sperrzone

7

Hello Wumbels!
Heute gibt’s ein paar Bilder von unserem Hotel in Tschernobyl.

Untergebracht waren wir in einer typischen Arbeiterunterkunft. Leute, die in der Zone arbeiten, sind immer jeweils 14 Tage dort und anschliessend 14 Tage ausserhalb, um die Strahlenbelastung gering zu halten. Diese Regelung ist zufälligerweise auch sehr gut geeignet, um mit Buchhalter-Tricks der Unterbeschäftigung in der Ukraine entgegenzuwirken (Wenn sich jede Person nur die Hälfte des Monats in der Zone aufhält, müssen in der Summe mehr Leute beschäftigt werden). Arbeiter, die normalerweise in Kiev oder Slavutych leben, kommen während dieser 14 Tage in einem der verlassenen und umfunktionierten Häuser von Tschernobyl unter.

Die Ausstattung des “Hotels” ist bescheiden: Es gibt warmes Wasser, und Frühstück in der Kantine gegenüber, aber die Qualität des Badezimmers, der Betten, des Bads und des Essens kann verwöhnte Westler, wie uns, leicht vor den Kopf schlafen. Tatsächlich ist es so, dass wir dort deutlich besser aßen, als normale Arbeiter, aber vermutlich würden die meisten Deutschen es trotzdem “nicht so lecker” finden. ;-)
Das Bad mit seinem 27 Jahre alten fotogenen Charme täuscht leicht über Mängel hinweg, die sich dem blossen Auge offenbaren - insbesondere eine Dusche zu nehmen kann zum heiterem Spritzspass werden, und die Betten, deren durchgelegenen Matratzen aus den späten 80er Jahren mit dünnen Auflagen verstärkt wurden, überraschen mit Gefühlsechtheit, wie sie ansonsten nur für Condome versprochen wird (“Sie spüren JEDE Noppe!”).

Natürlich können wir uns mit allen Mängeln arrangieren - schliesslich sind wir nicht zur körperlichen Erholung hier, und auf meinen Reisen durch Australien oder Neuseeland habe ich schon an unangenehmeren Orten geschlafen, aber die Bedingungen in der Zone für die Arbeiter am eigenen Leib zu erleben, erhöht die Wertschätzung für ihre Arbeit und das Leben in der Sperrzone.

Unsere Abende verbrachten wir jeweils in unseren Zimmern oder im Gemeinschaftsraum, der in traditionell russischer Weise eingerichtet ist und mangels Fernsehen und Internet Thomas und Gerrit zu einer spontan-künstlerischen Darbietung der alten russischen Sage von Graf Graphit inspirierte.

Ihr glaubt nicht, wie sehr ich das Netz vermisst habe ;-)

Bald gibts noch mehr Bilder aus der Zone.