insgeheim

Sie lachte damals so viel.
Wenn sie lachte sah man kleine, niedliche Grübchen an ihren Mundwinkeln, ihre Augen funkelten und sie brauchte nicht einmal ein Wort zu sagen um den ganzen Raum mit Positiver Stimmung zu erfüllen.
Man wusste nicht wieso, doch man lachte einfach mit, es war wie ein stummer, alter Zauberspruch der alle verzauberte.
Sie war immer so fröhlich und vollkommen, dass man garnicht mehr merkte wie sehr sie sich veränderte.
Ja, sie lachte.
Darum ging es uns doch, oder? Schließlich lachte sie… Doch insgeheim bemerkten wir das ihre Augen dunkler, leerer, trauriger und müde wurden. Ja, sie wurden so unendlich müde..
Ihre funkelnden Augen waren ausdrucksloser, was dachte sie bloß wenn sie einen so anblickte? Blickte sie überhaupt uns an oder starrte sie durch uns durch? Dachte sie überhaupt? Hat sie überhaupt gemerkt wie kaputt sie wurde? Bestimmt, da war ich mir sicher.
Doch sie zeigte niemanden von ihren seelischen Narben, wir sahen nur in ihre Augen…. und irgendwann merkten wir auch das hinter ihrer Freundlichkeit Hass verborgen lag… Aber erst später, viel später als sie allmählich dünner und blasser wurde und immer mehr begann zu sterben…
Wir sahen das sie es war, die sie trotz ihrer Ausstrahlung immer am meisten gehasst hatte.
Doch wir wollten sie immer wieder sehen, wir wollten immer das Mädchen in ihr sehen das alle so verzauberte, und wir redeten uns ein das sie immer noch dieses Mädchen sei.
Wahrscheinlich war das der größte Fehler daran.
—  Me
Heute gehen wir nur noch aneinander vorbei und schauen uns an mit einem ausdruckslosen Blick. Diesen Blick kann man nicht deuten, es ist einfach ein starrer, leerer Blick. Wir schauen uns an, als hätten wir uns nie gekannt. Als wüssten wir nicht wer der andere ist. Doch insgeheim wissen wir das ganz genau. Oder vielleicht doch nur ich. Vielleicht hast du mich schon längst vergessen und weißt wirklich nicht mehr wer ich bin.
—  wolkenschleier.
Die Grenzen der Phantasie

Ich war vielleicht 16 als ich meiner Großmutter - damals meine einzige Vertraute - verriet, dass ich Schriftstellerin werden wolle. Es kostete mich einige Überwindung, etwas derart Vermessenes auszusprechen, zu behaupten, ich hätte etwas zu sagen, obwohl ich doch immer geschwiegen hatte und mehr als einmal in Tränen ausgebrochen war, als man mich zwingen wollte, etwas zu sagen. Sie erkannte die Anmaßung in diesem Wunsch sofort und fragte, was ich denn schon zu erzählen hätte, ich hätte doch gar nichts erlebt. Mein Herz ballte sich in meiner Brust zur Faust und ich schwieg, wie ich immer geschwiegen hatte, besonders wenn mich etwas verletzte.

Ich dachte damals, dass es keine Sache der Erfahrung sei, ob ich etwas zu sagen habe. Wie alle Jugendlichen war ich mir sicher, dass es aufs Alter nicht ankomme, und dass auch auf dem Boden der Harmlosigkeit die kompliziertesten Empfindungen wachsen können. Insgeheim aber wünschte ich mir ein schwierigeres Leben, ein paar Schicksalsschläge, tote Angehörige vielleicht, denn viel weiter reichte meine Phantasie nicht. Erst mit den Jahren lerne ich die Erfahrungen zu schätzen, die ich machen durfte. Und zuweilen schleicht sich sogar ein gewisser Respekt vor den Erfahrungen anderer ein. Die Figuren, die ich mir mit 16 ausdachte, waren Figuren, die wie in einer Kiste lebten und den Schorf von den Wunden kratzten, die sie sich selbst zugefügt hatten. Ihr Erleben beschränkte sich auf das Abschreiten der winzigen Fläche, die ihr Schädel umgrenzte. Es waren Figuren in der Blüte ihrer Verzweiflung. Sie endeten an meinem Horizont. 

Irgendwann las ich im Internet einen Text über eine Geburt. Sie war aus der Sicht des Erzeugers geschrieben und sie handelte von dem Befremden, das er dabei empfand. Und es brauchte keine drei Sätze, um zu wissen, dass der Verfasser keine Kinder hat, dass das Geschehen am Schreibtisch entworfen worden war, dass er Kinder höchstens von weitem gesehen hatte. Und ich begriff: wenn wir etwas nicht selbst wenigstens ansatzweise erlebt haben, können wir nicht viel mehr als blutlose Klischees darüber verfassen. Weil wir bestimmte Dinge einfach nicht zu fassen bekommen, solange sie uns fremd sind.   

