senafe

Das ist Walesh. Sie ist 28 Jahre alt und aus Eritrea. Vor zwei Wochen saß sie auf dem Boden und Tränen kullerten über ihre Wangen, als ich mich zu ihr setzte. Sie erzählte mir in wenigen Worten, was sie bedrückte: ihre Eltern fehlten ihr sehr.

Heute Morgen stehe ich im Flüchtlingsheim und schaue in mein Handy, als sie direkt auf mich zuläuft und mich lächelnd begrüßt. Es geht ihr besser. Sie freut sich scheinbar, mich wieder zu sehen - und ich erst.

Sie wirkt ganz anders, offener. Sie strahlt, wenn sie lacht. Ich begleite Walesh zum Mittagessen in der Kantine des Heimes. Heute gibt es eine kleine Suppe im Plastikteller, Brötchen und Götterspeise als Nachtisch aus dem Becher.

Die kleine Frau mit dem lockigen Haar spricht nur ein kleines bisschen deutsch und genau soviel englisch. Ihre Muttersprache ist Tigrinya. Meine Übersetzungs-App kann Tigrinya nicht.

Doch wir schaffen es, zu kommunizieren. Es dauert alles einwenig länger, aber es geht. Walesh stammt aus Senafe, einer Marktstadt im Süden Eritreas. Mittels Zug und Boot floh sie nach Deutschland, als das Erschießen von Menschen Sie dazu zwang, ihre Eltern zu verlassen.

Nun ist seit 20 Tagen hier und teilt sich mit sieben weiteren Frauen aus Afrika ein kleines Zimmer. „I’m okay“, sagt die junge Frau - und ich glaube es ihr. Die Sprachbarriere verhindert, dass ich weitere Details über ihre jetzige wie damalige Situation erfahre - und für den Moment ist das auch in Ordnung.

Denn ich weiß: Jedes Nachfragen meinerseits nach den Ursachen der Flucht hat das Potential, einen Menschen emotional zurückzuwerfen. Und da es Walesh heute gut geht, möchte ich es auch dabei belassen.

Walesh, es ist gut, dass Du in Deutschland bist. Ich bin froh, Dich ein weiteres Mal getroffen zu haben und wünsche Dir, dass es Dir weiterhin besser geht und Du die Vergangenheit verarbeiten kannst. Bleib stark, Walesh, bleib stark.