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5 Dinge, die das Stadtmagazin Dates bei #blockMD falsch gemacht hat

Twitterinterviews sind beliebt, gehen schnell und sind kurzweilig. Über den Sinn und Unsinn von solche Frage-Antwort-Spielen in 140 Zeichen kann man sicherlich streiten - nicht aber über den Inhalt und die Nachnutzung dieser Interviews.

Das Magdeburger Stadtmagazin Dates hat in seiner Februarausgabe ein Twitterinterview mit Robert Fietzke, Jugendkoordinator der Linksjugend [‘solid] und Mitinitiator des Blockadebündnisses #blockMD, abgedruckt. Dieses Bündnis hatte sich mehr oder weniger nach dem Neonaziaufmarsch 2013 gegründet, um mit einem breiten bürgerlichen Spektrum den folgenden Aufmarsch am 18. Januar 2014 zu blockieren.

Als ich den Abdruck in der aktuellen Ausgabe des Dates entdeckt habe, ist mir vor Schreck das Smartphone auf die Zeitschrift gefallen. Wieso, das möchte ich mit dieser Liste verdeutlichen.

1. “Ziviler Ungehorsam braucht Öffentlichkeit”, das Dates liefert diese nicht.
Wer die Geschichte des Magdeburger Neonaziaufmarsches und die mediale Berichterstattung in den vergangenen Jahren verfolgt hat, dem wird aufgefallen sein, dass sich das Dates dabei nie wirklich mit Ruhm bekleckert hat. In der Januar-Ausgabe sucht man vergeblich nach Aufrufen oder Berichten über die Meile der Demokratie, die Blockadebündnisse und die zahlreichen bunten Aktionen, die am 18. Januar 2014 geplant waren (Das läuft seit Jahren so. Lediglich die Kolumne “Stadtläufer” beschäftigte sich damit). Die Überschrift des “Artikels” ist pure Ironie und zeugt von einer Doppelmoral.

2. Wenn das Thema zu komplex ist, dann nimm kein Twitter-Interview.

Robert Fietzke sagt selbst, dass die umfängliche Antwort einfach nicht möglich ist. Und er hat Recht. Gerade bei einem Thema, das sehr umfangreich und komplex ist, wäre alles besser gewesen als ein Interview auf Twitter. Daran erkennt man aber auch die Unkenntnis (und das Desinteresse?) des Redaktion an den Thematik an sich. Kritische Fragen bleiben aus (es gibt ja noch die Meile der Demokratie und das Bündnis Magdeburg Nazifrei), Zusammenhänge in der Entwicklung des Neonaziaufmarsches spielen keine Rolle.

3. Twitter-Interviews sollen schnell viele Menschen erreichen. Dann sollte man sie auch so führen.

Auch wenn der Twitterkanal @dates_md über 1.400 Follower und über 1.300 Tweets zählt, ist er doch nur ein verkrüppelter Ausspielweg für Facebookposts. Das Twitterinterview hat also möglicherweise auch das Ziel verfolgt, den Kanal bekannter zu machen und ihn typisch zu verwenden. Dass Tweets, die mit einen @ beginnen, jedoch nur von Followern gelesen werden, die auch Robert Fietzke folgen, war dem Fragensteller offenbar nicht bekannt (Robert aber offensichtlich auch nicht). Die Reichweite dürfte sich deshalb eher in Grenzen gehalten haben.

4. Man druckt keine Twitter-Interviews ab.
Das Dates hat das Twitter-Interview im Layout abgedruckt. The internet goes print? Wenn man dem Thema im Nachklapp eine Seite einräumt, dann kann man den doch inhaltlich nutzen und einen guten Artikel schreiben (oder einen Kommentar oder ein “richtiges” Interview führen). Durch die Form des abgedruckten Interviews übernimmt man von dieser Art des Gesprächs doch nur die Nachteile (Kürze, Layout). Das unterstreicht die Bewerbung des eigenen Twitterkanals und nicht die Wichtigkeit des Themas.

5. Man kann sich über Beteiligung freuen. Aber dann sollte man etwas dazu beitragen.

Die “Zahl des Monats” ist 12.000. Auch in der ersten Frage zum Interview taucht diese Zahl auf. Es scheint so, als sei die Redaktion mächtig stolz darauf, dass so viele (?) Magdeburger auf die Straße gegangen sind, um zu zeigen, dass die Stadt bunt ist. Aber mit der Unterstützung des Dates hätten es mehr sein können. Es ist das älteste Stadtmagazin Magdeburgs mit einer riesigen großen Reichweite. Alle möglichen Menschen lesen es. Dann sollte man sich aber auch unbedingt einen Standpunkt erlauben. Und eben nicht erst nach einem Event darüber berichten. Das machen sie zum Prinzzclub-Geburtstag doch auch nicht. Aber vielleicht ist das Fietzke-Interview auch deswegen in der Rubrik “Eulenspiegel” abgedruckt, die laut Impressum “Satire im Sinne des Pressegesetzes” ist.

Macht mit, macht’s nach, macht’s besser.
Es wird Zeit, dass sich das Dates positioniert. Jahrelang versteckte sich die Meile der Demokratie im Terminteil des Heftes. Jahrelang wurde nicht zum Gegenprotest aufgerufen. Jahrelang wurde im Dates lieber Party gefeiert, statt sich mit dem möglicherweise wichtigsten Tag des Magdeburger Jahres zu beschäftigen.

Mensch, Jungs und Mädels vom Dates, habt doch mal Mut. Ruft zu Blockaden auf oder wenigstens zur Meile der Demokratie. Berichtet im Vorfeld über Bündnisse und all die tollen Menschen, die ihre Freizeit für ein buntes Magdeburg hergeben. Ihr seid die Öffentlichkeit, die ziviler Ungehorsam braucht. Ihr habt eine Verantwortung. Eure Leser verkraften das schon, wenn weniger Utz-Utz und mehr Meinung im Heft auftaucht. Also los: Macht mit, macht’s nach, macht’s besser.