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Tumblr-User im Blickpunkt: Miriam und André von Roll the planet

André reist seit nunmehr 21 Jahren im Rollstuhl durch die Welt. Seit 14 Jahren hat er Miriam an seiner Seite. Beide wohnen in Hamburg und arbeiten auch zusammen. In unserem Interview-Feature haben sie von ihren Reisen und ein bisschen auch von sich selbst erzählt.

Was sind so die klassischen Schwierigkeiten, auf die man als Reisender im Rollstuhl trifft? Habt ihr auch besonders positive Überraschungen erlebt hinsichtlich der Barrierefreiheit?

Die klassischen Schwierigkeiten sind die Informations-Wüsten bei der Reisevorbereitung. Häufig kommen wir vor Ort gut klar und es gibt auch barrierefreie Unterkünfte, die nur leider nicht so leicht auffindbar sind. Auch Fliegen ist immer ein Glücksspiel, weil die für Rollifahrer vorgesehenen Plätze für einen fast Zweimeter-Mann wie André viel zu eng sind, Sondergepäckbestimmungen beim Bodenpersonal nicht allseits bekannt sind, man nicht weiß, ob der Rollstuhl auch mitkommt oder man am Zielflughafen erstmal in ein Sanitätergefährt verfrachtet wird …

Barrierefreier als gedacht war für uns New York. Dort hat uns eine Rollifahrerin von den Big-Apple-Greeters aus Brooklyn super Tipps und Einblicke gegeben. Allgemein sind die USA in Sachen Barrierefreiheit aber vorbildlich. Und an Reisezielen, die nicht so barrierefrei sind, machen wir oft die Erfahrung, dass das durch sehr herzliche und kreative Einwohner und unkonventionelle Problemlösungen ausgeglichen wird.

André, als du noch ohne Miriam unterwegs warst, hattest du da auch jemanden an deiner Seite? Macht ein Partner/Begleiter das Reisen viel einfacher?

Bevor wir uns kennengelernt haben, war ich alleine unterwegs. Auf der ersten Reise nach meinem Unfall alleine nach Kapstadt erlebte ich ein unbeschreibliches Freiheitsgefühl. Aber ohne Partner zu reisen ist natürlich auch anstrengender und aufwändiger. Wenn die Reisebegleitung mal schnell aus dem Auto springen kann um zu gucken, ob man in das Lokal am Wegesrand, das so gut aussieht, auch reinkommt.

Wie habt ihr euch eigentlich kennengelernt? Miriam, gab es bei dir anfangs Berührungsängste oder Gedanken daran, dass du mit André manche Dinge vielleicht nicht machen kannst?

Kennengelernt haben wir uns über eine gemeinsame Freundin bei einem Verlag in Hamburg, bei dem wir beide gearbeitet haben. Nein, Berührungsängste hatte ich gar nicht. Ich fand es eher sehr spannend, was alles geht. Auf meiner ersten Südafrika-Reise zusammen mit André war es sogar umgekehrt: Als in einem Nationalpark eine Hängebrücke unseren Weg kreuzte, dachte ich (habe Höhenangst): Super, das geht rollstuhltechnisch nicht, da muss ich nicht rauf. André wollte aber und ein hilfsbereiter Ranger sah auch kein unüberwindbares Hindernis in der Brücke. Da konnte ich mich dann auch nicht mehr drücken.

Wer reisen will, muss meistens auch Geld dafür verdienen. Was macht ihr außerhalb eurer Touren?

Ich arbeite als Texterin und freie Redakteurin, zusammen mit André berate ich außerdem touristische Unternehmen in Sachen Barrierefreiheit.

Ihr wollt mit dem Blog anderen Mut machen, mit dem Rollstuhl zu reisen. Habt ihr festgestellt, dass viele Menschen sich das nicht trauen?

Ja, denn wie anfangs schon angedeutet, ist die Reiserei mit viel Aufwand im Vorwege verbunden, weil es irre viel Zeit kostet, Informationen zusammenzusammeln. Und auch wenn man glaubt, alles perfekt geplant zu haben, warten am Reiseziel oft trotzdem unangenehme Überraschungen (Hotel nicht so barrierefrei wie angegeben, Leihauto hat kein Handgasgerät, schlechte Infrastruktur etc.), die Flexibilität erfordern. Und die hat je nach Einschränkungsgrad nicht jeder – oder auch keine Lust darauf in wenigen wertvollen Urlaubstagen. Abgesehen davon ist bei vielen Reisenden mit Behinderung neben fehlendem Mut auch die finanzielle Situation ein Problem. 

Ihr habt schon viel von der Welt gesehen. Wo war es bisher am schönsten, und was für Traumziele habt ihr noch?

Am schönsten war bisher Südafrika, da stimmt wirklich der Werbespruch von der ganzen Welt in einem Land mit Kapstadt als toller Metropole, Wüste, Weinanbaugebieten, zwei Ozeanen. Aktuelle Traumziele sind Neuseeland und Kuba, da sind wir gerade am recherchieren.