MCMarc von Rewi #48
  • Rewi:Freunde wir haben auf Twitter gefragt unter #Dewi könnt ihr uns fragen stelln.
  • Dner:Der Hashtag ist Dewi und der Hashtag geht davon aus das wir in insgeheim eine Beziehung führen und uns selbst dabei Dewi nenn, das ist nur der Shipping Name einfach. Aber in wirklichkeit hassen wir uns also Rewi und ich.
  • Rewi:Führn wir keine Beziehung?
  • Dner:Ne, wir führn keine Beziehung.
  • Rewi:Musst dus jetzt direkt am anfang kaputt machen?
  • Dner:Ey wir führn eine Beziehung!
  • Rewi:Also ich dachte halt schon das wirirgendwie verliebt sind.
  • Dner:Ja ich weiß, irgendwie.
  • Der arme Izzi und der arme Rotpilz...
Die Lücke zwischen zwei Menschen, die man Liebe nennt

Sie hatte es sich schon unzählige Male vorgenommen, nicht mehr mit ihm zu schlafen, aber wenn er dann wieder vor ihr stand mit all seinen Haaren und diesem vertrauten Geruch, wurde sie immer wieder schwach. Sie wusste, sie wurde zu Butter wenn er das Richtige sagte oder sie in einem dieser Momente an sich zog. Erst ein paar Tage später, wenn sich nichts geändert hatte, wenn es wieder still blieb zwischen ihnen, würden die Tage an Farbe verlieren und die Einsamkeit würde ihre Schritte schwerer machen.

Sie wusste, dass es zu nichts führte und dass er an ihr klebte. ihren Blick verengte, dass diese gelegentlichen Zusammenstöße sie daran hinderten, sich auf jemand anderen einzulassen, jemanden, der besser zu ihr sein würde, der sie wert schätzte, der sie umwarb und sie verstand. Aber sie wusste nicht einmal mehr, ob es das war, was sie eigentlich wollte. Vielleicht mochte sie es insgeheim sogar, dass er sie schlecht behandelt, vielleicht war es ein Teil ihres Minderwertigkeitskomplexes, dass sie sich Männer suchte, die ihr nicht gut taten. 

Und wenn er bei ihr war, leuchtete ihr sofort wieder ein, warum sie so verrückt nach ihm gewesen ist, sogar angefangen hatte, an Seelenverwandtschaft zu glauben, was sie sonst für Quatsch hielt. Er war einer jener Männer mit dunklen Haaren und schönen Zügen, die ein Geheimnis  in sich zu tragen schienen, die auf Partys in der Ecke standen und anders waren als alle anderen, für die der Weltschmerz nicht nur ein Gerücht war. Die Zerschlissenheit seiner Jeans war nicht gekauft, er hatte sie selbst abgenutzt. Und auch wenn sie ihn nie ganz verstand mit seiner Ziellosigkeit und seiner Unfähigkeit, sich für etwas im Leben zu entscheiden (für sie), so fühlte sie sich ihm doch so nah, wie sonst niemandem. Die Bitterkeit und die Enttäuschung der letzten Wochen zerfielen in seinen Armen zu feinem Staub, dann hatte sie das Gefühl vollkommener Geborgenheit und sie dachte: irgendwie ist es das ja auch wert.

Verdrängung

Vor drei Jahren habe ich mir keine Vorstellung davon gemacht, wie das sein wird: Ein Leben mit Kind. Nie habe ich besonders weit in die Zukunft hinein gedacht und geplant. Immer nur die nächsten Wochen im Blick. Zu Beginn der Schwangerschaft noch nicht richtig an ein Kind glauben können, weil die Phantasie nicht so weit reichte, zum Ende hin dann kam die Angst, das winzige Bündel im ersten Moment fallen zu lassen. Zahlreiche schweißnasse Träume. Nie an das Kind gedacht, wie es heranwächst, wie es sein wird, nie an die Schulzeit gedacht. Nie die Frage: Wird der Schulweg für mein Kind genauso grauenhaft sein wie für mich? Voller Angst und Bange? Wird es die Welt als genauso scharfkantig und bösartig empfinden wie ich? Wird es die Mutter, die ich sein werde, mit Unbehagen betrachten und sich insgeheim sagen: so werde ich nie?

Wären meine Gedanken diesen Wegen mit all ihren Verzweigungen hin zu den einzelnen Möglichkeiten und Konsequenzen gefolgt, ich hätte kein Kind bekommen. Sobald die Überlegungen weiterlaufen und jeder möglichen Wendung im Kopf bis zum Ende nachgegangen wird, stirbt der Impuls, jedes Handeln unmöglich, die Verhütungsmethoden werden verdoppelt. Manche Fragen darfst du dir nicht allzu hartnäckig stellen, vor einigen Antworten verschließt du besser die Augen. Eine Grundbedingung des entschlossenen Handelns ist die Verdrängung. Du darfst nicht daran denken, was eine Handlung bewirken und wie weit sie ihre Konsequenzen ausstrecken kann (wie Fühler, Tentakeln, unruhig fassend). Der Blick muss verschwimmen und einer Gleichgültigkeit Platz machen, um vorwärts zu gehen, um leicht zu atmen, um die Schönheit zu sehen, die sich vor deinen Füßen ausbreitet.