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‘Oh Boy’ (A Coffee in Berlin), Jan Ole Gerster (2012)

Do you know what it’s like… to have the feeling that all the people around you are honestly kind of weird? But when you think it over, then it becomes clear that the problem is with yourself.

„Mit fünf stellte er zum ersten mal fest, dass er stattfand. Es erstaunte ihn. Gar nicht so sehr die Erkenntnis an sich, sondern dass es ihm vorher anscheinend nicht aufgefallen war. An der Feststellung war nichts, was man in aufwendigere Worte fassen konnte. Er saß auf dem Teppich und stellte voller Erschütterung fest, dass er passierte.“

Robert Gwisdek - Der unsichtbare Apfel

„Igor kam in die Pupertät und mit ihr fing er an, bestimmte Dinge nicht mehr zu mögen. Bisher mochte er sehr viel, doch überkam ihn eine plötzliche Abneigung gegenüber Dingen, die von zu vielen anderen Menschen gemocht wurden. Ihr Mögen kam ihm wahllos vor und viele schienen bestimmte Dinge nur zu mögen, weil viele andere sie mochten. Dann lernte er andere Menschen kennen, die ebenfalls Dinge nicht mochten, weil sie von vielen anderen gemocht wurden, und fing an, es nicht zu mögen, wenn Leute etwas nicht mochten, nur weil es von vielen anderen gemocht wurde. Er war verwirrt und mochte eine Zeitlang das Mögen nicht mehr.

Bald mochte er es aber nicht mehr, das Mögen nicht zu mögen. Mögen war schön, nur seine Pubertät empfand es als albern und so fing er an, eine Mischform aus Neutralität und Gutwilligkeit zu entwickeln, die sich ein wenig wie Mögen anfühlte. Als auch das nicht gelang, gab er auf, über das Mögen nachzudenken. Nachdenken schien ihm kindisch und seine Pubertät entwickelte eine Abneigung dagegen. Allerdings mochte er nicht, dass er etwas nicht mochte, und mochte dann auch wieder das Nachdenken. Er schwieg eine Weile und bekam Ausschlag.“

Robert Gwisdek - Der unsichtbare Apfel

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