milch schokolade

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Ich klopfe an. „Pok. Pok. Pok.“ Bin ich hier richtig? „Favour, it’s me, Martin“. Das Schloss klackt zweimal und durch einen Spalt schaut die kleine Nigerianerin und bittet mich herein.

Der Raum kommt mir noch kleiner vor, als letztes Mal. Und statt Happy lebt nun eine andere Frau mit Favour zusammen. „Happy is not here anymore“, erzählt mir Favour, während sie ein paar Tücher und Babysachen zusammenlegt.

Am Ende ihres Bettes liegt die kleine Cleopatra und schlummert vor sich hin. Ich betrachte sie näher und mir fällt auf, wie sie in den paar Wochen gewachsen ist. Süße kleine Maus.

Doch Favour ist nicht besonders gut gelaunt. Cleopatra habe die Nacht über gehustet und somit die beiden schlecht geschlafen. Ich frage nach, wie es ihr geht und Favour ist sichtlich erdrückt von der Situation in der Unterkunft. „I can’t be here any longer.“

Das Essen könne sie oft nicht genießen und kaufe dann meist in einem Supermarkt ein. Im September bekam sie 230 € für sich und die Kleine. Meine Frage, wie viel Geld sie aktuell hat, beantwortet sie mit: „I’m broke.“ Im Oktober bekam Favour noch nichts.

Ich schlage vor, etwas einkaufen zu gehen. Die Luft im kleinen Raum ist ohnehin stickig und wir haben Lust auf einen kleinen Spaziergang. Auf dem Gelände der Unterkunft schaut sich Favour noch die aushängenden Listen durch und sucht nach ihrem Namen. Doch sie steht nicht drauf und wir somit erstmal nicht in eine bessere Unterkunft kommen. 

Beim DM kaufen wir Windeln und Puder, danach gehts zu Altnatura: Früchte, Schokolade, Milch und andere Kleinigkeiten. Ich bezahle mit meiner Karte und merke einmal wieder: Es ist manchmal so einfach, zu helfen.

Auf dem Rückweg zur Unterkunft erzählt mir Favour, dass die Zeugen Jehovas ihr zwei Hefte gegeben sie zu einem Treffen eingeladen hätten. Ich rate ihr dringend davon ab. Favour weiß nicht, wer die Zeugen Jehovas sind. Meiner Meinung nach sind die Zeugen eine Sekte.

Weiter führt sie aus, dass in der gestrigen Nacht vor ihrem Zimmer eine Schlägerei stattgefunden und Securities die beiden Streithähne mit Handschellen abgeführt hätten. „There are fightings almost every day“.

Im Zimmer angekommen wird Cleopatra (die den kompletten Einkauf über im Tragegurt schlief) ausgepackt und ich halte die kleine einen kurzen Augenblick auf dem Arm.

Favour und ich verbleiben so, dass sie mich am Montag mit Happy auf einen Kaffee im Büro besuchen wird. Favour will außerdem meine Familie kennenlernen. Ich verabschiede mich von den Beiden und schlendere glücklich nach Hause.

Bis Montag, Favour und Cleopatra.

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Falls Ihr Favour etwas spenden wollt, könnt ihr das mit einer Überweisung auf Katharina Bitars Konto tun. Bitte gebt im Betreff „Spende für Favour“ an. IBAN: DE12 6605 0101 0022 8383 12. Dankeschön!