FB: #AskPhilipp  Q & A

1. Joshua Richter: Lieber Herr Lahm, Meine Frage ist diese: Hatten sie jemals vor ihrer professionellen Fußball Karriere Zweifel, dass es mit dem Fußball für sie nicht klappen würde, und wenn schon, was war ihr “back-up Beruf”?

Philipp Lahm: Hallo Joshua, es ist absolut nicht so, dass ich, seit ich mit 5 Jahre das Fußballspielen begonnen habe, Profi werden wollte. Ich habe es lange einfach gemacht, weil ich Spaß daran hatte. Als ich 1990 Lothar Matthäus mit dem WM Pokal im Fernsehen sah und dann im Alter von 11 Jahren zum FC Bayern kam, habe ich mir natürlich schon manchmal vorgestellt, wie es wäre, selbst Profi zu sein oder sogar einmal in der Nationalmannschaft zu spielen. Aber ein wirkliches Ziel war es damals noch nicht. Als Kind habe ich mir überlegt Bäcker zu werden. Später hätte ich mir auch vorstellen können Banker zu werden, weil ich außer in Sport auch in Mathe immer ganz gut war. Aber nachdem ich mich Jahr für Jahr durchgesetzt habe und schließlich für die zweite Mannschaft des FCB gespielt habe, war für mich klar, dass ich jetzt auch den Sprung in die Bundesliga schaffen wollte. Einen wirklichen „Backup-Plan“ gab es deshalb nicht. Ich hatte viel investiert, aber auch mit jedem Jahr Selbstvertrauen in mich und meine Fähigkeiten gewonnen. Deshalb war es für mich dann auch klar, dass ich meine Leidenschaft zum Beruf machen wollte. Ab diesem Zeitpunkt habe ich daran geglaubt, dass ich dieses Ziel auch erreichen kann.

2. Saša Katalina: Hey Philipp, meine Frage wäre: Wenn man alles mögliche, national und international, gewonnen hat (Bundesliga, DFB Cup, Champions League, Super Cup, Weltmeisterschaft) fällt man da nicht in ein Motivationsloch, da man ja im Prinzip nicht mehr erreichen kann? Und wenn ja, wie regelt man das wieder? 

Philipp Lahm: Hallo Saša, natürlich kommt man nicht von einer gewonnen WM zurück und schafft es sofort, ab der ersten Trainingseinheit 100 Prozent zu geben. Aber das gesamte Fußballer-Leben ist in Spielzeiten aufgeteilt und jede Saison gibt es neue Ziele, neue Voraussetzungen. Wenn man einmal die Champions League gewonnen hat, dann möchte man diesen großartigen Moment wieder erleben, wieder ganz oben stehen. Wenn ich, wie jetzt, die Chance habe, den Meistertitel ein viertes Mal in Folge zu holen, was bisher noch keiner Mannschaft gelungen ist, dann gibt das neue Motivation. Es gibt immer eine Steigerung. Und es gibt den grundsätzlichen Anspruch, jedes Spiel, in das man geht, zu gewinnen. Dieser Erfolgshunger zeichnet den FC Bayern aus. Diese Mentalität prägt jeden Spieler, der eine gewisse Zeit dabei ist. Das bedeutet eben auch, jedes Training als neue Herausforderung zu sehen. Um in drei Wettbewerben dauerhaft oben mitzuspielen, muss jeder in der Mannschaft verstehen, dass sein Einsatz im Training ein wichtiger Beitrag dazu ist, damit die Elf, die am Spieltag auf dem Feld steht, 100 Prozent geben kann. Es geht um Leidenschaft und darum, seine eigenen Fähigkeiten in den Dienst der Mannschaft zu stellen. Mir macht es großen Spaß, als Kapitän zusammen mit den Trainern und der Mannschaft daran zu arbeiten. 

3. Isabella Frei: Zweifelst du manchmal vor einem Spiel daran, dass ihr gewinnt? 
Und ist es schwer, mit dem Druck umzugehen, der auf einem lastet? 

