann seid ihr auch noch im Glauben, ihr leistet etwas Gutes, weil ihr eure Erfahrung, Kraft und Hoffnung weitergebt.
Einen Scheiß gebt ihr weiter, wenn ihr mir dieses Crosstalken so aufdrückt.

Dass ich im Nebensatz “meine Suchtberaterin” erwähne, stachelt euch gleich an, in eurem darauffolgenden Redebeitrag zu sagen: “Ich brauche keine Saufberaterin.” Dann erntet ihr Lachen, Nicken, Zustimmung. Fuck you for your disrespect!

Spreche ich im Meeting offen darüber, dass mir die multiplen Regeln, Ratschläge, Hilfsangebote, Aufforderungen, Vorschläge zu viel sind, ist das auch wiederum ein Anlass, in der Pause, nach Ende des Meetings oder ein andermal am Telefon auf mich einzureden, was ich alles nicht muss und was das einzige wäre, was ich müsste.
Und dann kommt auch noch so eine emotionale Erpressungsnummer, dass sie mich ansprechen, auf mich eingehen würden, weil sie mich mögen.

Und soll ich mich deshalb dafür bedanken? Weil ich gemocht werde? Ich bin nicht bei AA, weil ich gemocht werden will, sondern weil ich trocken bleiben möchte.
Ich nutze ganz bewusst parallel professionelle Hilfsangebote: Suchtberatungsstelle, Ärtzin/nen, eine Psychologin. Obwohl ich mir ziemlich sicher bin, dass keine der genannten Professionellen ein Suchtproblem haben oder hatten, vertraue ich ihnen vollends und gebe tausend mal mehr auf deren Worte als auf eure penetrante egozentrische Besessenheit.

Vielleicht liegt es auch an mir. Vielleicht wirke ich ja wie ein Häufchen Elend in diesen Meetings. Wie eine Blume, die gegossen werden möchte. Ein kleines Mädchen, das auf den Arm will. Vielleicht wirke ich desorientiert und überfordert.
Ich bin es aber nicht. Ich komme klar mit der Abstinenz. Mein Leben ist alles andere als supergeil. Aber ich spüre, dass es besser wird.
Und ich bin einfach nur ehrlich. Natürlich fehlt mir die Orientierung in diesem Leben ohne Suchtmittel. So gefestigt wie ihr immer denkt, wirkt ihr jedoch auch gar nicht alle auf mich.
Wer sagt: “Mir geht es sehr, sehr gut” und dabei ein Gesicht zieht, als hätte man gerade auf eine schimmelige Zitrone gebissen, dem kauf ich da was nicht ab.

Fuck!

Und vergraulen lass ich mich trotzdem nicht. Ich werde weiter in Meetings gehen. Für mich. Für meine Abstinenz.

Tag 326 / Zu viel Alkohol in meinem Hirn

Manche aktive und passive Experten der Sucht sagen: “Der Rückfall fängt im Kopf an.”
Und ich bin sehr erschrocken momentan, wie präsent Alkohol plötzlich (wieder) in meinem Kopf ist. Mir scheint, als sei ich dem Alkohol ein Stückchen näher gerückt in letzter Zeit.

Ursachenforschung:
Definitiv habe ich seit Anfang des Jahres weit mehr Artikel über Rausch, Kater und Alkokolkonsum gelesen als in den vergangenen Monaten zusammen. Da kann ich zwar meinen, ich würde mich lediglich mit der medialen Darstellung meiner Krankheit Alkoholismus beschäftigen, doch vermutlich bin ich anfälliger für Glorifizierung, Verharmlosung und Liebkosung meines Suchtmittels als erwartet.
Gut möglich, dass ich besonders die in meinen Blog eingefügten Zitate der Trinkerin aus dem Zeitmagazin zu häufig Korrektur gelesen habe.

Für einen anderen Blogeintrag habe ich diverse Bilder von alkoholischen Getränken im Weltweitenweb gesucht. Und dann habe ich auch noch in beschäftigungstherapeutischer Fummelarbeit mit Hilfe eines Computerprogrammes selbsteditierte Warnhinweise draufgebastelt.
Minutenlang das blöde Becks vor meinen Augen, eine kleine Ewigkeit der widerliche Wodka auf meinem Bildschirm!
Wie selbstschädigend das vermutlich für mich als Alkoholkranke ist, spüre ich erst Wochen danach.
Das hat ja echt was Masochistisches! Und etwas sehr Naives: Als würde ich mit Fotos meiner Exfreunde digitale Collagen basteln und davon ausgehen, dass keine positive Erinnerung geweckt, dass kein Wundschmerz neu entfacht.

