27. Juli 2016 | Hamburg Underground

Des Menschen bester Freund

Ein ungepflegter, ungewaschener und einen süßlichen Duft nach sich ziehender Mann betritt mit seinem Hund den Waggon und setzt sich mir gegenüber neben einen weiteren Fahrgast, der einen Pullover eines irischen Folkloretanzclubs trägt. Ich nenne ihn „den Iren“. Der Mann nimmt seinen vierbeinigen Freund auf den Schoß, wo dieser mit wackeligen Beinen auf den Oberschenkeln balanciert. Und den Iren mustert.

Der Ire schaut zurück. Ein Lächeln stiehlt sich auf seine Lippen und dann streckt er vorsichtig die Hand aus, an die Nase des Hundes. Der Hund schnuppert. Das Herrchen beobachtet die Szene wohlwollend.

„Haben Sie auch Hund oder Katze?“, fragt er den Iren.

„Ich hatte eine Katze.“

„Hatte? Schon länger her oder…?“

„Die ist vor drei Wochen gestorben.“

„Oh… Und wollen Sie sich eine neue holen?“

„Nein.“

„Verstehe. Ich hatte ja vor ihr auch einen anderen Hund. Fünfzehn Jahre lang. Den musste ich einschläfern lassen.“

„War bei meiner Katze auch so.“

Die beiden schweigen nachdenklich, während der Hund die Finger des Iren leckt.

„Vielleicht riecht sie noch die Katze.“ Die beiden Männer lachen kurz.

Der Ire schnalzt mit der Zunge und klatscht mit der Hand auf seinen Oberschenkel, um den Hund zu sich zu locken. Im Rhythmus der Bahn schaukelt das Tier auf dem Schoß seines Herrchens und inspiziert den Schoß des Fremden.

„Das ist ihr doch nicht ganz geheuer“, lacht das Herrchen.

Der Ire streckt den Arm aus und krault den Hund ausgiebig, liebkost mit den Fingern den Hals und hält dem Tier auch seinen Hals hin. Der Hund schiebt die Schnauze hinter das Ohr. Der Ire lächelt glücklich.

Die Augen des Herrchens verfolgen die Bewegungen des Hundes weiterhin mit gütigem Blick, seine rechte Hand umklammert die Leine, die andere Hand stabilisiert das Tier auf seinen Oberschenkeln.

Und als er etwas später mit seiner treuen Gefährtin aussteigt, habe ich das Gefühl, ein melancholischer Schatten legt sich auf das Gesicht des Iren, während die Stimme des Herrchens, die den Hund zum Ausgang dirigiert, einen noch zärtlicheren Ton bekommen hat.

Endlose Energiequelle

Katzen landen bekanntlich immer auf den Füßen, Butterbrot hingegen landet immer auf der Butterseite. Wenn man also einer Katze ein Butterbrot auf den Rücken bindet und sie dann an einen Generator anschließt, hat man eine endlose Energiequelle. Jetzt brauche ich nur noch eine Katze….