Philipp Lahm: Hi Isabella, nein, ich zweifle nie daran, dass wir gewinnen. Das Ziel vor jedem Spiel ist es, als Sieger vom Platz zu gehen. Und das funktioniert nur, wenn man an sich selbst und sein spielerisches Können glaubt. Dieses Selbstbewusstsein holt man sich über die Jahre, in jedem Training, mit jedem Erfolg und auf dem Platz mit jeder guten Aktion. Wirklichen Druck empfinde ich nur ganz selten. Mir macht meine Aufgabe großen Spaß. Das und der eigene Wille, immer zu gewinnen, sind eine positive Motivation. Etwas Anspannung gehört natürlich dazu, die ist aber auch wichtig, um konzentriert ins Spiel zu gehen. 

4. Ally Pouverin: Hallo Philipp, ich komme aus Frankreich und bin natürlich eine grosse Fan des FC Bayern München :) Ich möchte bitte wissen, wie fühlst du dich in der Rolle vom Mannschaftskapitän? :)

Philipp Lahm: Hi Ally, mir macht diese Aufgabe großen Spaß. Ich hatte immer schon eine klare Meinung zur Taktik, zur Mannschaftsführung und zum Spielsystem und habe früh auch außerhalb meiner Position Verantwortung übernommen. Als mir die Rolle des Kapitäns zugetragen wurde, habe ich diese sehr gerne angenommen, weil es eine neue, zusätzliche Herausforderung war. Es geht vor allem um Kommunikation. Man tauscht sich mit seinen Vorgesetzten aus, in meinem Fall mit Trainer und Vorstand. Es ist wichtig, keine Einzelinteressen in den Vordergrund zu stellen. Alles muss ineinander passen, weil man das nächste Spiel gewinnen will. Es ist schön, als Kapitän auch Einblicke in die Ideen und Strategien außerhalb des Platzes zu bekommen und zu erleben, wie das „Mia san mia“ auf allen Ebenen umgesetzt wird. 

5. Geri Stoyanova: Which player was your inspiration when you were young?

Philipp Lahm: Hey Geri, Pierre Littbarski and Lothar Matthäus were my idols when I was young :)

6. Bastian Qu: Hallo Phillip, ich wohne im Norden Niedersachsen, bin aber trotzdem stolzer Bayern Fan seid dem ich denken kann! Meine Frage ist: wie war es für dich als du das erste mal für den FC Bayern aufgetreten bist? Und als du an Stuttgart ausgeliehen warst und dann gegen die Bayern ran musstest? 

Philipp Lahm: Hi Bastian, es waren zwar nur drei Minuten, aber mein erstes Spiel in der Champions League im Olympiastadion für den FC Bayern war ein sensationelles Gefühl!

7. Mohammed Elias: what do you love about Munich? Any place you’d recommend there for a tourist? 

Philipp Lahm: Hi Mohammed, Munich is my home. This is where I was born and where I grew up. To me home is a certain feeling and a special environment, in other words: special people. I have been travelling the globe for many years now and in a way my home is the opposite pole to this lifestyle. This is where I can relax and recover during breaks and where I can prepare for the next football games and training. One part of my home every visitor should obviously see at least once is the Allianz Arena ;-)

8. Nahshon Rajkumar: hey philipp.im nahsh from South Africa, was always my dream to see Germany play live at the world cup and i got to see you captain the team against australia, in durban,in 2010…you are my favourite player of all time..what did you enjoy most about your time spent in south africa? 

Philipp Lahm: Hi Nahshon, 2007 war ich schon privat in Südafrika. Ich wollte das Land kennenlernen, in dem die WM drei Jahre später stattfand. Ich habe extrem viele unterschiedliche Erfahrungen gesammelt. Dabei haben vor allem die Townships einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Die positive Lebenseinstellung der Menschen, trotz der schwierigen Lebensumstände, hat mich sehr beeindruckt. Selbst in die kleinste Hütte wurden wir eingeladen und alles, was annähernd rund war, diente als Ball. Die Begeisterung für Fußball war schon damals überall spürbar. Der Blickwinkel während der WM 2010 war dann natürlich ein ganz anderer. Der Fokus lag für uns Spieler auf dem Turnier. Wir waren in super Unterkünften, alles war top organisiert. Innerhalb der Mannschaft hat sich ein einzigartiger Teamgeist entwickelt. Was ich aber trotzdem wahrgenommen habe, war auch in den Stadien wieder diese unglaubliche Lebensfreude. 

