naturemphase

Er war gestorben. Das begriff sie. Unbegreiflich war ihr, daß es ihn nicht mehr gab. Sobald sie es zu denken versuchte, weigerte sich ihr Gefühl, mit ihrem Verstand zusammenzuarbeiten. Ihr war, als hätte durch seinen Tod sich etwas von ihrem Leben aus der Welt entfernt. Noch immer war in ihr die Durchlässigkeit, die sie an ihm wahrgenommen hatte. Man konnte nicht durchs Leben gehen und vor jedem Baum dankbar stehenbleiben, erschüttert über die Schönheit der herbstlich rostroten Kastanie, über die mächtige Buche, die schon einige Generationen überlebt hatte und, beklemmender Gedanke, wahrscheinlich auch sie überleben würde.
—  Viola Roggenkamp: Tochter und Vater. Fischer Verlag. Frankfurt am Main 2011. S. 156.