mittel

2014

E-Mail ins Ausland 

Ich bin sehr stolz auf meine Mutter. Im hohen Alter, also über 80, hat sie sich erklären lassen, wie das so geht mit Internet und E-Mail. Es ist zwar noch immer so, dass ich es oft nicht schaffe, den Unterschied zwischen “Browser" und “Internet” zu erklären, aber das liegt eher an meinen beschränkten Fähigkeiten. Jedenfalls kann sie E-Mail, mit inzwischen 88, und nutzt es auch mit Begeisterung. Zum Beispiel, um meiner Tochter Geburtstagsglückwünsche zu schicken. Meine Tochter lebt im Ausland, eine Postkarte oder Anruf wäre früher das Mittel der Wahl gewesen, das geht heute natürlich nicht (“Ferngespräch!”). Sie schreibt also eine E-Mail. Am Vortag des Geburtstags meiner Tochter treffe ich meine Mutter. Sie erzählt, dass sie meiner Tochter zum Geburtstag eine Glückwunsch-E-Mail geschickt hat. Ich zögere, weil ich nicht weiß, wie ich ihr sagen soll, dass meine Tochter erst morgen Geburtstag hat. Schließlich will ich sie nicht in die Verlegenheit bringen, dass ihr klar wird, dass ihr Verstand mit den Tagen durcheinander gekommen ist. Ich sage ganz vorsichtig: “Das ist ja total nett, aber sie hat ja erst morgen Geburtstag …”

Meine Mutter: “Das weiß ich doch! Ich hab die E-Mail deswegen ja auch heute schon abgeschickt, damit sie morgen rechtzeitig da ist, schließlich geht sie ins weit entfernte Ausland.”

Wo sie recht hat, hat sie recht.

(FriFri)

Der Konservative hat sehr viel über für gute Kinderstube und gute Manieren, aber das darf ihn doch nicht an der notwendigen Grobheit hindern; nur sei die Grobheit kalkuliert, ein Mittel, keine Leidenschaft, die Dich beherrscht. Also fall Deinem Gegner ins Wort, wenn Du Dich sonst nicht bemerkbar machen kannst, störe die Selbstgefälligen mit Zwischenrufen und besorg Dir im Zweifel die Utensilien für ein Protestplakat. Wir leben in lauten Zeiten, wer nur leise ist, verzichtet von vornherein auf Einflußnahme. Es besteht kein Bedarf an mehr Behäbigkeit. Was wir brauchen, sind rechte Spontis und eine konservative Spaßguerrilla, also: Die Phantasie an die Macht!
—  Dr. Karlheinz Weißmann, Der konservative Katechismus
Es ist immer sehr schwierig, über den Wert politischer Ziele zu urteilen, wenn deren Erreichung noch in weiter Ferne liegt. Ich glaube daher, dass man eine politische Bewegung nie nach seinen Zielen beurteilen darf, die sie laut verkündet und vielleicht auch wirklich anstrebt, sondern nur nach den Mitteln, die sie zu ihrer Verwirklichung einsetzt.
—  Werner Heisenberg
Ich bin so mittel...

Ich bin ja eher so mittel:
mittelalt, mittelklein, mittelbraunhaarig, mitteldick, mittellos und mittel-erweile auch ganz zufrieden damit… manchmal.