sozialer

Sie steht auf. Eigentlich will sie liegen bleiben und weiterschlafen. Doch das geht nicht. Denn sie hat viel zu tun. Sie will nicht, aber sie muss. Sie hat keine Kraft mehr und will aufgeben, aber sie muss anderen versprechen am Leben zu bleiben, obwohl sie selbst am liebsten gehen würde. Das ist nicht fair. Sie muss sich tagein, tagaus konzentrieren, aber das geht nicht mal für eine Stunde. Wie soll das gehen? Sie fragt sich, ob sie das schafft. Und wie. Sie ist labil. Könnte sich dauernd verletzen, hat oft Selbstmordgedanken. Dissoziationen. Flashbacks. Erinnerungen die hochkommen, an die sie nicht denken will. Sie ist labil, doch man denkt es geht ihr gut. Die Fassade ist zerbrochen, in tausend Scherben. Sie kann sie nur schwer aufrecht erhalten. Sie hat keine Kraft mehr. Sie will aufgeben, aber dadurch würde sie Personen verletzen. Sie könnte die ganze Zeit heulen, aber sie tut es nicht. Gefühle sind nie unter Kontrolle. Nichts ist unter Kontrolle. Sie hasst sich selbst und kann sich nicht leiden. Sie hat Narben und Wunden die nie weggehen werden. Sie ist niemand. Sie ist Ich.
Es war noch nie so schlimm, ich merke das jetzt mein Ende naht. Es tut mir so Leid, aber ich kann nicht mehr stark sein, ich kann die Fassade nichtmal mehr aufrecht erhalten. Ich halt das nicht mehr aus. - Niemand merkt es, niemanden interessiert es. Ich trage diesen Schmerz schon länger als die Hälfte meines Lebens, solange lebe ich in einem schwarzen Loch. Solange falle ich schon ins unendliche nichts, niemand der mich hält. Ich bin vollkommen zerstört. Meine komplette Kraft ist aufgebraucht. Ich weiß nicht wie ich überhaupt die nächste Stunde überleben soll. Ich muss hier weg, einfach abhauen, das wärs. Oder sterben. Glaube ich. Ich weiß nicht was ich will, geschweige denn wer ich bin. Ich bestehe einfach nur aus Schmerz. Das schlimmste an der ganzen Sache ist, das selbst wenn jemand mir helfen würde, man mir nicht mehr helfen kann. Jede Rettung würde zu spät kommen, ich bin verloren. Wenn ich tot bin dann lest meinen Tumblr, das ist sowas wie ein Abschiedsbrief und gleichzeitig ein riesengroßer Hilfeschrei den niemand hört, dann wisst ihr ansatzweise was ich durchmachen musste. Es tut mir so Leid, ich bin halt eine Versagerin.
Ich definiere mich viel zu sehr über das, was andere Leute von mir denken. Ich kann es nie abstellen und es ist mir verdammt nicht egal! Es ist mir auch nicht egal, was fremde Leute auf der Straße denken, wenn sie mich sehen, auch wenn ich weiß, dass es sie nicht interessiert. Es ist so verdammt anstrengend sich über jede Kleinigkeit Gedanken machen zu müssen und jeden Tag erneut in Panik zu verfallen. Jeden Tag sich den Kopf zerbrechen zu müssen, wie man handeln soll, was man anzieht, ob und was man jetzt sagen soll, ob man sich wirklich raus trauen soll.
Es wird von uns als Schüler erwartet, immer 1000% zu geben. In der Schule habe ich das Gefühl, wie ein Roboter funktionieren zu müssen und immer mehr daran zu scheitern. Der Druck in der Schule ist für mich so stark, dass ich immer mehr das Gefühl bekomme, in meinem Leben nichts erreichen zu können. Ich bin in der 13. Klasse berufliches Gymnasium Pädagogik/Psychologie und habe vor 2 Jahren meinen erweiterten Sekundarabschluss I gemacht. Das verlief für mich noch relativ Problemlos und ich habe mich bereits schlecht gefühlt, wenn ich eine 4 geschrieben habe. Aber seit ich auf dem Gymnasium bin und wir keine Noten, sondern Notenpunkte haben, fühle ich mich schlecht wenn ich 07 Punkte (Note 3-) in einer Klausur habe und ein Unterkurs (alles schlechter als 4) ist für mich ein Weltuntergang. Und leider muss ich dazu sagen, dass ich momentan ziemlich viele schlechte Noten bekomme. Ich glaube nicht das es daran liegt, dass ich zu dumm dazu bin oder es nicht schaffen könnte, sondern eher, dass ich dem Druck nicht standhalten kann und mir sowohl bewusst als auch unbewusst einrede, dass ich die Klausur verhaue.
