seltsamkeit

“Der Tod ist uns das Nächste, weil wir als Sterbliche sind, aber er ist zugleich das Entfernteste, weil er immer nur bevorsteht und für uns (d.h. für mich) nichts Wirkliches sein kann. Seltsamerweise ist die erste (nächste) und letzte (entfernteste) Möglichkeit des Menschen für ihn eine Unmöglichkeit. Der Tod ist zugleich die Möglichkeit und die Unmöglichkeit für das Dasein, d.h., die eigenste Möglichkeit des Daseins ist eine Unmöglichkeit. Der Mensch vermag zwar etwas, das das Tier nicht vermag (den Tod), doch dieses Vermögen ist ein Unvermögen, denn den Tod als Tod meint, diese ‘Möglichkeit als die der Unmöglichkeit der Existenz überhaupt’ vermögen. Wenn aber der Tod die Möglichkeit ist, die das Dasein letztlich zu dem macht, was es ist, und vom Tier unterscheidet, dann scheint mit der Unmöglichkeit auch der Unterschied zu verschwinden.”

Wild, Markus (2008): Tierphilosophie zur Einführung. S. 207. Hamburg: Junius.

Absonderungs - Konflikte

Es gibt den gebräuchlichen Satz: “Da wird der Mensch zum Tier”, oder auch personalisiert: “Da werde ich zum Tier”.

Das Mensch ist absonderlich.
Das Mensch glaubt (!) Es sei kein Tier, sondern (!) etwas anderes, sogar besseres. Ist das Mensch aber nicht. Das Mensch wird nicht zum Tier, Es ist eines davon. Genauer ein Primat, ein Art von Säugetier. Was vermuten Sie, wie viele Probleme und Konflikte zwischen uns Menschen und unseren MitTieren und anderen Mit-LebeWesen - überhaupt in unserer In- und UmWelt - auch dadurch entstehen, dass wir Menschen dieses einfache Bekenntnis und diese Einbettung verweigern? Mir ist klar, dass diese Absonderung des Menschen von und aus seiner natürlichen Umwelt, die Ursache grosser Konflikte und menschlicher Fehlsichtigkeiten und (Umwelt-) Katastrophen ist.

“Meine Existenz ist eine andere, ich existiere nur, wenn ich schreibe, ich bin nichts, wenn ich nicht schreibe, ich bin mir selbst vollkommen fremd, aus mir herausgefallen, wenn ich nicht schreibe. Wenn ich aber schreibe, dann sehen Sie mich nicht, es sieht mich niemand dabei. (…) Es ist eine seltsame, absonderliche Art zu existieren, asozial, einsam, verdammt, es ist etwas verdammt daran, und nur das Veröffentlichte, die Bücher, werden sozial, assoziierbar, finden einen Weg zu einem Du, mit der verzweifelt gesuchten und manchmal gewonnenen Wirklichkeit.”

Bachmann, Ingeborg (1978): Rede zur Verleihung des Anton-Wildgans-Preises. In: Werkausgabe Band 4. Essays, Reden, Vermischte Schriften. S. 294. München und Zürich: Piper.