im innern

anonymous asked:

Hi Luna, seit einiger Zeit habe ich ein Problem damit, einfache und grundlegende Moralvorstellungen (z.B. über das Lügen) zuverstehen. Ich frage mich z.B. was genau so schlimm daran ist, in einer Liebesbeziehung seinen/seiner Patner/in zu betrügen. Das Problem dabei ist, dass ich nur auf gleichgültige Antworten stoße. Ich habe Angst dadurch ein Verhalten zu entwickeln, der andere Menschen verletzt oder mich in die Scheiße reitet. Hattest du schon ähnliche Probleme? Kennt wer 'ne Lösung?

Was genau so schlimm daran ist? (Kannst du es dir nicht denken?) Wäre es dir im Umkehrschluss auch egal, wenn man dich betrügt? Meine Moralvorstellung setzt sich aus dem zusammen, woran ich tief im Innern glaube (was sich zum Glück mir den Vorstellungen aus meinem Umfeld deckt); ich erwarte Sicherheit und Ehrlichkeit, deshalb können sie das von mir auch erwarten.

Den Puls...

Den Puls des
eigenen Herzens fühlen.
Ruhe im Innern,
Ruhe im Äußern.
Wieder Atem holen
lernen, das ist es.

(Christian Morgenstern)

Sterben ist eine einsame Sache. Das Leben aber auch. Wir alle verbringen unser Leben im tiefsten Innern einsam und allein. Ganz gleich, wie viel wir mit den Menschen teilen, die wir lieben, irgendetwas halten wir stets zurück. Manchmal ist es eine Kleinigkeit – zum Beispiel, wenn eine Frau sich an eine heimliche, längst vergangene Liebe erinnert. Sie erzählt ihrem Gatten, sie habe keinen Mann inniger geliebt als ihn, in ihrem ganzen Leben nicht, und das stimmt auch. Allerdings hat sie einen anderen Mann genauso sehr geliebt. Manchmal ist das Geheimnis in unserem Innern etwas Rie- siges und Düsteres – ein Ungeheuer, das direkt hinter uns lauert und dessen heißen Atem wir zwischen den Schulterblättern spü- ren. Ein Beispiel: Ein Student erlebt auf dem College, wie eine Frau von mehreren Kerlen nacheinander vergewaltigt wird, doch unser Student sagt kein Wort, zu keinem Menschen. Jahre später wird er Vater einer Tochter. Je mehr er sie liebt, desto größer wer- den seine Schuldgefühle. Trotzdem wird er seine inneren Qualen niemandem anvertrauen. Er wird eher Folter und Tod erleiden als die Wahrheit sagen. In tiefster Nacht – in den Stunden, wenn jeder von uns alleine ist – kommen diese alten Geheimnisse und klopfen bei uns an. Einige klopfen lautstark, andere leise, kaum vernehmlich. Doch ob laut oder leise, sie kommen. Keine verschlossene Tür kann sie aufhalten. Sie haben den Schlüssel zu unserem Innersten. Wir reden mit ihnen, flehen sie an, wir verfluchen sie, schreien sie an. Wir wünschen uns, mit jemandem über diese Geheimnisse reden zu können, sie jemandem anvertrauen zu können, nur einem ein- zigen anderen Menschen, um ein klein wenig Erleichterung zu finden. Wir wälzen uns im Bett hin und her oder gehen im Zimmer auf und ab oder nehmen Drogen oder heulen den Mond an, bis endlich der Morgen dämmert. Mit dem neuen Tag verstummt das Jaulen und Kreischen unserer dunklen Geheimnisse; sie kapseln sich wieder ein in unserem Innern, und wir tun unser Bestes, mit ihnen weiterzuleben. Der Erfolg bei diesem Unterfangen hängt von der Art und Größe des Geheimnisses ab und dem, der es in sich trägt. Nicht jeder ist dazu geschaffen, mit Schuld zu leben.Jung oder Alt, Mann oder Frau, jeder hat Geheimnisse. Das habe ich gelernt. Das habe ich erfahren. Ich weiß es von mir selbst.

Jeder.

—  Das Böse in uns, Mcfadyen
Wenn wir uns beispielsweise im tiefsten innern ungeliebt fühlen, uns aber um dieses Gefühl nicht kümmern, weil wir es verdrängt haben, dann werden wir bedürftig, gierig, ja süchtig sein nach der Liebe anderer.
—  Safi Nidiaye, Das Tao des Herzens

Am Anfang merkt man noch nicht viel davon, man hat eines Tages keine Lust mehr, irgendetwas zu tun. Nichts interessiert einen, man ödet sich, aber diese Unlust verschwindet nicht wieder, sondern sie bleibt. Sie wird schlimmer, von Tag zu Tag, von Woche zu Woche. Man fühlt sich immer missmutiger, immer leerer im Innern, immer unzufriedener mit sich und der Welt, die ganze Welt kommt einem fremd vor und geht einen nichts mehr an. Es gibt keinen Zorn mehr, und keine Begeisterung, man kann sich nicht mehr freuen und nicht mehr trauern, man verlernt das Lachen und das Weinen. Dann ist es kalt geworden in einem, und man kann Nichts und Niemanden mehr lieb haben, dann hört nach und nach sogar dieses Gefühl auf. Und man fühlt gar nichts mehr, man wird ganz gleichgültig und grau.

— 

Tua - Es Regnet

Veränderung

Ich will gar nicht diejenige sein, die etwas verändert. Damit meine ich: Ich möchte eigentlich nicht repräsentativ für irgendwas stehen, viel mehr möchte ich ein kleiner Teil des großen Ganzen sein. Was verändern will ich schon, beziehungsweise ich wünschte, die Welt wäre anders. Weil sie das aber nicht ist sollte jeder von uns jeden Tag so gut es einem eben möglich ist daran arbeiten, oder nicht? Ich kann mir einfach nicht vorstellen, dass wir alle tief im Innern so verschiedene Vorstellungen davon haben, was der richtige Weg ist.

Ist „allein sein“ so schlimm für diese menscheit, das sie sich abhängig und blind machen lässt? Nur um sich nicht mit sich selbst auseinander setzen zu müssen? Wäre es nicht schön, sich selbst zu verstehen, zu difinieren, im innern klar und aufgeräumt zu sein? Und vorallem zu wissen, wie etwas wirklich ist?
—  basis noir soninja // text vom 22.09.2013