showview

Um 1990 herum

ShowView oder eben DanndochnichtView 

Meine Lieblingsfilme wurden auf VHS aufgenommen, andere wurden in einer Videothek (ein Geschäft, welches als Geschäftsmodell die Videokassettenvermietung bietet) ausgeliehen. Zum Anschauen benutzen wir, wie alle, einen Röhrenfernseher zweifelhafter Größe und Qualität, sowie einen Videorekorder mit ShowView-Funktion.

ShowView ist eine Funktion, die mittels eines bis zu neunstelligen Zahlencodes bestimmte Sendungen bestimmter Sender aufnehmen kann. Den Code kann man in einer Zeitschrift ablesen, welche allwöchentlich das lineare Fernsehprogramm abdruckt – was nie funktioniert. Entweder wird der falsche Sender aufgenommen, oder der richtige Sender zur falschen Zeit, oder auch mal nichts. Kein Unterschied also zum herkömmlichen Programmieren des Videorekorders.

Neuerliche Recherchen im Jahr 2016 legen nahe, dass das daran liegt, dass – jedenfalls in meiner Familie – kein Schwein die Bedienungsanleitung liest und Ausdrücke wie “Tja, wieder die Bedienungsanleitung nicht gelesen?” (vulgo: RTFM!) geflügelte Worte sind. Zu meiner Überraschung kommt bei dieser Recherche auch heraus, dass das System ShowView bis heute existiert und mit rund 250 Sendern in D-A-CH funktioniert. Überraschung deshalb, weil ich einerseits dachte, das System sei irgendwie für das (analoge) Kabelnetz in Verbindung mit VHS gedacht, andererseits im Zeitalter von Smart-TVs und DVD-Rekordern mit umfangreichen und einfach zu bedienenden On-Screen-Menüs schlicht obsolet.

(Alan Smithee)