josien

josien..
i’ve sent you like a trillion omfg you havent got any of them?? um ok i’ve sent you another one. I thought you hated me or something and was just ignoring me :/(

Verzauberte Tage im Château.

Nach vielen turbulenten Tagen, in denen wir von Ort zu Ort gereist waren, kamen wir nun bei Josien und Bert im Chateau de la Coutancierge in Brain-sur-Allonnes im Pays-de-Loire an. 

Junis hatte die beiden vor drei Jahren über das Portal „HelpX“ kennengelernt und damals zwei Wochen im Château verbracht. Sie hatte mir bereits im Vorfeld mit großer Begeisterung von der damaligen Zeit und dem Schloss mit seinen liebenswürdigen Bewohnern berichtet. Ich war also schon sehr gespannt. Als wir ankamen, wurde ich sofort von der Euphorie und Begeisterung für dieses kleine Schloss gepackt, die ich davor schon bei Junis beobachten konnte. Diesen Ort kann man nicht anders beschreiben, als dass er einen von der ersten Minute an mit seinem Charme in seinen Bann zieht und in eine andere Welt verzaubert. Hier scheint die Zeit still zu stehen und das eigene Zuhause so unendlich weit entfernt.

Wir wurden sofort bei der Ankunft ganz aufgeregt von „Roger the Dog“ begrüßt und genauso herzlich von Josien und Bert in Empfang genommen. Roger schien uns sofort, nachdem wir ein- zweimal ein Stöckchen geworfen hatten, in sein Herz geschlossen zu haben. Zumindest wich er uns kaum mehr von der Seite. Zum abendlichen Empfang gab es Spaghetti Bolognese an einem großen Holztisch im Schlossgarten. Hier sollten wir auch die folgenden Tage noch häufig in geselliger Runde bei Wine, Cheese und den besten von Josienes selbst gemachten Köstlichkeiten sitzen und das wundervolle Château-Leben genießen.

Das Konzept unseres Aufenthaltes war einfach: wir halfen bei allen möglichen Aufgaben, die in solch einem Schlosshotelbetrieb anfallen, mit, und durften dafür diesen wunderschönen Ort mit diesen inspirierenden herzlichen Menschen genießen.

Und wir waren froh, nach einer langen Zeit, in der wir einfach nur in den Tag gelebt hatten, wieder mal einen etwas strukturierteren Tagesablauf und ein paar Aufgaben zu haben. Der Tag begann für gewöhnlich um 7 Uhr morgens, als unser Wecker klingelte. Dusche, frisch machen, auf zum Frühstück mit den anderen Helpern (insgesamt waren wir vier Mädchen und ein Junge – Junis und ich aus Deutschland, Cecile aus Holland, Nicole aus Italien und Calvin von den Fiji-Inseln). Zwischen halb neun und neun begann dann die Arbeit im Château. 

Frühstück für die Gäste servieren, Geschirr abwaschen, Wäsche bügeln (die Doppel-Spannbettlaken treiben einen fast in den Wahnsinn!), die Zimmer putzen und aufräumen. Da wir aber das Meiste gemeinsam erledigten, verging die Zeit wie im Flug. Insbesondere das Herrichten und sauber machen der Räume war immer von Lachen, Schwatzen und höchst zufriedenen Kommentaren über unsere eigene Arbeit begleitet. Es machte Spaß, am Ende des Tages durch das Schloss zu gehen und ein Teil davon zu sein. Es hat uns schon etwas mit stolz erfüllt, zu sehen, was wir geschafft hatten und dafür gesorgt hatten, dass es so schön aussieht und sich jeder wohl fühlt.

