spinnenphobie

Spinne als seelischer "Leitfaden"

Was noch zu sagen wäre. Warum wir Spinnen so hassen und uns vor ihnen fürchten? Sind sie uns nicht irgendwie ähnlich? Spiegeln sie nicht auf rätselhafte Weise  Teile unseres Unbewussten wieder? Der Psychologe und Pionier der Psychoanalyse C.G. Jung sieht in ihr einen wichtigen Teil des archetypischen Seelenlebens und ein positives Traumsymbol. Sie ist Teil der großen „Inneren Mutter“ in uns. Die Spinne im „Keller unseres Unbewussten“ ist besser als die Taube auf dem „Dachstuhl unserer hysterischen Gedanken“.  C. G. Jungs Zauberlehrling Alfred Hitchcock hat im Film „Die Vögel“ die Gefahr meisterhaft auf die Leinwand gebannt. Wer im Traum im Keller Spinnen begegnet hat seinen seelischen Frieden gefunden. Wer im Dachstuhl – sprich seinem Kopf -  von Vögeln umflattert wird, sollte dringend zum Arzt gehen. „Spinner“ haben selten Unheil angerichtet. Die Gefahr geht eher von Leuten aus, die sich ganz auf ihren Kopf verlassen, Dinge die nicht in ihr „Denkschema“ passen „verdrängen“ und sich dann buchstäblich in Widersprüche “verstricken“, weil sie in ihrer Grandiosität wichtige Dinge übersehen haben.           

Allein wie viele Redensarten drehen sich um die Achtbeinigen Hausgenossen. Der Macher und Machtmensch, der wie eine Spinne im Netz hockt. Das World Wide Web. Die Angst von jemanden „eingewickelt“ zu werden. Wie bei uns Menschen so haben auch Spinnenweibchen die dickeren Hinterteile und veranlassen Männer sich rechtzeitig „abzuseilen“. Jemand „Spinnefeind“ sein, „ins Netz gehen“ und „ausgesaugt“ werden sind nur einige Tribute, die man den Tieren zuordnen kann. Auch Sadomaso-Freunde kommen auf ihre Kosten. Der „Fesselsex“ ist eine Erfindung unserer achtbeinigen Artgenossen. Ebenso wie „Balztänze“ und „Brautgeschenke“. Da die kleinen Kerle, diese Dinge vermutlich seit dem Paläozoikum – also noch weit vor den Vögeln - praktizieren gebührt ihnen auf jeden Fall das Copyright nebst dem Patent für das stabilste Material dieser Welt: Spinnseide.

Seit je haben Spinnen die Fantasie der Künstler und Schriftsteller angeregt. Odilon Redon und Alfred Kubin haben ihr ganze Zyklen gewidmet. Jeremias Gotthelf schuf mit seinem Roman „Die schwarze Spinne“ ein Stück Weltliteratur. Ungezählt die Horrorfilme, die sich um mutierte Monsterspinnen drehen und Arachnophobische Ängste ins unermessliche steigern und damit Hitchcocks Vögel konterkarieren.      

HÄNGT DIE SCHWARZE WITWE

BALD HINTERM HEIZUNGSROHR? 

Aber vielleicht sehnen wir uns in unserer postdemokratischen Dekadenz ja nach Gefahr und Untergang. Die Klimaerwärmung hat jedenfalls bereits dazu geführt, dass sich Mücken und Insektenarten und andere Einwanderer aus wärmeren Gefilden bei uns ausbreiten. Vielleicht trauern wir eines Tages wehmütig unserer hässlichen aber harmlosen Tegenaria nach, wenn stattdessen hinterm Klo eine „Falsche Witwe“ hängt – wie in einer Schule in England - und sich von einer Biobanane aus dem Supermarkt eine ganze Kolonie giftiger Bananen- Babyspinnen abseilt und unser Haus erobert… (Dann muss ein Kammerjäger kommen und das gesamte Haus mit Gift einnebeln!- Teurer Spaß nebst Hotelübernachtungen)

Dass so etwas bereits nördlich von uns in England passiert ist, sollte uns als Warnung dienen.              

