p: penner

Man hat mich vor dir gewarnt, doch ich habe es ignoriert. Man hat mir gesagt “dieser Junge ist nicht gut für dich” und ich war trotzdem immer der Meinung, dass es für mich keinen besseren gibt als dich. Man hat mir vorausgesagt, dass du mir mein Herz brechen würdest und ich habe mich dennoch auf dich eingelassen. Allen war klar, dass du mich enttäuschen würdest, doch ich habe immer an das Gute in dir geglaubt. Ich habe dir und mir eine Chance gegeben und das ist jetzt der Dank dafür? Dass du mich einfach so fallen lässt als wäre nie etwas gewesen? Wahrscheinlich ist das die Strafe für meine Naivität.
Grüner Leberkäse

Keine Ahnung wie lang das Ding jetzt schon in der Mikrowelle vor sich hinvegetiert. Hab mich nicht getraut reinzuschauen. Hatte Angst er würde mir entgegen, mitten in meine Fresse springen wollen. Und jetzt muss ich hier warten. In dieser schweren Luft. Ich beobachte gespannt den Minutenzeiger, leider bewegt er sich ziemlich schleppend. Also einmal kurz pro Minute. Der Kühlschrank, der schließt auch nicht mehr richtig seitdem der eine Betrunkene mal raufklettern wollte. Ich glaub es war ziemlich witzig, also in dem Moment als er es versucht hat und wir betrunken genug waren um nichts dagegen zu unternehmen. Und auch als das ganze Ding dann zusammen mit dem Kerl am Kühlschrank oben, mitten am Küchentisch landete. War ja egal. Eigentlich.
Heute riecht es ziemlich übel aus dem Kühlschrank. Ein paar arme Tomaten aus dem letzten Jahr verbreiten sich gerade am Kühlschrankboden. Heute nichts neues. Früher eigentlich auch nicht. Nur heute geht’s mir am Arsch.
Bin ich jetzt spießig? Bin ich jetzt spießig weil ich auch gern mal mehr als nur zehn Euro am Konto haben will? Weil ich mich beim Pissen hinsetze? Oder auch gern mal in ein Restaurant gehen will anstatt mir scheiß Fastfood von der Kebab-Bude nebenan holen zu müssen? Oder mir es nicht egal ist, wenn jetzt ein betrunkener Kerl auf meinen scheiß Kühlschrank klettern wollte? Scheiß drauf. Wenn das spießig ist, na dann bin ich es eben jetzt.
Jetzt.
Jetzt bin ich Mitte meiner Zwanziger. Vollzeit angestellt, schöne Wohnung, steh fest im Leben. Ein schönes Leben. So ein schönes Leben! Ja richtig prächtig würd ich schon fast sagen!
Und trotzdem, ja trotzdem steh ich jetzt in meiner alten Wohnung und wünschte es wäre noch so. Penner sein vermisst man eben irgendwie. Ich vermiss es eben. Irgendwie.