Das Leben im Schloss fühlte sich an, wie in einer neuen kleinen Familie anzukommen. Das gemeinsame Beisammensein, insbesondere auch mit Josien, die eine unglaublich beeindruckende Frau ist, gab uns das Gefühl, angekommen zu sein. Wir wurden nach unserer Arbeitszeit (halb 9 bis 12 Uhr) jeden Tag von Josien für unsere Arbeit belohnt und in den höchsten Tönen gelobt. Josien, selbst von morgens um 6 Uhr bis nachts um Mitternacht oder auch später arbeitend, war immer darum besorgt, dass es uns gut geht und wir auch bestens mit allem versorgt waren, was wir brauchten. Ich glaube, ich habe selten jemanden mit so viel Liebe und Leidenschaft, aber auch so hart arbeiten sehen. Josien sagte Abends häufig mit einem müden, aber lächelnden Auge „Es ist nicht einfach, die Chateau-Dame zu sein“. Und das stellte sie jeden Tag wieder unter Beweis. Sie kümmerte sich von morgens in der Früh bis Abends spät darum, dass sich jeder wohl fühlte – von den Hotelgästen über die Helper bis hin zu Roger the Dog. Nur Josien selbst fand nur sehr wenig Zeit für sich. Josien backte und kochte die köstlichsten Leckereien – angefangen von leckeren Quiches über Vanillecremetörtchen und Limonentarte bis hin zur berüchtigten moelleux au chocolat (halbflüssiger Schokoladenkuchen), die uns das Leben nach allen Regeln der Kunst versüßten. 

Wir waren uns sicher: So muss das Paradies sein. Dank ihr war hier jeder Tag ein Tag wie im Schlaraffenland. Wir durften nachmittags unsere Zeit darauf verwenden, am Pool im Schlossgarten zu entspannen, Spaziergänge zu machen oder durften Josien in der Küche helfen, wo sie uns ihre köstlichen Rezepte verriet, die sie den Gästen immer als „Geheimnis des Küchenchefs“ vorenthielt.

Ich glaube, das Schloss ist der zauberhafteste und romantischste Ort, den ich je für eine Zeit lang bewohnen durfte. Das Schloss hat einen ganz besonderen Charme mit seinen alten Möbeln und der majestätischen Einrichtung. Dennoch strahlt es eine wohlige Wärme und Gemütlichkeit aus, dass man sich von Beginn an wohl und wie „Zuhause angekommen“ fühlt. Jeder Raum in diesem Schloss hat seine ganz eigene Natur, alles ist mit viel Liebe zum Detail eingerichtet und es macht allein schon Freude, nur andächtig durch die Räume zu schlendern und alles zu betrachten. In einem kleinen Kästchen im „Gentlemens Room“ findet man sogar noch Briefe von ehemaligen Schlossbewohnern, die versteckt in einer Mauer gefunden wurden und aus einer Zeit stammen, die schon lange her sein muss.  Die Atmosphäre dieses Schlosses zeugt von einer längst vergessenen Zeit, in der noch Herrschaften durch diese Räume schritten und ihr Leben dort verbrachten. Josien – sonst eigentlich eine eher toughe Geschäftsfrau – erzählte uns davon, dass der Geist von DeBussy noch durch die Räume schleicht. Dieser Ritter schien wohl in einem Duell um seine Herzensdame im Vorgarten des Schlosses umgekommen zu sein und soll noch heute durch die Räume streifen und auf seine Geliebte warten. Ausgerechnet der Raum im Hotel, der nach seinem Namen trägt, ist besonders schwer zu schließen und Josien bemerkte mit einem Augenzwinkern, dass er schöne Frauen wohl besonders möge und er wohl nicht wolle, dass wir gehen. :-)

Und ja, wir wollten auch nicht gehen. Deshalb blieben wir einfach zwei Tage länger als geplant und verspürten eine bittersüße Traurigkeit, an diesem Ort gewesen sein zu dürfen und ihn aber auch wieder verlassen zu müssen.

So wie Hermann Hesse bereits das Zusammenspiel aus Schwere und Leichtigkeit des Abschieds perfekt in seinem Gedicht „Stufen“ umschrieben hat:


„Es muß das Herz bei jedem Lebensrufe
 

Bereit zum Abschied sein und Neubeginne, 


Um sich in Tapferkeit und ohne Trauern
 

In andre, neue Bindungen zu geben.


Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne,


Der uns beschützt und der uns hilft, zu leben.“


Und ja, wir haben uns versprochen, für den Moment Abschied zu nehmen, aber hierher zu einem anderen Zeitpunkt wieder zurück zu finden, um uns dann wieder aufs Neue verzaubern zu lassen.

J/T