Kleiner Trost. In anderen Kontinenten leben die Menschen schon lange mit Giftspinnen. Wer das „Word-Wide Web“ und die Globalisierung will, muss vielleicht auch eines Tages mit der gemeingefährlichen Australischen Trichternetzspinne leben, inklusive mit den durch geknallten Typen die, um Angst und Schrecken zu erzeugen solche Monster gezielt züchten und dann aussetzen…       

Watch on giuliasiegel.tumblr.com

Seit 5 Minuten steh ich vor meiner Garage und habe Gänsehaut bei dem Gedanken meinen Achlüssel da reinstecken zu müssen 😂😂😂… Ich glaube meine #hypnosetherapie zur #spinnenphobie hat gerade versagt ….. Fassunglos 😡😡😡😡

2

Tegenariamännchen sind standfeste und ausdauernde Liebhaber. Weibchen lieben intensiven Körperkontakt. Kreuzspinnen dagegen sind prüde und nur gefräßig. (Manchmal geht ihnen sogar ein “Goldkäfer” ins Netz.) Deshalb bevorzugen Kreuzspinnenmännchen einen Quickie am seidenen Faden. Manche Spinnenmännchen bringen auch Geschenke mit um die Dame bei Laune zu halten. Wieder eine Eigenschaft, die uns mit den Achtbeinern verbindet.   

HAUSSPINNEN SIND “ARME SCHWEINE”

Nicht alle behaarten Wesen auf dieser Welt (einschließlich Männer) sind Kuscheltiere, vor allem wenn man sie unverhofft im Keller oder Klo antrifft und sie einem ungefragt über die Füße laufen. Besonders Hausspinnenmännchen – wissenschaftlicher Name Tegenaria Atrica – sind wahre Überraschungskünstler mit einer Vorliebe für achtlos herumliegende Hemden oder Bettkanten von denen sie blitzartig verschwinden, sobald man sie geortet hat. Aber wohin??? So mache Jagd nach einem verschwundenen Tegenaria- Männchen kommt einer Inventur gleich, denn es gibt tausend Möglichkeiten wo es sein könnte. Unterm Bett? Hinterm  Bücher-Schrank? Zwischen der Heizung? In den Falten der Gardine? Oder schon gar nicht mehr im Zimmer? Bis Mitte des letzten Jahrhunderts galt die Tegenaria mit mehr als 50 Zentimeter pro Sekunde (Knapp 2KM/h).  als die schnellste Spinne der Welt, also schneller als Lauf und Springspinnen wie Taranteln oder Vogelspinnen. Sie, oder besser er  ist ein wahrer Sprinter. Allerdings geht ihm nach 10 Metern die Puste aus und er verharrt in einer Art Schockstarre. Das ist dann die Chance für chronische Arachnophobiker beherzt zum Staubsauger zu greifen… oder man besinnt sich eines besseren und betreibt Artenschutz in den eigenen vier Wänden, mehr noch man wandelt sich vom Spinnenhasser zum Spinnenfreund, lernt die Tierchen näher kennen, betreibt Feldforschungen und stellt dann verblüfft fest, dass sie sich gar nicht so sehr von uns Menschen unterscheiden. Dass arme Tegenaria-Männchen, dass sich in meinen Ärmel verkrochen hatte litt wahrscheinlich an Depressionen, denn es hatte auf der Suche nach einer Partnerin den kürzeren gezogen und irrte nun ziellose umher.

STUNDENLANGE “KUSCHELORGIE”

Erfolgreiche Männchen – meist ziemlich große, denn Kümmerlinge kommen nicht zum Zug oder landen auf der Speisekarte der Angebeteten -  leben oft Wochen lang zusammen mit dem Weibchen in trauter Zweisamkeit und betreiben Stundenlangen „Kamasutrasex“. Da gucken dann 16 Beine aus der Wohnröhre heraus. Eine wahre Orgie! Für ähnliche Aktionen bräuchte unsereiner acht Paare. Zwischen den Kopulationen liegen die Tiere erschöpft nebeneinander und halten Händchen. Ist das nicht romantisch? Clevere Männchen gehen mit den Weibchen so eine Art „Kinderehe“ ein. Sie suchen sich ein kleines Weibchen, das noch nicht geschlechtsreif ist und teilen mit ihr das Netz. So gewöhnt sich das Weibchen an das Männchen und sieht in dem dominanteren Partner nicht gleich ein Beutetier. Ist das Weibchen groß genug geht’s zur Sache. Auf diese Weise können die „Beziehungen“ recht lange dauern. Ähnliches soll es ja Gerüchte halber auch bei einigen Kulturen der Spezies Mensch geben.

