indikatoren

Chinesische Zentralbank senkt Mindestreserveanforderungen. Kühlt die chinesische Volkswirtschaft zu stark ab?

Auf jeden Fall eine Nachricht wert: Nachdem die chinesische Notenbank Anfang 2010 begann, die Mindestreserveanforderungen für die Banken zu erhöhen und diesen Kurs bis zum Sommer 2011 gehalten hat (der Satz stieg von 15,5% auf 21,5%), leitet die People’s Bank of China nun wohl die Trendwende ein. Um 50 Basispunkte wurde der Mindestreservesatz auf jetzt 21,0 % gesenkt.

Die Mindestreserveanforderung definiert, wie viel Geld die Banken zwangsweise bei der Notenbank hinterlegen müssen. Dieses Geld fehlt damit den Banken, um es weiter verleihen zu können. Bei einer Erhöhung des Mindestreservesatzes müssen die Banken ihre Kreditvergabe einschränken, bei einer Senkung können sie das Kreditvolumen ausweiten. Die Mindestreserve macht Geld also knapp, während der Leitzins das Geld in erster Linie teurer bzw. billiger macht.

Natürlich ist der Effekt am Ende in den meisten Fällen ein sehr ähnlicher (bei steigendem Zins sinkt die Nachfrage, bei höherer Mindestreserve das Angebot (=Nachfrage) und damit steigt der Preis), allerdings wirkte (aus meinem Gefühl heraus) die Mindestreserve direkter, sprich schneller. Weil es im Prinzip bei beiden Steuerungsmechanismen um das gleiche handelt, laufen beide Sachen auch immer relativ parallel, man darf sich in den nächsten Wochen von allem möglichen überraschen lassen (z.B. vom Christkind ;-) ), nur nicht von einer Leitzinssenkung in China. Die ist jetzt quasi gesetzt.

Die Frage, die sich jetzt stellt: Ist der chinesischen Notenbank die Abkühlung der Wirtschaft schon weit genug fortgeschritten? Oder ist die Senkung vor allem eine Reaktion auf die sich abkühlende Inflation?

Generell machen die Chinesen - soweit man das aus der Ferne beurteilen kann - die Sache nicht schlecht. Sie erhöhen die Zinsen relativ früh und warten dann auch nicht ab, bis die Wirtschaft in den freien Fall übergegangen ist, sondern drehen bereits frühzeitig wieder an der Zinsschraube.

Aber warten wir mal ab. Es gibt wohl nicht schwierigeres als eine gute Zinspolitik.

Eine andere Frage wäre, in wie weit die Zinspolitik in China noch ihre volle Wirkung entfaltet. Denn es gibt ein nicht zu unterschätzendes Parallel-Banken-und-Kreditwesen, über die (gerade in der Provinz) schon ein Drittel oder mehr der Gesamtkredite vergeben werden. Aber das ist Zeug für ein weiteres Posting, wann auch immer ich die Zeit dafür finden soll …

Außenhandelsdefizit für Deutschland?

Hüstel, liebe FAZ …

die Regierung [geht] dennoch davon aus, dass der Außenhandel das Wachstum rechnerisch belasten wird. Denn der Import dürfte den Export dieses Jahr übertreffen, was zu einem Außenhandelsdefizit führt

Wenn die Importe stärker steigen als die Exporte, senkt das das Wachstum. Das ist schon richtig. Das nennt sich dann “negativer Wachstumsbeitrag aus dem Außenhandels”. Aber ein Außenhandelsdefizit hat Deutschland danach natürlich immer noch nicht.

Dafür bräuchten wir als Exportwelteuropameister schon noch ein paar Jährchen mit “negativen Wachstumsbeiträgen aus dem Außenhandel”. Auch 2012 werden wir wohl wieder deutlich mehr exportieren als importieren. Der Außenhandelsüberschuss liegt bei deutlich über 150 Milliarden Euro, das ist nicht in einem Jahr weg …

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Baltic Dry fällt weiter - aber keine Panik.

Der Fall des Baltic Dry Index war hier schon ein paar Mal Thema. Kein Wunder, gilt er doch als guter Indikator für die weltweite Konjunkturentwicklung. Allerdings misst der Baltic Dry nur Teile der weltweiten Schiffscharterraten und außerdem ist er sehr volatil. Andere Indizes verhalten sich deutlich weniger dramatisch, siehe den oben erwähnten Harpex Index, der die Preise für Containerschiffe misst und sich stabilisiert hat.

Außerdem, so unkte ich schon in den älteren Posts zum Thema, tritt das Preistief oft Ende Januar auf. Der Preisrückgang ist also zum Teil normal.

Im großen Chart oben kann man diesen Effekt auch sehr gut erkennen. Der Tiefpunkt in der Mitte ist jeweils das chinesische Neujahrsfest (Betriebsferien, …). Die Charterraten fallen fast immer vorher und steigen fast immer nachher gleich wieder an. Das war 2008, 2009, 2010 und 2011 so. Auch 2012 ist es nicht anders.

Allerdings ist das Ausmaß schon ein anderes als in den Jahren zuvor. Erstens war der Einbruch vorher außergewöhnlich kräftig. Und zweitens bleibt die eigentlich fällige Erholung bis dato aus. 

Im Chart noch nicht sichtbar: Heute ging es noch einmal 3% weiter runter auf 680 Punkte. Damit ist der Baltic Dry Index nur noch 14 Zähler vom absoluten Tiefststand von Anfang 2009 entfernt. Es wird also langsam Zeit für die Wende, wenn noch ein neues Tief vermieden werden soll …

Kurz: Optimistisch macht der Baltic Dry natürlich nicht, aber Panik sollte man deswegen auch nicht bekommen.