9. Joanna Loayza: ich hab eine Frage zu deiner Ernährung. Isst du immer ganz gesund oder gibt es auch manchmal eine kleine Schokolade oder ein Eis? Das wollte ich schon immer wissen, da ich selbst auf einem relativ hohem Level spiele (habe schon für FFC Frankfurt, Fulham und Chelsea gespielt.) Würde mich über deine Antwort sehr freuen!

Philipp Lahm: Hallo Joanna, natürlich gibt es bei mir auch mal Schokolade, Gummibärchen oder ein Eis. Als Leistungssportler sollte das natürlich nicht der Hauptbestandteil der Ernährung sein wink emoticon Aber im Fußball ist meiner Meinung nach auch kein auf das Gramm genauer Plan notwendig. Es geht darum, ein Bewusstsein dafür zu entwickeln, was einem selbst gut tut und es in keine Richtung zu übertreiben. Das versuche ich auch als Vater so vorzuleben, schließlich möchte ich ein gutes Vorbild für meinen Sohn Julian sein.

10. Dominic Mia San Mia: Welche Rolle hat der Sport und vor allem die Bundesliga, gegen Fremdenfeindlichkeit vorzugehen beziehungsweise, was kann der Fußball dazu beitragen?

Philipp Lahm: Hi Dominic, Sport ist an vielen Stellen schon ein positives Beispiel für erfolgreiche Integration. Speziell im Fußball gibt es immer wieder Aktionen und Kampagnen gegen Rassismus, für Fairplay, für Vielfalt. Es gibt ein übergeordnetes, anerkanntes Regelwerk, das Fehlverhalten auf und neben dem Platz bestraft. Ich finde es sehr wichtig, dass Organisationen oder auch Personen, die eine so große Aufmerksamkeit wie im Fußball genießen, entsprechend Verantwortung übernehmen und Vorbilder sind. Innerhalb der Gesellschaft – durch die Umsetzung im Sport. Ich denke, dass ich das als aktiver Sportler am besten auch in meiner Rolle als Kapitän sein kann. Auf dem Platz. Dort ist es meine Aufgabe, die Ideen des Trainers umzusetzen, um erfolgreich zu sein, aber eben zusammen mit allen Mitspielern, fair und unter Berücksichtigung der Regeln.

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Thank you very much for all your questions. I was not able to answer all of them, but I hope I could give you many interesting insights.

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“Lieber Bastian Schweinsteiger,
seit unserem 16. Lebensjahr stehen wir gemeinsam auf dem Platz: Von der FC Bayern München A-Jugend haben wir den Sprung zu den Profis geschafft und 10 Jahre gemeinsam in der Nationalmannschaft gespielt.
Letztes Jahr haben wir mit dem Weltmeistertitel das Größte erreicht, das es im Profifußball zu gewinnen gibt. Mit keinem anderen Mitspieler habe ich so viele Höhen und Tiefen erlebt, mit keinem anderen Teamkollegen so häufig die Fußballschuhe geschnürt. Deine Qualität und Verdienste auf dem Platz stehen außer Frage. Der Grund, warum dein Abschied aber zurecht Zeitungsseiten füllt, hat für mich die Süddeutsche Zeitung(heutige Seite Drei) auf den Punkt gebracht: Du bist jemand, der sich nie in der Lederhose präsentiert hat, sondern einer, der sie einfach trägt.
Dein Philipp

Dear Bastian,
since we are 16 years old we stood on the pitch together: From the Bayern A-Youth we made the cut to the first team and played together on the national team for 10 years. By winning the World Cup last year we won the biggest trophy that there is to win in professional football. With no other teammate have I experienced so many ups and downs or laced up the boots more times with. Your quality and achievements on the pitch are incredible. Yet the reason why your goodbye justifiably still fills tabloid pages has been put just right by the Süddeutsche Zeitung (today’s Seite Drei): You never were one that presents himself in lederhosen, you just wear them.
Your Philipp
‪#‎DankeBasti‬”