schwarz und gelb

16.2.2017

Im Supermarkt

Ich gehe im Supermarkt um die Ecke einkaufen. An Regalen und Tiefkühltruhen entlangschlendernd, nehme ich heraus, was ich brauche. Fast das ganze Angebot besteht aus Lebensmitteln und Getränken, nur Richtung Kasse befinden sich dreieinhalb Regale mit Dingen, die nicht zum Verzehr gedacht sind, wie etwa Waschmittel, Zahnbürsten, Batterien, ein paar Bratpfannen und ein beachtliches Sortiment an Druckwerk (Glückwunschkarten, Geschenkpapier, knapp 250 verschiedene Zeitschriften). Einen Einkaufswagen benutze ich auch heute nicht, sondern lege die paar Sachen, die mir gerade fehlen, in meine Tasche. Ich kaufe eher häufig ein und brauche zu Hause wenig Vorräte. Das Edeka ist mein Vorratsschrank!

In einem Supermarkt in Brüssel habe ich vor ein paar Monaten digitale Preisschilder gesehen, auf denen die Angaben immer abwechselnd auf französisch und flämisch, den beiden Hauptlandessprachen, dargestellt werden. Es wäre mir fast nicht aufgefallen, weil sie nicht leuchten, sondern Papier sehr ähnlich sehen. Hier sind sie tatsächlich noch aus Papier, mal schwarz auf weiß, mal schwarz auf gelb – und bei Sonderangeboten: auf rot – bedruckt. Wenn sich ein Preis ändert, tauschen die Mitarbeiter das Schild von Hand aus.

Anders als in manchen anderen Supermärkten werden Obst und Gemüse bei Edeka von den Kunden selbst mit einem Preisschild versehen. Ich lege es auf eine Waage und gebe dazu die dreiziffrige Nummer ein, die auf dem Namensschild des jeweiligen Produkts am Regalrand steht. Die Waage errechnet daraus, was meine drei losen Bananen kosten, zeigt es mir auf einem kleinen Digitaldisplay an und druckt direkt ein entsprechendes Etikett aus, das ich auf eine der Bananen klebe. Darauf steht außer Preis, Gewicht und Bezeichnung des gewogenen Guts ein an der Kasse einlesbarer Barcode. An der Waage kontrolliert niemand, ob ich vielleicht auch teuren Ingwer mit einem günstigen Bananen-Etikett versehe. Ich habe es nie ausprobiert und weiß darum nicht, ob solche Schummeleien an der Kasse auffliegen würden.

Fleisch, Wurst und Käse werden außer in fertig vorverpackter Form an einer 14 Meter langen Vitrine lose angeboten. Zwei bis drei Mitarbeiter schneiden das Gewünschte zu, stapeln es auf, wickeln es in zweischichtiges Spezialpapier ein (außen Papier, innen eine dünne Kunststofffolie, die sich leicht abziehen lässt) und stecken es danach in ein Plastiktütchen. Auf dem Zettel, mit dem es zugetackert wird, steht drauf, was drin ist sowie wiederum ein Barcode. Seit einiger Zeit sehe ich, anders als noch vor ca. fünf Jahren, keine Schlange mehr an der sogenannten Frischtheke.

Die Pfandflaschen habe ich wie meistens zu Hause vergessen. Darum besuche ich nicht den Apparat, der Leergut gegen Pfandgutscheine eintauscht, und beschreibe nicht, was passiert, wenn er wieder mal hupend streikt. Ich gehe direkt zur Kasse. Ich sehe alles, was die anderen Leute kaufen, die mit mir in der Schlange stehen, und bestaune gern die fremden Einkäufe, wenn ich länger warten muss. Sie werden nacheinander auf ein Band gelegt und darauf in Reichweite der Person transportiert, die die Kasse bedient. Es piept, während diese die Artikel über einen in den Kassiertisch eingebauten Barcodescanner zieht; parallel wird auf einem Display in grün auf schwarz angezeigt, was ich gekauft habe und was es gekostet hat. Anschließend kann ich mit Bargeld oder Kredit- bzw. EC-Karte bezahlen. Kartenzahlung dauert immer noch einige Sekunden länger als das Bezahlen mit Münzen und Scheinen. Das liegt meistens an einer lahmen Datenübertragung und nur selten am Karteninhaber, der sich nicht an seine PIN erinnert oder die Karte falsch rum in das Gerät steckt.

So geht das meiner Erinnerung nach schon seit zwanzig Jahren. Kann das sein?

(Undine Löhfelm)