insgeheim

Sie lachte damals so viel.
Wenn sie lachte sah man kleine, niedliche Grübchen an ihren Mundwinkeln, ihre Augen funkelten und sie brauchte nicht einmal ein Wort zu sagen um den ganzen Raum mit Positiver Stimmung zu erfüllen.
Man wusste nicht wieso, doch man lachte einfach mit, es war wie ein stummer, alter Zauberspruch der alle verzauberte.
Sie war immer so fröhlich und vollkommen, dass man garnicht mehr merkte wie sehr sie sich veränderte.
Ja, sie lachte.
Darum ging es uns doch, oder? Schließlich lachte sie… Doch insgeheim bemerkten wir das ihre Augen dunkler, leerer, trauriger und müde wurden. Ja, sie wurden so unendlich müde..
Ihre funkelnden Augen waren ausdrucksloser, was dachte sie bloß wenn sie einen so anblickte? Blickte sie überhaupt uns an oder starrte sie durch uns durch? Dachte sie überhaupt? Hat sie überhaupt gemerkt wie kaputt sie wurde? Bestimmt, da war ich mir sicher.
Doch sie zeigte niemanden von ihren seelischen Narben, wir sahen nur in ihre Augen…. und irgendwann merkten wir auch das hinter ihrer Freundlichkeit Hass verborgen lag… Aber erst später, viel später als sie allmählich dünner und blasser wurde und immer mehr begann zu sterben…
Wir sahen das sie es war, die sie trotz ihrer Ausstrahlung immer am meisten gehasst hatte.
Doch wir wollten sie immer wieder sehen, wir wollten immer das Mädchen in ihr sehen das alle so verzauberte, und wir redeten uns ein das sie immer noch dieses Mädchen sei.
Wahrscheinlich war das der größte Fehler daran.
—  Me
Heute gehen wir nur noch aneinander vorbei und schauen uns an mit einem ausdruckslosen Blick. Diesen Blick kann man nicht deuten, es ist einfach ein starrer, leerer Blick. Wir schauen uns an, als hätten wir uns nie gekannt. Als wüssten wir nicht wer der andere ist. Doch insgeheim wissen wir das ganz genau. Oder vielleicht doch nur ich. Vielleicht hast du mich schon längst vergessen und weißt wirklich nicht mehr wer ich bin.
—  wolkenschleier.
Ich kann Leuten unfassbar gut etwas vormachen. Ich kann ihnen eiskalt ins Gesicht lügen, ohne dass sie etwas bemerken. Ich lüge täglich bei den simpelsten Dingen und schaffe es oft geschickt, mich aus meiner Schuld zu winden, indem ich wirre Erklärungen und Ausreden erfinde. Wenn ich will, kann ich gut lügen. So ist es auch mit meiner Maske. Wenn ihr nicht merkt, dass es mir schlecht geht, dann sollt ihr es auch nicht merken. Und wenn ich entweder mit trauriger/erstarrter Miene vor euch stehe oder so übertrieben unecht lache, dass es selbst einem Blinden auffallen würde, dann könnt ihr euch sicher sein, dass ich euch insgeheim um Hilfe anflehe, auch wenn ich sage, es sei “alles gut” oder es “ist nichts”. Insgeheim hoffe ich dann immer, dass ihr mich an den Schultern packt, mir direkt fest in die Augen seht und verlangt, dass ich mit der Sprache rausrücken soll, nur leider passiert sowas nie.
—  Gedanken

Jeder hat Geheimnisse. Jeder. Es gibt keinen Menschen, der keine mit sich schleppt. Dabei spielt es keine Rolle, um welche Art von Geheimnis es sich hierbei handelt. Es gibt kleine Geheimnisse, solche, über die man schweigt, weil es einem peinlich ist. Vielleicht welche aus der Kindheit, über die man insgeheim lacht, aber sie trotzdem keinem erzählt. Und dann gibt es noch große Geheimnisse. Zerstörerische, grausame, belastende. Das sind Geheimnisse, die dich immer wieder heimsuchen, die dich nicht zur Ruhe kommen lassen. Man versucht so gut es geht zu verdrängen, aber oftmals reicht eine kleine Erinnerung aus, um die Welt wieder ins Wanken zu bringen. Diese Geheimnisse können ganze Familien zerstören, sie können alles durcheinander bringen. Sie können dafür sorgen, dass man die gesamte Vergangenheit in Frage stellt und plötzlich vor einer ungewissen Zukunft steht. Sie können solch ein Chaos hervorrufen, dass man allein beim Gedanken daran zu zittern beginnt. Man schämt sich, macht sich Schuldgefühle. Man hat Angst. Angst auf Ungläubigkeit zu stoßen. Und deshalb schweigt man. Man nimmt diese Geheimnisse mit ins Grab. Einfach, weil es besser so ist.