stichen

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Am Sonntag, dem ersten Tag in Da Lat, haben wir eine sog. Secret Tour gemacht. Eigentlich sind wir ja strikt gegen organisierte Touren, aber diese war etwas ganz anderes.

Der Wecker klingelte um 6.30 Uhr. Ganz schön früh dafür dass wir beide seit zwei Nächten nicht mehr geschlafen haben. Ich wegen den Stichen und Lutz wegen meinen unruhigen Zuckungen aufgrund der Stiche 😜. I’m sorry Baby 😘.

Los ging’s um 8.30 Uhr mit dem Roller stadtauswärts. Insgesamt waren wir zwölf Personen. Sehr cool war, dass wir zufällig die Finnen aus dem Dschungelcamp wieder getroffen haben. Ansonsten war noch ein deutsches Pärchen, ein englisches Pärchen und zwei Kanadier dabei.

Der erste Stop war für uns eine Insektenfarm. Dort gab es einen kleinen Snack: Gegrillte Grille in Salz und Knoblauch. Schmeckten ein bisschen wie Chips…

Weiter ging es zu einem Markt in einem kleinen Dorf etwas außerhalb von Da Lat. Dort wurde quasi alles verkauft: Früchte, Gemüse, Fisch, Fleisch, Klamotten, Krimskrams. Es gab auch ein paar Stände mit Essen. Wir haben die unterschiedlichsten Sachen gekostet. Kleine Frühlingsrollen aus Reisnudeln, Sticky Rice, gefüllte Desserts mit Bohnenpaste usw.

Roth (so hieß bzw. heißt unser Guide) hat uns alles genauestens und viele Hintergrundinfos gegeben. Die Lebensmittel die auf dem Markt verkauft werden, werden jeden Morgen frisch angeliefert. Das Fleisch bspw. kommt von Tieren die erst am frühen Morgen geschlachtet wurden. Meistens wissen die Verkäufer wie viel sie an einem Tag benötigen, sodass nichts übrig bleibt. Und wenn doch dann wird es den Armen geschenkt. Morgens sind die Preise immer höher, am besten kann man nachmittags auf dem Markt einkaufen. Allerdings besteht dann die Gefahr, dass einige Sachen bereits nicht mehr vorrätig sind. Auf dem Markt sieht man fast nur Frauen einkaufen. Roth hat uns erklärt das liegt daran, dass Handeln bei Frauen normal ist, Männer die dies versuchen werden aber als “Ladyboy” bezeichnet. Deswegen ist einkaufen in Vietnam eher Frauensache. Handeln ist übrigens teilweise sehr verpönt und die Verkäufer reagieren beleidigt oder sauer. In Restaurants, … wird grundsätzlich nicht verhandelt, auf Touristenmärkten hingegen muss man ganz schön feilschen.

Die Menschen in Vietnam gehören zu 50% dem buddhistischen Glauben an. Weitere 30% dem Christentum, das kommt vor allem durch die Franzosen, 20% sind nicht gläubig. Allerdings sind Vietnamesen generell sehr abergläubisch. Wenn z.B. am ersten Tag eines Monats europäische Touristen in einem Hotel einchecken, glauben die Vietnamesen dass der Monat sehr gut laufen wird für das Geschäft.

Geburtstage werden in Vietnam nicht gefeiert, zumindest nicht auf dem Land. In größeren Städten wie Saigon schon. Dafür wird der Todestag eines Menschen sehr groß zelebriert, jedes Jahr die gesamte Familie eingeladen. Es wird lecker gegessen und an die Toten gedacht, indem Wünsche versendet werden. Dazu kann man überall auf den Märkten so eingeschweißte “Geschenke” aus Pappe kaufen. Diese werden dann verbrannt und so erreichen die Reichtümer den Verstorbenen im Himmel. Die Packungen beinhalten die unterschiedlichsten Gegenstände: ein iPhone, Flatscreen, DVD Player, Schuhe, Parfum, usw. Bei einer Beerdigung ist es ganz wichtig Dollarscheine mit ins Grab zu geben, damit der Tote in den Himmel gelangt. Die Dollarscheine dienen dazu, dass der Eintritt in den Himmel bezahlt werden kann. Wenn man das nicht macht, bleibt der Geist des Verstorbenen immer im Haus der Familie und treibt dort sein Unwesen.

Nach dem Marktbesuch ging unsere Reise weiter über die Elephant Waterfalls zu riesigen Kaffeeplantagen. Vietnam ist nämlich weltweit der zweitgrößte Kaffeeexporteur. Die Pflege der Plantagen ist sehr zeitaufwändig. Zweimal am Tag müssen die Bäume bewässert werden und die Bewässerung dauert je fünf Minuten. Ein Baum gibt ca. 3kg Kaffeebohnen her. “Robusta” heißt die Sorte, die hier angebaut wird. Diese ist im Gegensatz zu unseren deutschen Arabica-Bohnen zwar stärker, aber dennoch milder und hat einen nussigen Geschmack. Der typisch vietnamesische Kaffee wird mit Kondensmilch getrunken.