BEEINDRUCKENDE GRÖSSEN

Das größte Tegenariaweibchen, das ich je zu Gesicht bekam lebte als Untermieter in einem Ferienhaus  in den Pyrenäen. Es hatte zwischen einer alten Bottichwaschmaschine und der Kellermauer ein 70 mal 80 Zentimeter großes fast quadratisches Netz gesponnen. Allein die Öffnung zur Wohnröhre war gigantisch. Um das Tier herauszulocken warf ich eine Stubenfliege hinein. Als das Tier herausschnellte stockte mir fast der Atem. Allein der Körper maß 2,2 Zentimeter. Mit Beinen war das Exemplar gut sieben Zentimeter groß. Das Netz schwankte regelrecht unter ihrem Gewicht. Da das Haus von einem anthroposophisch orientierten Deutschen Aussteigerpaar (die auf Grund ihrer Herkunft nie einen festen Job bekamen!) betreut wurde war der Tegenaria-Dame ein langes Leben beschieden. Einheimische Franzosen machen mit „Ungeziefer“ einschließlich Schlangen, Skorpionen und Maulwürfen schnell kurzen Prozess. Davon konnte ich mich all zu oft persönlich überzeugen. Umgekehrt landet alles was irgendwie essbar ist – Singvögel, Weinbergschnecken, Frösche… - sofort im Kochtopf.

“GLEICH GIBT´S FUTTER!" 

Ich hab die Tegenaria „Kuschelspinne“ getauft und einigen sogar Namen gegeben. Weibchen sind im Gegensatz zu den nach  Sex-Abenteuer suchenden Männchen ziemlich  standorttreu und können in Gefangenschaft und bei guter Pflege bis zu fünf Jahre alt werden. Wie sie den Winter in der "Freien Wildbahn” ohne viel Nahrung überleben können ist mir bis heute ein Rätsel, ebenso findet man selten Spuren von Beutetiere in den Nestern.  Dass sie schlecht sehen können ist ein wissenschaftliches Ammenmärchen. Tiere die sich aus ihren Wohnhöhlen heraustrauen, verschwinden sofort wieder, sobald man sich dem Nest weniger als eineinhalb Meter nähert. Das entspricht auf menschliche Sichtverhältnisse übertragen 200 Meter. (Also ich kenne Zeitgenossen, sprich Autofahrer, die bereits auf 100 Meter nicht mehr viel sehen! Zuzüglich der Nachtblinden und den Promille-Drivern)

In einigen Fällen ist es mir gelungen, so eine Art „Vertrauensverhältnis“ zu den Tegenarias aufzubauen. So etwas gelingt bei fast allen Tieren – sogar bei Libellenlarven – durch regelmäßige Fütterung.

Das Ergebnis: Sobald ich mich dem Netz näherte kam das Tier halb heraus, um die Beute in Empfang zu nehmen. In Spinnensprache ausgedrückt. „Der Riese mit Bart bedeutet Futter“. Umgekehrt habe ich allerdings auch schon Spinnen erlebt, die so misstrauisch und ängstlich waren, dass sie das Beutetier in meiner Anwesenheit lieber entkommen ließen. Auch beim Speiseplan erlebte ich Überraschungen. Kellerasseln waren nicht jeder Spinnen Geschmack. Wozu die Hausspinne überhaupt ein Netz braucht ist mir schleierhaft, denn eigentlich ist die Tegenaria eine Kombi-Spinne aus Jagd und Netzspinne. Die Fäden dienen lediglich als Stolperfallen und Alarmdrähte. Zum Festhalten der Beute sind sie nicht geeignet. Fast jedes Insekt hat eine Chance daraus zu flüchten. Umgekehrt habe ich schon erlebt, dass Insekten, die es geschafft hatten den Fäden zu entkommen noch zehn Zentimeter entfernt von der Mauer gerissen wurden. Sogar eine Wespe. Auch eine recht wehrhafte große Kreuzspinne, die auf der Suche nach einem neuen Standort an der Höhle einer Tegenaria vorbei kroch wurde partisanenartig aus dem Hinterhalt überfallen tot gebissen und lag dann wie eine Trophäe aufgebahrt auf der Fensterbank, weil die Wohnröhre am Fensterrahmen viel zu eng für das Festmahl war.