microsoft image composite editor

2007 und 2017

Panorama für die Wand damals wie heute

Der Blick von einem Berggipfel ist etwas Großartiges; unter sich die Welt, vor sich die Weite und über sich die Unendlichkeit.

Im Sommer vor 10 Jahren, also 2007, waren meine Familie und ich in den Schweizer Alpen wandern. Eines Morgens war ich dann doch allein auf einem kleinen Gipfel und schoss mit meinem Sony Ericsson w810i Walkman-Handy (2 Megapixel-Kamera) rundum Fotos vom Panorama, nachdem ich dieses genoss.

Zu Hause wurden die Fotos dann über ein spezielles Kabel vom Handy auf den Computer überspielt und dort erst mal sortiert. Dann wurden sie in der richtigen Reihenfolge in den Microsoft Research Image Composite Editor geladen, der in stundenlanger Arbeit endlich ein brauchbares Panorama daraus kreierte. Die riesige Datei wurde auf CD gebrannt und mit dieser ging es in einen Copyshop, wo das 3 m lange und 50 cm hohe 360°-Panorama auf glänzendes Papier gedruckt wurde. Mit einer Papprolle mit dem Ausdruck in der Hand ging es dann zu einem weiteren Laden, für den ich heute nicht mal mehr die Branchenbezeichnung weiß. Dort wurde das bedruckte Papier auf eine 10 mm starke Hartschaumplatte (umgangssprachlich auch unter dem Produktnamen Forex bekannt) kaschiert und danach wurde noch eine matte Schutzfolie aufgebracht. Zwei Bohrungen und spezielle in die Bohrungen eingelegte Montagehaken vervollständigen das Geburtstagsgeschenk für meinen Vater von seinen Kindern. Etwa 450 Euro und zwei Tage Zeit.

Über den Jahreswechsel 2017/18 war ich mit meiner Freundin in den Deutschen Alpen mit einem traumhaften Blick nach Österreich. Schrecklicher Empfang für die heutige Zeit: A1, Telekom und Vodafone boten alle nur Edge und unser Wirt sprach immer von diesem mysteriösen WLAN. Mit dem Skilift ging’s nach oben und oben ausgestiegen genoss ich erst mal die Aussicht. Dann zückte ich mein Motorola Moto G3 (13 Megapixel-Kamera) und schoss rundum ein paar Fotos.

Ein paar Tage später fanden wir im Ort einen Kasten mit der Aufschrift “Bayern-WLAN (kostenlos)” und loggten uns spaßeshalber ein. Fünf Minuten später, beim Einsteigen in den Bus Richtung Alltag, meldete sich Google Fotos bei mir, mein neues Panorama sei jetzt fertig (Zur Klarstellung: Mein subjektives Nutzungsverhalten war Einloggen, Nachrichten lesen, in den Bus steigen. Offenbar wurden im Hintergrund auch Daten synchronisiert, denn auch Spotify hatte neue Offlinelieder verfügbar.) Nach dem Urlaub bemühte ich eine Onlinedruckerei, die solche Bilder direkt auf Hartschaumplatte druckt. Während der Lieferzeit von immerhin einer Woche (mit Expresszuschlag auch nur ein Tag, aber ich bin ja noch entschleunigt) werden im Baumarkt ein paar Klebehaken für Spiegel besorgt und dann wird das 3 m lange und 80 cm hohe Panorama aufgehängt. Etwa 70 Euro und kaum messbar Zeit.

(Marian Ritter)