Als nächstes waren wir zum Lunch bei Roths Eltern, in dem Dorf in dem er aufgewachsen ist bis zu seinem elften Lebensjahr. Dann hatte er das Glück von einer wohlhabenden Familie aus Da Lat adoptiert zu werden, konnte so der Armut entfliehen und genoss eine sehr gute Ausbildung. Es gab Reisnudeln mit einer leckeren vietnamesichen Gurkenart und Tofu. Simpel, aber wirklich lecker! Das hat Roths Schwester für uns zubereitet. Sie ist buddhistische Nonne und arbeitet ehrenamtlich in einem Krankenhaus.

Nach dem Mittagessen sind wir in das Dorf gelaufen und haben die Bewohner getroffen. Das Leben dort ist sehr einfach. Am Anfang saßen wir mit 14 Personen in einer kleinen dunklen Holzhütte, die als Küche dient. Überall waren Spinnweben und die Wände schwarz vom Ruß. Nach und nach kamen immer mehr Frauen die neugierig auf uns Touristen waren. Später waren wir 20 Mann in der kleinen, höchstens 15qm kleinen Holzhütte. Wenn Roth Ihnen fragen gestellt hat, wurde es total laut und alle haben durcheinander geschrien. Roth ist der Einzige, der hier Führungen machen darf. Er ist auch der Einzige, der die Sprache der Dorfbewohner spricht. In Vietnam gibt es nämlich über 50 verschiedene Sprachen, die total unterschiedlich sind.

Mein persönliches Tageshighlight war eine Obstverkostung. Wir haben unterschiedliche Apfelsorten probiert: Potatoe apple, milk apple, yava apple, sugar apple. Dann u.a. Dragonfruit, eine Art Litschi und noch weitere Früchte deren Namen ich vergessen habe 😜. Nur mein Liebling, die Jackfruit war leider nicht dabei. Mangostane auch nicht, weil die nur im September Saison hat und dadurch generell sehr teuer ist.

Nach einer kleinen Einweisung in vietnamesische Sitten und Gesten sind wir wieder zurück nach Da Lat gefahren. Z.B. wissen wir nun, dass die vietnamesische Handbewegung für “Komm her” ganz anders ist als bei uns in Deutschland. Wenn wir jemanden heranwinken, bedeutet das für die Vietnamesen Ärger. Deren Heranwinken sieht für uns eher aus wie “Hau ab”. Schon ganz witzig was so kleine Unterschiede ausmachen…

Dort angekommen, sind wir auf direktem Weg in die Apotheke und ich hatte wahnsinniges Glück, dass die Frau, die gerade abschließen wollte uns noch reingelassen hat und zufällig auch noch Ärztin war. Dank Antihistaminen, Antibiotika und Cortisoncreme konnte ich endlich mal wieder eine Nacht schlafen 👏👏.

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Hinweis: Dieser Post ist bereits vor 14 Stunden entstanden, ich hatte nur bisher kein WLAN. Wir sind jetzt in Da Lat im Hotel und ich werde morgen vom Roadtrip berichten.

Es ist jetzt 05.45 Uhr und ich kann nicht schlafen. Im Übrigen hab ich die ganze Nacht nicht geschlafen und Lutz wahnsinnig gemacht. Was mir natürlich sehr leid tut aber ich konnte einfach nicht stillliegen weil ich mich die ganze Zeit kratzen musste. Bin übersäht mit Stichen. Überall am ganzen Körper und ich hab das Gefühl ich drehe bald durch.

Der Tag gestern war allerdings echt cool. Wir lagen morgens am Strand und sind mittags hoch zum Wasserfall. Nach einem ca. 2km Fußmarsch sind wir, zusammen mit den vier anderen deutschen Jungs, den Wasserfall hochgeklettert. Das war ne ganz schön coole Tour und hat mega Spaß gemacht. Auf dem Weg zurück zum Hotel kamen uns die Finnen entgegen und meinten sie wollten zum Wasserfall, springen. Nach unserer Anmerkung dass das definitiv nicht machbar sei wg. der Wassertiefe haben die uns gesagt dass es noch höher geht als wir eigentlich dachten es sei das Ende. Lutz und ich sind dann kurzerhand doch nochmal mit und somit zweimal hochgeklettert. Teilweise war das nur mit Teamarbeit machbar und kurz vor dem höchsten Punkt konnten Mila und ich nicht weiter weil wir zu klein waren und das auch mit hochziehen nicht geklappt hätte. Man musste schon ganz schön aufpassen wo man hintritt, damit man nicht die großen Steine runtersegelt. Lutz sagte nachher als die noch ein Stück höher sind, dass es zwei Stellen gab wo er auch schon ein mulmiges Gefühl gehabt hat. Der Ausblick von oben auf die Küste war natürlich atemberaubend und der oberer Wasserfall zwar klein aber schön. Mein Handy hatte ich leider nicht dabei, somit konnte ich mir nur ein paar Fotos von der ersten Tour schicken lassen. Von der zweiten Tour bekommen wir noch einige Bilder, das kann aber noch dauern. Die stelle ich dann nachträglich online.

Abends haben wir wieder alle zusammen gegessen, danach Tischtennisturniere veranstaltet (die Männer haben um Bier gespielt) und saßen am Lagerfeuer.

Heute morgen fahren Lutz und ich mit dem Motorrad nach Da Lat. Das sind ca. 200km und wir sind gespannt wie lange wir brauchen.