Ich möchte wirklich gerne ein gutes Abitur machen und danach studieren können, aber wie soll ich das schaffen, wenn ich Angst haben muss, keinen Studienplatz aufgrund des Numerus Clausus zu bekommen? Der Leistungsdruck kommt von allen Seiten: Familie, Schule, Ausbildung/Studium, Freundeskreis, soziale Medien etc. und ist für die meisten Schüler erdrückend. Ich lese immer wieder im Internet, wie viele Schüler Zukunftsängste haben und dabei geht es nicht darum, ob sie begründet oder unbegründet sind. Falls ein Schüler weint, weil er/sie eine 2 in einer Klausur geschrieben hat und das persönlich als schlecht empfindet, ist das für viele unverständlich - ich verstehe das. Wir haben alle unser eigenes Empfinden was gut und was schlecht ist.
Wir hören von unseren Eltern doch oft die gleichen Sätze „das haben wir früher auch gemusst“, „die Jugend heutzutage ist überhaupt nicht mehr belastbar“ usw. allerdings bedenken unsere Eltern dabei nicht, dass unsere Generation ganz anderen Einflüssen und Belastungen ausgesetzt ist. Viele Kinder und Jugendliche leiden seelisch unter diesem Druck und es wird vom Umfeld nicht oder erst spät wahrgenommen. Unser Leben ist gezeichnet von Zeitdruck. Die Hausaufgaben müssen zu einem bestimmten Tag fertig sein, dann muss noch das ein oder andere Referat vorbereitet werden, dann wird noch in irgendeinem Fach ein Test geschrieben und möglicherweise folgt noch irgendwo eine Klausur. Unsere sozialen Kontakte sollen nicht zu kurz kommen, wir wollen unsere Freunde treffen und mal was unternehmen, wir wollen in der Gesellschaft akzeptiert werden und es gibt so viele verschiedene Medien, die wir ausprobieren möchten. Aber wann haben wir eigentlich zuletzt bei Oma und Opa angerufen? Ich möchte damit sagen, dass unser Gehirn so auf diese Medien eingestellt ist, dass wir eine Menge vergessen, hinten anstellen und nur das als wichtig empfinden, was direkt vor uns liegt.
Aber nun möchte ich noch mal zurück zum Thema Schule kommen. Heute in der Pause hat einer meiner Lehrer gesagt: „Wenn ich einer Klasse einen Text gebe, der bis zur nächsten Unterrichtsstunde gelesen werden soll, lesen den 8-9 Schüler nicht. Wenn ich zehn Lehrern einen Text gebe und nach drei Tagen frage, wer den Text gelesen hat, haben ihn 8-9 Lehrer nicht gelesen“. Anschließend habe ich mir Gedanken darüber gemacht, wie Lehrer von uns erwarten können, dass wir immer alles bis zu einem bestimmten Datum schaffen, aber die Lehrer es selbst nicht schaffen, weil sie ja „zu viel zu tun hätten“. Ich denke wir kennen doch alle diese Lehrer, die eine Klausur nach 6-8 Wochen zurück geben, die sich um etwas kümmern wollen, es dann aber vergessen haben oder zum Unterricht grundsätzlich 5 Minuten zu spät kommen (dies ist natürlich individuell zu betrachten, spiegelt meine Erfahrung wieder und bezieht sich nicht grundsätzlich auf alle Lehrer). Lehrer bemerken selbst, dass es Umstände gibt, weswegen nicht immer alles gut läuft. Aber als Schüler zählt das nicht, als Schüler zählt die Leistung und wenn man die nicht erbringt, bekommt man schlechte Noten. Wenn man Hausaufgaben vergisst, bekommt man einen „Strich“ oder muss nachsitzen. Und es wundert mich nicht, dass viele Schüler an dem Schulsystem scheitern, wenn die Lehrer nicht mit bestem Beispiel voran gehen können.
Ich denke es gibt viele Menschen die wissen wovon ich rede und sich auch manchmal so fühlen. Ich wollte das gerne einmal los werden und vielleicht geht es dem ein oder anderen ähnlich und ihr wisst jetzt, dass ihr damit nicht alleine seid.
Für jeden von uns gibt es einen Platz auf dieser Erde, wir müssen es nur irgendwie schaffen, diesen Platz auch zu finden.
—  bordsteinpoesie
Keiner versteht wirklich, wie viel Leidensdruck hinter einer sozialen Phobie steckt. Es bedeutet nicht immer, dass man ein graues Mäuschen ist, das kein Wort spricht, nein. Und man ist auch nicht nur "ein wenig schüchterner" als andere Menschen. Es ist viel mehr, aber der Leidensdruck hinter dieser Krankheit ist einfach unaushaltbar, weil dich keiner wirklich ernst nimmt. Die Angst geht nicht einfach so weg. Alle sagen nur, man soll sich "keine Gedanken machen" oder "es ist doch egal, was andere Leute von dir denken". Toll, dankeschön.