lebenswillen

anonymous asked:

Was ist deine größte Angst?

Meine größte Angst ist, ihn zu verlieren.
Ob es durch meine schwierige Art ist, mit der ich schon so viel kaputt gemacht habe.
Ob er eines morgens aufwacht und feststellt, dass er mich nicht mehr liebt.
Oder er seinen Lebenswillen endgültig verliert.
Egal wie, ich könnte es nicht verkraften.
Er ist mein Leben und wenn ich ihn verliere, verliere ich auch einen sehr großen Teil von mir selbst.

Für mich

waren Bücher immer Zufluchtsorte. Geheime Orte, schöne Geschichten, spannende Abenteuer, in die ich versinken konnte. Welten, in denen es mir gut ging, in denen ich nie traurig war. Doch dieses Buch hat alles verändert. Dieses Buch ist weder ein Zufluchtsort noch hat es eine schöne Geschichte.
Die Geschichte erzählt von zwei jungen Menschen, die sich gemeinsam das Leben nehmen wollen und das Buch zählt die Tage bis zum Suizid gnadenlos herunter. Doch der springende Punkt ist, dass ich mich in keine Traumwelt retten konnte, ich habe mich viel mehr mit den Protagonisten identifiziert. Das Mädchen hat die Gefühle und Gedanken ausgesprochen, die quer verteilt durch meinen Kopf geschwommen sind. Die Eltern haben so reagiert, wie meine Eltern vermutlich auch reagieren würden.
Das Buch hat mir gezeigt, dass man trotz schwarzer Qualle im Bauch neuen Lebenswillen schöpfen kann und das Leben doch vielleicht etwas Schönes entgegenbringt. Auch, dass Selbstmord nicht bedeutet, dass meine Probleme verschwinden oder eine Option ist, die man mal so eben durchziehen kann, auch mit genug Vorlaufzeit und Planung.
Ich weiß nun, dass schwarze Quallen behandelbar sind oder zumindest minimierbar. In meiner jetzigen Verfassung möchte ich zwar nicht mit jemandem über das reden, was sich in mir abspielt, aber ich denke, dass ich versuchen sollte, Bücher oder anderes nicht als Zufluchtsort zu sehen sondern als Welten, in die ich sowohl traurig, als auch glücklich eintauchen kann.
Denn sonst hört meine Traurigkeit wohl nie auf.

Er war erwachsen für sein Alter,

sagten sie und meinten es als Kompliment. Doch sie sahen nicht, dass erwachsen sein in seinem Fall nur Resignation vor der Schlechtigkeit der Welt war.

Er hätte noch Kind sein können, hätte naiv und verletzlich durch diese Welt gehen können - nur noch für eine kurze Weile. Doch man ließ ihn nicht.

Heute sieht man in seinen Augen keinen Lebenswillen mehr. Man nimmt seine Hand und wünschte sich man hätte ihn beschützen können.

Heute zeugen die leichten Falten um seinen Mund von Verbissenheit, nicht von ausgelassenem Lachen.

Du siehst ihn an und weißt: Er hat den Glauben verloren.

Den Glauben an das Gute, das Größere, das Leben.

Und du siehst dich selbst in ihm.

anonymous asked:

Ich hoffe und glaube, dass du es schaffen wirst, dass es dir wieder besser gehen wird

Danke, das ist echt lieb von dir. Aber ich existiere jetzt schon ganz viele Jahre mit der Krankheit. Und auch wenn ich noch kämpfe, ich habe resigniert. Wenn nichts hilft und es nur immer schlimmer und schlimmer wird, verliert man leider irgendwann alle Hoffnung und den Lebenswillen.