situationismus

Während in der ursprünglichen Phase der kapitalistischen Akkumulation “die Nationalökonomie den Proletarier nur als Arbeiter betrachtet”, der das zur Erhaltung seiner Arbeitskraft unentbehrliche Minimum bekommen muß, ohne ihn jemals “in seiner arbeitslosen Zeit, als Mensch” zu betrachten, kehrt sich diese Denkweise der herrschenden Klasse um, sobald der in der Warenproduktion erreichte Überflußgrad vom Arbeiter einen Überschuß von Kollaboration erfordert. Dieser Arbeiter, von der vollständigen Verachtung plötzlich reingewaschen, die ihm durch alle Organisations- und Überwachungsbedingungen der Produktion deutlich gezeigt wird, findet sich jeden Tag außerhalb dieser Produktion, in der Verkleidung des Konsumenten, mit überaus zuvorkommender Höflichkeit scheinbar wie ein Erwachsener behandelt. Da nimmt der Humanismus der Ware den Arbeiter “in seiner arbeitslosen Zeit und als Mensch” in die Hand ganz einfach deswegen, weil die politische Ökonomie diese Sphären beherrschen kann und muß. So hat “die konsequente Durchführung der Verleugnung des Menschen” die Ganzheit der menschlichen Existenz in die Hand genommen.
—  Guy Debord: Die Gesellschaft des Spektakels. These 43.
Das Leben eines Menschen besteht aus einer Folge von zufälligen Situationen und wenn auch keine einer anderen genau gleicht, so sind zumindest diese Situationen in ihrer größten Mehrheit so undifferenziert und farblos, daß sie vollkommen den Eindruck der Gleichheit geben. Aus dieser Lage folgt, daß die seltenen, packenden Situationen, die man erleben kann, dieses Leben zurückhalten und streng begrenzen. Wir müssen versuchen, Situationen zu konstruieren, das heißt kollektive Stimmungen, eine Gesamtheit von Eindrücken, die die Qualität eines Augenblicks bestimmen.
—  - G. Debord