sonntagsfahrer

WRRRHHUUUMMM, der Motor heult auf. Ich sitze angespannt am Lenkrad meines Autos. Wirr säuseln die Gedanken in meinem Kopf herum, bereit auszubrechen. Hämmern gegen die Schläfen, drücken gegen den Knochen. Ich gebe Gas. Die Reifen quietschen, dann lasse ich die Bremse los. Der Wagen schießt voller Eifer auf die Straße, nichts kann ihn stoppen. Ich fahre in Richtung Autobahn. Es dauert nicht lange, da erreiche ich die Auffahrt. Der Zeitpunkt, abzubrechen, geht vorüber. Ich schließe mich einer kleinen Gruppe anderer wüsten Fahrer an, doch auch sie sollen mir nicht lange Gesellschaft leisten. Mein Kopf wird heiß, immer heißer. In Einklang mit dem Motor, der dröhnenden Maschine, die nur dazu gebaut wurde, hinfort zu fliehen. Weg von all dem Stress. Weg von den Sorgen. Weg von den Gedanken. Weg von allem was mich hält. Hin zum Paradies. 120. Ein gutes Gefühl der Erleichterung kommt in mir auf. Ich bremse nicht. 130. Es wird besser. 140. Der Druck wird weniger. 150. Mein Körper entspannt sich. 160. Die Gedanken können nicht mehr mit der Geschwindigkeit meines Körpers und des Autos mithalten. 170. Ich habe das Gefühl zu fliegen. 180 Rasant, jage ich über den Asphalt, bereit, alles zu vergessen, was mich in den letzten Jahren, Monaten, Tagen und Stunden so belastet hat. Ich überlege mir, wie ich es am besten beenden könnte. Einfach das Lenkrad herumreißen? Nein. Das wäre zu leicht. Ein abgefucktes Leben erwartet auch ein abgefucktes Ende. Es dauert nicht lange, da wird mir die Entscheidung abgenommen. Ein Lastkraftwagen zieht nach links, um einen Sonntagsfahrer zu überholen. Jetzt ist meine Chance. Ich lenke ein, das Gefährt fliegt nach rechts. Vorbei an dem kleinen Auto, auf den Standstreifen der Autobahn. Als ich an den beiden Kontrahenten vorbeizische, sehe ich, wie der Fahrer des LKWs plötzlich Panik bekommt. Während ich das realisiere, habe ich bereits wieder nach links geschwenkt und mein Wagen überschlägt sich. Einmal, zweimal, Dreimal, Viermal. Ich spüre, wie die Straße mir das Dach zerschmettert. Mein Körper schlägt scheinbar überall gleichzeitig auf. Ich werde langsamer und langsamer, bis ich nur noch ein paar Meter auf dem Kopf rutsche. Der LKW Fahrer hat versucht auszuweichen, doch es ist zu spät. Mit 110 Kilometern pro Stunde trifft er mein Auto. Ich bekomme nichts mehr mit. Es herrscht Stille. Unendliche, wunderbare Stille. Ich habe es geschafft. Endlich. Plötzlich, ein ohrenbetäubendes Geräusch, schreit mir in den Kopf. Mein Wecker. Ich kann es nicht fassen, schon wieder dieser Traum. Dabei hat es sich dieses mal so echt angefühlt. Ich stehe auf. Aber ich gehe nicht zur Arbeit. Ich frühstücke nicht und ziehe mir nur meine Schuhe und eine Jacke an. Entschlossen gehe ich zum Auto.

Zur Erklärung: Diese Geschichte hat weder mit einem Traum von mir zu tun, noch habe ich vor, mich umzubringen. Ich wollte einfach etwas Druck loswerden, und das kann ich eben gut in Wörtern umsetzen. Macht euch keine Sorgen, dieser Text ist reine Fiktion. Ich bleibe immer hier :* Hab euch lieb.