Seit Anfang Januar steht ein Bierkasten auf dem Balkon meines Nachbarn. Ich sehe diesen scheiß Bierkasten mehrmals täglich - immer, wenn ich rauche. Unsere Balkone sind nur durch eine etwa hüfthohe Minimauer getrennt. Ich könnte jederzeit problemlos rübergreifen. Hab ich ja auch schon früher, wenn seine Tomatenpflanzen auf meine Seite ragten und ich sie ihm zurück auf seine schieben wollte. Die Flaschen im Kasten sind inzwischen leer, aber er stellt eine prima Ablagefläche für all die darüberhinaus konsumierten Biere dar. Einen Meter von mir entfernt wächst ein Bierflaschenberg! Ich will da gar nicht hingucken. Aber dann vergesse ich mein Vorhaben und zack, hab ich wieder diese Flaschensammlung im Blick und somit im Hirn.
Das fühlt sich so an, als ob meine Wohnung nicht mehr suchtmittelfrei ist!

Vielleicht machen auch die Rückfallgeschichten in der Suchtberatungsgruppe mehr mit mir oder in eine falsche, ungesunde Richtung etwas mit mir. Vielleicht bin ich doch mittlerweile zu selten unter trockenen Alkoholikern. Zwar besuchte ich in der Rehazeit auch nicht öfter als zweimal wöchentlich AA-Meetings, aber ich befand mich sieben Tage die Woche in der Klinik unter Nichtkonsumenten. Diese Suchtmittelabwesenheit, keine Bierflaschen sehen, hatte was Erleichterndes, Erlösendes. Das war eine Teilwelt ohne Alkohol, das tat mir verdammt gut, merke ich jetzt!

Und dann schleichen sich heimtückisch Verhaltensweisen ein, die - nüchtern betrachtet - auch als bedenklich eingestuft werden können: Ich beobachte an mir in letzter Zeit, dass da kein bewusstes Weggucken mehr stattfindet, wenn in Serien, Filmen und Werbepausen getrunken wird!
Manchmal denk ich sogar: ‘Bald hast du das eine Jahr geschafft, dann nur noch ein Jahr, dann ist mein Abstinenzvertrag erfüllt, und dann kann ich wieder…’
Ja, diese chronisch schlechte Stimmung, das permanent schlechte Wetter und die endlos schlechten Nachrichten bringen meine Trockenheitszuversicht ab und an in Blitzlichtmomenten zum Schrumpfen.
Außerdem bedauere ich mich plötzlich in geistesabwesenden Augenblicken: 'Schade, dass ich nicht mehr trinken kann’, oder 'Hätt ich doch noch das oder das trinkend gemacht, bevor ich aufgehört hab’.

Reagiert dieses abstrakte Etwas, das Suchtgedächtnis genannt wird, tatsächlich auf Collagen basteln, Sauftexte lesen, Rückfallbeichten hören, indem es (das Suchtgedächtnis) getriggert ist, angefixt, heiß gemacht? Ruft das alles Erinnerungen wach?

Arschlochalkohol! Arschlochalkohol! Arschlochalkohol!
Assialkohol! Assi, assi, assi!

Achtung! Achtsam! Achtung! Achtsamkeit! ABSTINENZ! Alarm…!

Abhängigkeitssyndrom

Ein Abhängigkeitssyndrom äußert sich in Form von seelischen, kognitiven und körperlichen Störungen, die sich nach regelmäßiger Einnahme von psychotropen Substanzen entwickeln können.
Typisch für das Syndrom ist das unüberwindbare Verlangen das Suchtmittel erneut einzunehmen oder sich zuzuführen.
Des Weiteren kann der Abhängige den Konsum nicht kontrollieren und vernachlässigt seine Verpflichtungen.
Durch die Gewöhnung an das Suchtmittel kommt es im Laufe der Zeit zu einer Toleranzerhöhung, die zu einer Steigerung der Dosis führt, um den erwünschten Effekt zu erzielen.

Beim Abhängigkeitssyndrom können Entzugssymptome auftreten, die den Abhängigen jedoch nicht veranlassen mit dem Konsum aufzuhören.
Stattdessen wird das Suchtmittel weiter eingenommen.
Der Konsum der Droge wird dann nicht mehr wegen ihrer Wirksamkeit und den damit verbundenen positiven Gefühlen und dem Wohlbefinden konsumiert, sondern um Entzugssymptome zu vermeiden.
Die Droge ist längst zum Lebensmittelpunkt geworden und beherrscht Gedanken und Aktivitäten.

Zu den Substanzen, die zu einem Abhängigkeitssyndrom führen können, gehören Alkohol, Kokain, Tabak, Cannabis, Sedativa, Stimulanzien, Halluzinogene, Opioide und Lösungsmittel.

Hauptursache des Abhängigkeitssyndroms ist eine Verminderung des Hormons Dopamin.
Dopamin wirkt im Gehirn des Menschen wie ein Belohnungssystem.
Die Rezeptoren, die auf die Droge ansprechen, nehmen zu, dagegen das Dopamin ab.
Dadurch müssen größere Mengen der Droge konsumiert werden, um den gleichen Effekt zu erzielen.