China: Immobilienpreise 12/11: -0,3% (Vm), +1,4% (Vj)

Der dritte Monat in Folge mit sinkenden Preisen. In den Vormonaten sanken die Preise um jeweils 0,2%. Das Jahresplus ist daher auf nur 1,4% geschrumpft, im November waren es noch 2,2%.

Der gestern bereits erwähnte steigende Lagerbestand an unverkauften Immobilien schlägt sich also schon in den Preisen nieder (siehe China: BIP Q04-11: 8,9% - egghat’s not so micro blog)

in 8 Städten/Regionen sinken die Preise bereits im Jahresvergleich. Im Durchschnitt wird das landesweit wohl spätestens im Februar auch so sein.

Die Prognosen einiger Analysten sind übrigens ziemlich negativ, deutlicher als es das doch kleine Minus von 0,3% andeutet. Die Analysten können sich durchaus 10 bis 20% Preisrückgang bei den Immobilienpreisen vorstellen.

Das wäre allerdings happig und die Frage ist dann, ob ein solcher Einbruch spurlos an den Banken vorübergehen wird. 

Allerdings muss man positiv anmerken, dass die Investitionen in den Wohnungsbau (wie gestern bei den BIP-Zahlen gemeldet) bereits kräftig sinken. Es ist also nicht zu erwarten, dass in China in einem sich abschwächenden Umfeld noch Unmengen an zusätzlichen (nicht verkäuflichen) Wohnungen auf den Markt kommen. Außerdem wachsen die Bevölkerung (zumindest in den Regionen mit dem Bauboom) und die Einkommen (letztere wachsen mit 10% pro Jahr und damit immer noch etwa doppelt so stark wie die Inflation). Selbst wenn Wohnungen im Moment gemessen an den Einkommen deutlich zu teuer sein sollten (was sie wohl auch sind), schrumpft diese Lücke bei 10% Lohnplus und 10% Preisrückgang pro Jahr sehr schnell. 

Ja, es gibt eine Blase. Ja, die Preise werden sinken. Aber eine hohe Wahrscheinlichkeit für eine Krise wie in den USA, wo auch 6 Jahre (Preishoch bei den Immobilien war 2006) die Immobilienpreise sinken und die Lagerbestände noch nicht abgebaut sind, sehe ich in China nicht. Zumindest so lange nicht, wie die Banken stabil bleiben und die Abwärtsspirale nicht verstärken.

Aber solche Prognosen sind immer extrem wacklig, weil in China sehr viele Zahlen sehr komisch sind, man Statistiken noch weniger vertrauen kann als in den westlichen Ländern und man am Ende nicht einmal weiss, ob der Reuters-Immobilienpreisindex für China methodisch was taugt (in den USA gibt’s auch eine Menge Hauspreisindizes, von denen IMHO nur der Case-Shiller-Index eine fundierte Basis darstellt).

Klar ist aber: Wenn China Probleme bekommt, dann dürfte der Immobilienmarkt der Auslöser sein.

China home prices fall for 3rd straight month | Reuters

Spanien zweifelt an Defizitziel für 2012 (wegen plötzlicher Rezession)

Minus 4,4% Neuverschuldung in Prozent des BIPs wurden bisher angestrebt. Das habe ich ja schon immer für utopisch gehalten, auch weil die ursprünglichen Ziele (-6,0%) für 2011 verfehlt wurden und sich damit die Ausgangsbasis verschlechtert hat (siehe hier Spanien spart und spart und es nützt doch nichts - egghat’s not so micro blog und (4 Tage später!) Spanien: Haushaltsdefizit 2011 > 8,0% - egghat’s not so micro blog). Goldman Sachs rechnet mit einer Verfehlung um mindestens 1,1 Prozentpunkte, also einem Haushaltsdefizit von mind. 5,5%/BIP.

Ohne Wachstum kann man die Schulden nicht deutlich reduzieren. Dass die spanische Volkswirtschaft kein tolles Wachstum aufweisen wird, war klar. Dazu ist die Gesamtkonjunktur in Europa zu schlecht. Wie unrealistisch die Prognosen waren, war mir allerdings nicht bewusst (und ich war zu faul zu suchen, “zu hoch” reichte mir für’s erste). Die alte Regierung hat doch tatsächlich mit einem Plus von 2,3% für 2012 kalkuliert. Inzwischen wird eine Rezession erwartet, deren Tiefe und Länge noch völlig unklar sind.

Eine Einschätzung gibt der IWF, dessen Wachstumsprognose in der nächsten Woche offiziell erscheint, die aber der Telegraph schon in den Händen gehabt hat. Danach werden 2012 1,7% BIP-Minus für Spanien erwartet.

IWF senkt Wachstumsprognose für 2012 - egghat’s not so micro blog

Das liegt natürlich dramatisch unter der (alten) Wachstumsprognose Spaniens, genau um satte

4,0%.

Ich fürchte, dass die 1,1 Prozentpunkte, die Goldman Sachs auf das spanische Haushaltsdefizit aufgeschlagen hat, sich noch als zu optimistisch herausstellen könnten …

Frankreich: Verbraucherausgaben 11/11: -0,1% (Vm), -2,1% (Vj)

Der Monatsvergleich ist wenig aussagekräftig, dazu schwanken die Zahlen zu stark. Im Jahresvergleich zeigt sich aber deutlich, wie kräftig die französischen Verbraucher auf der Ausgabenbremse drücken. Und der Staat spart bekanntlich ebenfalls.

In diesem Umfeld kann die französische Wirtschaft im 4. Quartal eigentlich kein BIP-Plus mehr erwirtschaftet haben. Und weil Frankreich die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone ist, sehe ich auch für die gesamte Eurozone nicht mehr viel …

Zweifelt noch jemand an der Rezession?

French Consumer Spending Falls on Joblessness - Bloomberg