sprachkunst

I


Komm, wir brechen auf und brechen aus in die Natur, brechen aus, was uns bricht; die Tragik und das Nichts. Du bist so blendend schön. Oder ist das nur das Leuchten deiner Augen, wenn dein Blick mich streift? Egal, ich habe den Wein und du die Geschichten. Ich habe Narben und du Drogen. Ich habe Einsamkeit und du hast Liebe und zwei warme Hände, die meine kalten halten.


II


Existenz ist ein Glücksspiel. Wir haben auf nichts gesetzt und alles verloren. Die Realität kann uns nicht leiden und so platzte dir beim Sturz auf den Tiefpunkt der Kopf und mir brach das Herz. Bei Sonnenaufgang sitze ich neben dir auf dem Feld und denke: Solange unsere Küsse heilen, kriegt uns nichts kaputt.

Deine Liebe klebt kaugummisüß an meiner Schuhsohle. Mir ist schlecht. Ich hasse den ganzen Süßkram und bekomme nie genug davon. Auf jedes flüsternde “Ich liebe dich”, ein brüllendes “Sei leise”. Du bist warm und ich berühre dich mit eiskalten Händen. Du bist ein Waldbrand und ich bin Schnee im Hochsommer. Der Versuch dich zu löschen scheitert am Ende des Tages in geschmolzenen Küssen an deinem Hals. Ich liege in deinem Arm und zähle die Wunden auf deiner Haut.

Im Tanz verliert sich alles. Hinterfragen tun wir nichts mehr. Alles Unbekannte, alles Fremde. Halbmondaugen. Hungrig nach dir. Du nährst mich. Du näherst dich, deine Hand in meiner. Hunger. Dein Mund, die Sonne, auf meinem. Du betäubst und du heilst. Nicht die Trunkenheit, nicht die Tabletten. Du. Du. Du bist eine Fassade. Du bist ein unbekanntes Gesicht, für das ich verfiel, für das ich fiel. Ich bin dein. Dein. Dein Herz schlägt so schnell. Das sind die Drogen. Nur die Drogen. Zigarette nach Zigarette. Nach Minutenzufriedenheit, nach Sekundenschlaf, nach der Nacht übergibt sich der Tag, übergibt sich. Über uns. Du benutzt mich. Und ich. Ich dich.

La nauseé, n. - der Ekel

Er atmete Giftstoffe und verstellte die Stimme immer so, dass es gerade passte. Er lauschte Erzählungen, lächelte Lächeln, wenn sie angebracht waren, guckte manchmal entsetzt und manchmal weinte er sogar Krokodilstränen.


L’ecstasy, n. - die Ekstase

Der scharfe Winterwind schmerzte. Die Fingerspitzen, blassviolett und taub. Mit dem Schnee kamen auch das Sehnen und Fragmente und mit dem Schnee kam ich zurück.

—  sprachkunst