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Tumblr-User im Blickpunkt: Stefan Streck von the MICRONAUT

In unserem User-Interview stellen wir euch heute Stefan vor, der unter dem Künstlernamen the Micronaut auf unterschiedliche Art und Weise unterschiedliche Musik macht. Stefan kommt eigentlich aus Marlow bei Rostock, lebt aber seit 2008 in Leipzig. Am 9. Dezember erscheint sein drittes Album „FORMS“ auf ACKER Records. Wenn er nicht gerade Musik macht,  guckt er supergern Filme, spiel viel Tischtennis und fährt im Sommer regelmäßig an den Kulkwitzer See schwimmen .

Erzähl mal ein bisschen was über deine musikalische Sozialisation. Was hast du früher gehört oder gespielt, und wie bist du zur elektronischen Musik gekommen?

Okay, ich versuche das kurz. Ich denke, dass die Sendung 120 Minutes auf MTV meinen Horizont extrem erweitert hat und Bands wie Sonic Youth, Helmet, Dinosaur Jr., My Bloody Valentine, Stereolab oder Bad Religion prägend für mich waren. Zu diesem Zeitpunkt hatte ich auch angefangen Gitarre zu üben und über zehn Jahre in Hardcore- und Grindcore- Bands gespielt. Wir waren sehr oft auf Tour und haben viele Länder gesehen und das auf einem Level, das mit „erfolgreich sein“ gar nichts zu tun hatte. Darum ging es auch nie, aber wir konnten uns mit der Musik ausdrücken, und das bedeutet alles. Nur zufällig bin ich auf einer Technoparty gelandet, ich hab auf meine Freunde gewartet. Weil ich nix damit anfangen konnte, bin ich auf den kleinen, versteckten Floor gegangen. Da hab ich zum ersten Mal JUNGLE gehört, eine Offenbarung. Roni Size und Breakbeat Era, das werd ich niemals vergessen. Irgendwann hab ich dann auch angefangen, Drum’n’Bass aufzulegen, und wir hatten über viele Jahre eine Partyreihe „BassBombUnit“. Es war nie so, dass ich dann das eine besser fand als das andere. Ich hab mich einfach für Musik interessiert, und es hat mir bis heute viel gegeben. Ich hab meine musikalischen Helden von damals, und die behalte ich auch. Ich denke, dass die Zeit mit den „Krachbands“ sehr viel mit mir gemacht hat. Wenn andere Sachen daneben gelaufen sind und auch einiges uncool war – sobald ich Musik gemacht hab, war meine kleine Welt in Ordnung. Ich glaube, wenn man etwas hat, das man mit Leidenschaft macht, hat man einen großen Teil zum Glücklichsein gefunden.

Was kann man von deinen Sets erwarten? Was legst du am liebsten auf?

In erster Linie, ist es mir wichtig, die Zuhörer zu überraschen. Auf keinen Fall werde ich mich den anderen Musikern des Abends anpassen. Ich möchte, dass es eigenwillig, verspielt und verträumt, aber auch dynamisch und kraftvoll klingt. Ernsthaft, nicht albern. Es muss einfach bedeutungsvoll für mich selbst sein, und das kann es nur, wenn ich mutig genug bin, um vieles auszuprobieren.  

Was leg ich am liebsten auf? Grob gesagt, muss ich einen Track „sexy“ finden. Das zu beschreiben, ist schwieriger. Es sind Tracks, bei denen ich Bilder im Kopf hab, die mir eine Geschichte erzählen, und die Verschachtelung von Beats und Harmonien muss so ineinander greifen, dass ein interessanter Groove entsteht. Oftmals lassen sich solche Lieder schwer mixen, weil viele Informationen drin enthalten sind, aber einfach nur Tools und Loops auflegen berührt mich gar nicht.

Hast du zuerst aufgelegt oder produziert? Was davon machst du lieber?

Das Wort „produzieren“ klingt für damals zu groß. Es war immer einfach nur Musikmachen. Ich hab so viele Jahre in Bands gespielt, dadurch war Musikmachen früher da. Als ich dann anfing Platten zu drehen, wollte ich auch wissen, wie man diese Musik erzeugt, und ein Freund zeigte mir CUBASE, das Programm, mit dem ich heute noch Musik mach.

Produzieren steht für mich mit LIVE spielen auf einer Seite, und auf der anderen steht auflegen, also DJ-Sets. Wenn ich LIVE spiele, ist das auch eine Art produzieren. Es gibt natürlich vorgefertigte Loops, aber einiges entsteht auch im Moment, und Tracks werden neu arrangiert oder brechen aus und es entsteht was Neues – etwas, das ich nicht rekonstruieren kann. Darum produzier ich lieber, weil es auch mehr ein Teil von mir ist, als Tracks von anderen aufzulegen, was aber auch total Spaß macht.

Welche DJs und/oder Produzenten findest du aktuell am besten?

Bei den Produzenten hab ich einige „all time favourites“, aber momentan: Die beiden Leipziger DUKTUS und RANKO finde ich superphat. In meinen DJ-Sets spiel ich gerade gern Tracks von Asusu, Kowton, Answer Code Request, Koreless, A Made Up Sound, Martyn, Mooryc – na ja, das reicht erstmal, ich finde sonst kein Ende.

Du hast dieses Jahr u. a. auf der Fusion gespielt – wie war es und wann/auf welchem Floor hast du aufgelegt? Wo hast du bisher die für dich besten Sets gespielt?

Ja, die Fusion ist immer eine abenteuerliche Spielwiese. Dieses Jahr hatte ich einen DJ-Slot, sonst hab ich dort live gespielt. Mein Set war Freitag auf der Seebühne. Die Fusion insgesamt ist natürlich megagroß, aber jeder Stage für sich ist überschaubar. Jede Bühne hat ihre Crew, und bei der Seebühne arbeiten die Telekollegen und die 3000Grad- Family, dadurch ist der Ort auch vertraut und ein Stück weit Homebase.

Die besten Sets, das ist schwierig, dazu müsste ich mich auch an die nicht so guten Sets erinnern, und das vergesse ich immer schnell. Aber in diesem Jahr waren, bis jetzt, das INTRO Festival, KIFF in Aarau, Tankstell in St. Gallen und auch Palette in Rostock besondere Orte, an denen alles gepasst hat. Wenn ich mich wohl fühle, die Leute herzlich sind und technisch alles passt, kann ich auch 100% geben.

Kommende Termine von the MICRONAUT:

16.09. Berlin / ASTRA

17.09. Leipzig / RADIO BLAU (DJ SET)

24.09. t.b.a.

01.10. Leipzig / TIPI Opening

29.10. Karlsruhe / WELCOMESESSION

17.11. Tübingen / Schlachthaus

16.12. Leipzig / Distillery

17.12. Rostock / Möckelsaal